Die Schwankungen am Weltmarkt steigen
Verband erwartet höhere Kohlepreise

Die Preise für Importkohle werden in diesem Jahr deutlich anziehen. Dies prognostizierte der Verein der Kohlenimporteure (VDKI) gestern bei Vorlage seines Jahresberichts.

jsn/rp DÜSSELDORF. Nach 40 Euro je Tonne Kraftwerkskohle wird der Preis in diesem Jahr auf 58 bis 60 Euro steigen, schätzt Erich Schmitz, Vorsitzender des VDKI und Vorstand der Eon-Kraftwerke. Nach Angaben des Hamburger Fachblatts Energie-Informationsdienst erreichte der Preis für Importkohle bereits im April über 54 Euro.

Die deutschen Importkohlenpreise sind im vergangenen Jahr laut VDKI gesunken. Schmitz führte dies insbesondere auf den starken Kurs des Euros zurück. Weltweit waren die Preise auf Dollarbasis dagegen schon Mitte 2003 rasant gestiegen. Ursache für die höheren Weltmarktpreise war vor allem eine stärkere Nachfrage aus den USA und aus Europa. Daneben „bewegt aber auch China die Weltmärkte“, sagte Schmitz. „Die Entwicklung in China ist eine unkalkulierbare Größe“, warnt auch der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt.

Wie hoch der Einfluss Chinas tatsächlich ist, zeigt ein Beispiel. So steigerte die Volksrepublik selbst ihre Produktion um 350 Mill. Tonnen auf 1,7 Mrd. Tonnen. Dieser Anstieg, der komplett im Inland verblieb, entspricht etwa 50 Prozent des gesamten Weltkohlenhandels von 670 Mill. Tonnen. China ist der größte Kohlenproduzent der Welt.

Die letztjährigen Preissteigerungen betrafen in erster Linie Koks und Kokskohle. Zur Herstellung von Koks wird in speziellen Öfen Kokskohle unter Luftausschluss erhitzt. Dabei werden die flüchtigen Bestandteile der Kohle freigesetzt. Als Produkt erhält man Koks. Dieser Kohlenstofflieferant (Reinheit ca. 97 Prozent) wird als Reduktions- und Aufkohlungsmittel bei der Eisenherstellung im Hochofen benötigt. Engpässe bestehen zurzeit insbesondere im Bereich der Kokerei- Kapazitäten. Dennoch hält es Ingo Batzel, bei Thyssen Krupp Stahl verantwortlich für den Rohstoffeinkauf, für „unwahrscheinlich, dass die Kokerei-Erzeugung in Deutschland noch aufgestockt wird“.

Insgesamt ist der Weltkohlenmarkt anfälliger geworden. Dies zeigt sich nicht zuletzt in stärkeren Preisausschlägen, die bereits durch kleine Zusatzmengen ausgelöst würden. „Die Volatilität im Markt nimmt zu“, sagte Thomas Hoffmann, Vorstandsmitglied des VDKI. Als Auslöser sei dabei auch China nicht auszuschließen. Hinzu kam im Jahr 2003 der stark steigende Kohlenbedarf durch Sonderentwicklungen. Dazu zählten die zeitweise Stilllegung japanischer Kernkraftwerke und der Umstieg auf Kohlekraftwerke in den USA nach der starken Verteurung des Erdgases.

So paradox es klingt: Die letztjährige Hitzewelle ließ den Kohlenbedarf in Europa anziehen. Durch eine stärkere Auslastung der Kohlekraftwerke musste der Ausfall von Windenergie, Wasserkraft und Kernenergie kompensiert werden. In Deutschland steuerte Importkohle zu dem Gesamtverbrauch von 70 Mill. Tonnen 42 Mill. Tonnen zu. Für 2004 schätzt der VDKI den Importbedarf auf 38 bis 39 Mill. Tonnen. Bis Ende 2020 könnte Importkohle aber auf 60 bis 65 Mill. Tonnen zulegen. Grund dafür sind die geplanten Stilllegungen deutscher Kernkraftwerke und die Verringerung des deutschen Kohlebergbaus. Hauptlieferanten sind bisher Südafrika, Polen und Kolumbien. Am Weltmarkt Nummer eins ist mit Abstand Australien.

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