Die Rohstoffpreise steigen weiter: Die Old Economy schlägt zurück

Die Rohstoffpreise steigen weiter
Die Old Economy schlägt zurück

Die Rohstoffmärkte werden von den Sünden der Vergangenheit eingeholt. Seit dem Tief im Oktober 2001 sind die Preise der Rohstoffe um durchschnittlich rund 50 % gestiegen.

FRANKFURT/M. Dies war nicht zuletzt auch eine Folge der immer deutlicher zu Tage tretenden Schwächen in der Infrastruktur der Rohstoffmärkte. Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg waren Investitionen in Rohstoffprojekte als unwirtschaftlich betrachtet worden.

Die steigende Nachfrage der VR China hat nicht nur die Rohstofflager schrumpfen lassen, sondern auch den CRB-Index in die Nähe seines Allzeithochs aus dem Jahr 1988 in die Höhe schnellen lassen. Heute erkennen immer mehr Beobachter enorme Defizite sowohl in zu geringen Förder-, Lager- und Verarbeitungskapazitäten als auch im Transportwesen (Pipelines, Tanker, Containerschiffe etc). Grund: Der Hype des Internet-Zeitalters hat notwendige Investitionen sowohl in die Exploration (die Erforschung neuer Vorkommen) als auch in die Infrastruktur der Rohstoffmärkte verhindert. Jeff Currie von Goldman Sachs spricht im Zusammenhang mit dem diesbezüglichen Missmanagement der Wirtschaft und dem chronischen Unterinvestment in die Infrastruktur der Rohstoffmärkte von einer „Revanche der old economy“.

Auf die Gefahr einer Verknappung bei einzelnen Rohstoffen weisen auch die Fachleute von UBS in London hin. Seit 1998 seien die Investitionen der Wirtschaft im Bereich der Basismaterialien (Energie, Chemie-Rohstoffe, Metalle, Papier, Stahl, Baumaterialien) von rund 110 Mrd. $ auf unter 40 Mrd. $ gefallen. Ein Grund: Banken und Risikokapitalgeber weigerten sich, Rohstoffprojekte zu finanzieren. Die Schere zwischen sinkenden Investitionen und steigender Nachfrage weitet sich vor allem im Minensektor aus. Seit 1997 sind die Explorationsausgaben bei Bunt- und Edelmetallen um 63 % geschrumpft. „Es ist besorgniserregend, dass in den vergangenen Jahren nur wenige bedeutende Vorkommen entdeckt wurden", sagt Peter Hickson von UBS. Es müsse berücksichtigt werden, dass von der Entdeckung eines Vorkommens bis zur Fertigstellung einer Mine zehn Jahre vergehen können.

Die Rohstoff-Experten von UBS weisen zudem auf den starken Anstieg der Frachtraten hin. Seit dem zyklischen Tief im Dezember 2001 haben sich die Frachtraten mehr als verdoppelt. Der Handel mit China habe zu einer Verknappung der Frachtkapazitäten geführt.

Für Jeff Currie von Goldman Sachs sind die Schwächen in der Infrastruktur der Rohstoffmärkte eindeutig Hausse-Argumente. Grund: Die Probleme dürften für einige Jahre erhalten bleiben. „Für Anleger macht es daher keinen Sinn, während des Konjunkturaufschwungs in Rohstoffen „short“ zu sein, also auf sinkende Preise zu setzen“, sagt er. China sei weiter entscheidend für den Haussetrend bei Rohstoffen, da sich das Land zu einer Industrienation entwickle.

Die Anleger könnten darauf setzen, dass die über einen Zeitraum von fast 15 Jahren hinweg deutlich rückläufigen Rohstoffpreise wegen des nur limitierten Angebots und der exorbitanten Unterinvestments der Vergangenheit noch über viele Jahre hinweg nachhaltig steigen werden, sagt Hans-Jürgen Klisch vom US-Finanzhaus Raymond James & Associates.

Die Experten von Goldman Sachs sehen bei Energie-Rohstoffen die Gefahr eines vorübergehenden leichten Preisrückschlags. Die größten Chancen auf eine Fortsetzung der Hausse sehen sie bei Nickel und Aluminium. Probleme verschiedener Kupferminen haben das Finanzhaus jetzt auch veranlasst, die Preisprognose für Kupfer anzuheben.

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