Die Währungswette
„Der Euro ist zu teuer!“ – „Unsinn!“

Die Redakteure Mallien und Hackhausen haben gewettet: Der eine setzt auf den Euro, der andere auf den Dollar. Jetzt steht die Wette kurz vor der Auflösung. Wer wird Recht behalten? Und wer hat die besseren Argumente?
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Jan Mallien: Erinnerst du dich noch an unsere Währungswette?
Jörg Hackhausen: Währungswette? Hm, da war was.

Mallien: Tu nicht so unwissend. Aber wenn es sein muss, helfe ich deiner Erinnerung gerne auf die Sprünge. Du hast vor einem Dreivierteljahr gewettet, dass der Euro auf 1,20 Dollar fällt. Davon sind wir ziemlich weit weg.

Hackhausen: Hattest du nicht prophezeit, dass der Euro auf 1,50 Dollar steigt. Damit liegst du ja wohl auch ziemlich falsch, du Experte.

Mallien: Netter Versuch. Aber wenn du denkst, wir könnten uns auf ein Unentschieden einigen: Das ist nicht drin. Der Euro hat stetig zugelegt und steht momentan fast bei 1,40 Dollar – und damit liege ich näher dran. Der Sieg geht an mich!

Hackhausen: Freu’ dich nicht zu früh. Die Wette war auf ein Jahr angelegt. Drei Monate habe ich also noch – bis dahin kann noch was passieren.

Mallien: Ach ja? Eine sehr vage Hoffnung, mein Lieber. Was soll denn jetzt noch die Wende bringen?

Hackhausen: Sehen wir die Sache mal realistisch: Bis 1,20 Dollar wird der Euro in absehbarer Zeit nicht mehr fallen. Das war ein Thema, als Investoren noch mit einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone rechneten. Draghis Erklärung, er werde alles tun, um den Euro zu retten, hat diese Angst beseitigt. Jetzt kommt die Übertreibung in die andere Richtung. Da ist viel Psychologie im Spiel.

Mallien: Ich sehe schon, Du ruderst zurück. Draghis Ankündigung hat dem Euro geholfen – keine Frage. Aber gleichzeitig haben sich auch die wirtschaftlichen Fakten für die Euro-Zone deutlich verbessert.

Hackhausen: Na ja, gemessen am Wirtschaftswachstum ist der Anstieg des Euros zu stark ausgefallen.

Mallien: Unsinn! Der Euro wird sogar noch weiter steigen.

Hackhausen: Die wirtschaftliche Dynamik spricht eher für die USA. Die US-Wirtschaft wird in diesem Jahr um mehr als zwei Prozent wachsen, die Euro-Zone um ein Prozent. Das spiegeln die Wechselkurse noch nicht wider.

Mallien: Die Wiederauferstehung des Euros ist kein Wunder, sondern logische Konsequenz: Die Euro-Zone verkauft inzwischen viel mehr Waren ins Ausland als sie von dort importiert. Um dafür zu bezahlen, müssen zum Beispiel die Amis ihren Dollar in Euro tauschen. Dadurch wird der Euro teurer, ganz einfach.

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  • @ compact-magazin_com: "...Staatsverschuldung der USA, die zwischen 2003 und 2013 von 6731 auf 17556 Mrd. Dollar kletterte!" - Die jährliche Wirtschaftsleistung der USA beträgt rd. 15,0 Bio. US$; das Congressional Budget Office gibt die US-Verschuldung für 2010 mit rd. 12,0 Bio. US$ an, also mit 80% der jährlichen Wirtschaftsleistung. Prof. Kotlikoff, ein amerikanischer Genartionenforscher der Universität Boston, schätzt die US-Verschuldung solide auf 130,0 Bio. US$, also fast 1000% der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das sind ähnliche Differenzen wir in diesem Lande, wo die bilanzierte Verschuldung mit rd. 2,5 Bio Euro, also etwa 100% der jährlichen Wirtschaftsleistung angegeben wird. Unsere Generationenforscher ermitteln aber als Gesamtverschuldung rd. 8,5 Bio. Euro, also mehr als 300% der jährlichen Wirtschaftsleistung oder fast 90 % des gesamten inländischen Nettovermögens. Die EU gibt ihre Gesamtverschuldung mit rd. 8,0 Bio. Euro an, also weniger als in einem Land. Wir sitzen im Westen in einem Schuldturm, der nur noch einen Ausgang kennt: Währungsreform – und lange kann es nicht mehr dauern.

  • Das wäre ein schönes neues Thema für eine Handelsblatt-Wette. Ich würde allerdings gegen Sie wetten.

  • Ihnen sollte aber auch klar sein, dass diese Defizite alle fallen und weit von den Höchstständen entfernt sind.

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