Die Opec und der Ölpreis
Die verordnete Preiskorrektur

Das Ölkartell macht erneut Andeutungen über eine Stabilisierung des Ölmarkts. Spekulanten lassen sich locken und wetten auf steigende Preise. Derweil gibt es erste Zeichen der Erholung bei den Anleihen von Ölproduzenten.

FrankfurtNun schalten sich sogar Ehemalige ein: Chakib Khelil, Ex-Energieminister Algeriens von 1999 bis 2010) und 2001 sowie 2008 Präsident der Opec glaubt daran, dass sich das Ölkartell auf ein Förderlimit einigen kann. „Alle Bedingungen für eine Vereinbarung sind vorhanden“, sagte Khelil in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wahrscheinlich ist jetzt die Zeit gekommen, weil die meisten großen Ölproduzenten wie Russland, Iran, Irak und Saudi-Arabien Förderrekorde verzeichnen. Sie haben alle Marktanteile gewonnen, die sie gewinnen konnten.“

Der weltweit größte Erdölexporteur Saudi-Arabien hat angedeutet, dass seine Ölförderung im August auf einen Rekordwert steigen könnte. Aus Branchenkreisen verlautete, das Königreich habe bereits seit Juni seine Fördermenge angehoben, um die Nachfrage im In- und Ausland bedienen zu können. Im ersten Halbjahr hatte Saudi-Arabien die Förderung noch stabil gehalten.

Khelil ist nur das neuste Mitglied in einer Riege bedeutender Öl-Staaten-Persönlichkeiten, die die jüngsten Spekulationen über eine mögliche Fördergrenze anfachen. Auch der saudische sowie der russische Ölminister mischen mit. Die vom schwachen Ölpreis arg gebeutelten Venezolaner nutzen ohnehin jede Gelegenheit, um auf eine Verknappung des Angebots zu drängen. Seit der amtierende Opec-Präsident Mohammed bin Saleh Al Sada am Montag vergangener Woche für Ende September ein informelles Treffen des Ölkartells einberufen hat, geht es wieder bergauf beim Ölpreis. Dessen Rückgang von mehr als 50 auf fast 40 Dollar seit Juni ist gestoppt. Ein Barrel (159 Liter) des Nordseeöls Brent kostet wieder über 49 Dollar, das nordamerikanische Leichtöl WTI 46 Dollar.

Der alte Trick des Ölkartells, durch verbale Interventionen den Preis zu seinen Gunsten zu korrigieren, fruchtet also noch. Und das, obwohl die Erfahrungen aus dem Februar, April und Juni, als Spekulationen über ein mögliches Förderlimit schon einmal aufkamen, ja eigentlich zeigen, dass man ihnen nicht allzu viel Bedeutung schenken sollte. Die Gespräche scheiterten, weil sich die Opec, allen voran der Iran und Saudi-Arabien, nicht einigen konnten.

Die neuen Ankündigungen wurden von den Analysten der Großbanken daher gleich skeptisch aufgenommen. Viel mehr als „leeres Gerede“ werde auch diesmal nicht rumkommen, kommentierte die Commerzbank. Doch die Investoren dieser Welt scheinen das anders zu sehen. „Auch wenn eigentlich kein Marktbeobachter mit einer Einigung auf Produktionsobergrenzen beim Treffen in Algerien Ende September rechnet, sorgen die Diskussionen darüber wie schon im Frühjahr für Preisauftrieb“, bemerkt die Commerzbank nüchtern bis bissig.

Ein durchaus treibender Faktor sind – einmal mehr – die Hedgefonds. Nach den spekulativen Aussagen der Ölnationen – neben dem Opec-Präsidenten sprachen wenige Tage später auch der saudische Energieminister Khalid Al-Falih und der russische Energieminister Alexander Nowak von „stabilisierenden“ Maßnahmen – setzte bei den Geldmanagern ein Umdenken ein. Allein in der vergangenen Woche stiegen die Wetten auf steigende Ölpreise dreimal so stark wie jene auf fallende Preise, wie aus Daten der US-Aufsichtsbehörde für die Terminmärkte CFTC hervorgeht. Reuters zufolge setzen die Hedgefonds so stark auf steigende Preise wie seit Mitte Mai nicht mehr.

Stützend wirkt auch die Prognose der Internationalen Energieagentur, laut der bereits im dritten Quartal dieses Jahres die Ölnachfrage das Angebot übersteigen werde. Spätestens in der ersten Hälfte des nächsten Jahres rechnen die meisten Analysten dann damit, dass sich Angebot und Nachfrage ausgleichen. Und am Markt machen sich schon erste kleine Zeichen der Erholung breit.

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