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Digitale WährungPrognose sieht Bitcoin bei 6000 Dollar

Bitcoin-Hype und kein Ende: Wie hoch steigt der Kurs der digitalen Währung? Immer neue Prognosen sehen immer höhere Kurse voraus – gleichzeitig wächst die Furcht vor einer Blase. Belastbar sind viele Schätzungen nicht.Felix Holtermann 22.08.2017 - 11:56 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Kurs der Digitalwährung entwickelt sich – trotz wiederholter Rückschläge – aufwärts. Wie lange kann es so weitergehen?

Foto: Reuters

Düsseldorf. Wall-Street-Analyst Thomas J. Lee ist eigentlich für vorsichtige Prognosen bekannt. Der frühere Anlagestrategie der größten US-Bank, JPMorgan Chase, ist bei einer Anlageklasse jedoch optimistisch: bei der Internetwährung Bitcoin. Geht es nach Lee, dürfte deren Kursrallye weitergehen. Der Gründer des Analysehauses Fundstrat Global Advisors prognostiziert einen Kurs von 6.000 Dollar binnen Jahresfrist.

Diese Prognose ist umso optimistischer, als dass der Bitcoin bereits eine beispiellose Kursrallye hinter sich hat. Notierte der Kurs Anfang Januar 2017 noch bei knapp unter 1.000 Dollar, so liegt er inzwischen bei über 4.100 Dollar.

Lees Schätzung fußt auf einer einfachen Rechnung: Der Analyst erwartet einen Anstieg der Nutzerzahlen um 50 Prozent und ein um 30 Prozent höheres Handelsvolumen pro Konto. Jeder zehnprozentige Nutzeranstieg erhöht ihm zufolge den Bitcoin-Kurs um 222 Dollar, jeder gleiche hohe Anstieg der Nutzeraktivität sogar um 274 Dollar. Bis 2022 könne der Bitcoin-Kurs daher auf bis zu 25.000 Dollar steigen, glaubt Thomas J. Lee.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin
Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.
Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.
Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.
Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.
Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“
Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Lee ist nicht der einzige Analyst, der derzeit mit stark optimistischen Kursschätzungen von sich reden macht. Immer mehr Investoren nähern sich dem Thema, darunter auch die ersten Großbanken, die den Kryptowährungen bis dato skeptisch bis ablehnend gegenüberstanden.

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