Digitalwährungen

Die Macht im Krypto-Reich verschiebt sich

Die Unsicherheit am Markt für Digitalwährungen hält an. Die Kurse notieren weiter auf breiter Front im Minus. Analysten führen den Verfall auf Psychologie zurück – und auf eine globale Machtverschiebung im Krypto-Reich.
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Bitcoin: Die Macht im Reich der Kryptowährungen verschiebt sich Quelle: Photographer's Choice/Getty Images
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Der Wert der Kryptowährung hat sich 2017 vervielfacht. Zahlreiche Konkurrenten standen im vergangenen Jahr sogar noch besser da.

(Foto: Photographer's Choice/Getty Images)

DüsseldorfDie Unsicherheit am Markt für digitale Währungen hält an. Nachdem deren Kurse zum Wochenstart überwiegend eingebrochen waren, setzte sich der Wertverfall am Dienstag auf breiter Front fort. Auch am Mittwochmorgen notierten fast alle Währungen deutlich im Minus.

So lag der Marktführer Bitcoin weiter unter der Marke von 15.000 Dollar, mehr als 1000 Dollar weniger als am Wochenende. Rund 21 Prozent im Minus notierte die Währung Ripple, hinter der zahlreiche Finanzinstitute stehen. Analysten führen den Verfall auf Psychologie zurück – und auf eine globale Machtverschiebung im Krypto-Reich.

Psychologisch wirkt etwa die Entscheidung des Branchendiensts Coinmarketcap nach, südkoreanische Börsen auszuschließen. Diese hatten lange deutlich höhere Tauschkurse als europäische und US-Börsen verzeichnet, was den globalen Durchschnittspreis verzerrte. Coinmarketcap hat sie nun aus der Kalkulation geworfen. Zwar sind westliche Anleger durch den Schritt kaum betroffen, da sie nicht in Südkorea handeln. Die Korrektur trieb aber viele Spekulanten zu Panikverkäufen, was die Kurse weiter drückte: ein Teufelskreis. In der Vergangenheit erholten sich die Kurse nach Abstürzen meist rasch, am Dienstag und Mittwoch aber hielt die Depression an.

Zitate zum Bitcoin
„Wenn wir einen Trader hätten, der mit Bitcoins handeln würde, ich würde ihn innerhalb von einer Sekunde feuern“
1 von 13

Jamie Dimon (JP-Morgan-Chef)

„Das ist mehr als eine Masche“
2 von 13

James Gorman (Morgan-Stanley-Chef)

„Die exakte Definition einer Blase“
3 von 13

Tidjane Thiam (Credit-Suisse-Chef)

„Ein Index für Geldwäscher“
4 von 13

Laurence Fink (Chef der Fondsgesellschaft Blackrock)

„Gold hat einen Wert, weil die Menschen daran glauben, dass es einen Wert hat. Der Bitcoin ist auf einer faszinierenden Technologie aufgebaut, und seine Anzahl ist beschränkt.“
5 von 13

Mike Novogratz (Hedge-Fonds-Manager)

„Der Bitcoin ist ein Tauschmittel, das nicht von einer Zentralbank herausgegeben wird, sondern von nicht bekannten Akteuren. Ich sehe ihn nicht als Währung.“
6 von 13

Carl-Ludwig Thiele (Bundesbank-Vorstandsmitglied)

„Er ist nur ein tolles Beispiel für eine Blase.“
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Robert Shiller (Ökonom, Wirtschaftswissenschaftler an der Yale University und Nobelpreisträger)

Schuld dürften die strengeren Regeln vor allem der Aufseher in Asien sein. Bisher ist China das Zentrum des Bitcoin-Netzwerks. Dort sitzen die meisten Produzenten, die sogenannten Miner, die die Datenbank pflegen und dafür mit virtuellen Münzen belohnt werden. Da die digitale Buchhaltung viel Energie verschlingt (der Strombedarf könnte bald dem Dänemarks entsprechen), kommt der billige chinesische Kohlestrom wie gerufen. Stolze 75 Prozent des Minings entfallen auf fünf chinesische Anbieter. Doch Peking möchte die Ballung offenbar beenden: Geht es nach der Zentralbank und Aufsicht, sollen lokale Behörden ein „geordnetes Ende“ des Minings einleiten.

Auch im zweiten Krypto-Boomland, Südkorea, schauen die Aufseher strenger hin. Handel soll nur noch auf genehmigten Börsen möglich sein. Den Banken ist Bitcoin-Handel bereits verboten. Und jetzt verstärken die Behörden den Kampf gegen Geldwäsche: Inspiziert werden sechs Institute, die Konten für Krypto-Firmen führen. In Singapur haben die Banken solche Geschäftsbeziehungen zum Teil bereits beendet.

Dass sich die Politik in Ostasien gegen Bitcoin und Co. richtet, könnte den Schwerpunkt des Geschäfts 2018 nach Westen verschieben. Die chinesischen Miner BTC.Top, ViaBTC und Bitmain sehen sich bereits nach Standorten in den USA, Kanada und Island um. Dortige Akteure wittern satte Gewinne, sollten die Kurse wieder steigen.

Geläutert gibt sich ausgerechnet Jamie Dimon, Chef der US-Großbank JP Morgen, der Bitcoin im September noch als „Betrug“ bezeichnet und jedem Banker, der mit ihm handelt, mit der Kündigung gedroht hatte. Am Dienstag schwächte Dimon seine Kritik im Fernsehsender „Fox“ deutlich ab. „Ich bedauere, sie geäußert zu haben“, sagte er. Persönlich sei er am Thema „nicht interessiert“, aber die Blockchain-Technik, auf der der Bitcoin basiert, sei „real“. Jede neue Digitalwährung müsse individuell beurteilt werden.

Tatsächlich durchbricht eine Währung den Abwärtstrend: Die Nummer zwei, Ethereum, notierte am Mittwochmorgen über 14 Prozent im Plus. Die Besonderheit: Ethereum dient nicht nur der Spekulation, sondern hat schon heute reale Anwendungsfälle.

Dazu zählt das US-Spiel „CryptoKitties“, in dem virtuelle Kätzchen auf der Ethereum-Blockchain gespeichert werden. Jeder Spieler zieht eine einzigartige Katze groß und kann sie später verkaufen. Klingt banal, funktioniert gut: Die flauschigen Kätzchen begeistern bereits Zehntausende Fans. Dass auch Ethereum mit technischen Problemen kämpft, ist da fast vergessen.

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