Dimitri Speck im Interview

„Ohne Spekulanten wäre der Hunger größer“

Rohstoffexperte Dimitri Speck erklärt dem Interview, warum der Vorwurf, Spekulanten würden die Nahrungsmittelpreise in die Höhe treiben, eine Mär ist. Und warum die Rohstoffpreise dennoch so stark schwanken.
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Kinder vor ihrem Haus in Mali. Der Norden des Landes wird von Armut und Hunger geplagt. Tragen Spekulanten zum Hunger bei? Quelle: dapd

Kinder vor ihrem Haus in Mali. Der Norden des Landes wird von Armut und Hunger geplagt. Tragen Spekulanten zum Hunger bei?

(Foto: dapd)

WirtschaftsWoche: Herr Speck, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück fordert ein Verbot von Investmentprodukten, die die Preise von Agrarrohstoffen abbilden. Sie dienten vorwiegend der Spekulation. Mit den zunehmenden Beträgen, die Finanzanleger an den Terminmärkten in Rohstoffkontrakte investiert haben, sind die Nahrungsmittelpreise tatsächlich nach oben gegangen. Sie bestreiten, dass es hier einen Zusammenhang gibt. Wie kommen Sie darauf?
Dimitri Speck: Es gibt den Zusammenhang nicht. Derzeit etwa verabschiedet sich eine Bank nach der anderen wegen des öffentlichen Drucks aus dem Geschäft mit Agrarrohstoffen. Es gibt kaum noch Mittelzuflüsse, aber die Agrarpreise sind weiter gestiegen.

Spürbar abgenommen haben die investierten Summen aber auch nicht.
Die Größenordnung der investierten Beträge an den Terminmärkten relativiert sich, wenn man die Größe des Gesamtmarkts betrachtet. Bei Weizen etwa liegen sie bei fünf Prozent der Weltjahresernte. Ich bestreite ja nicht, dass seit 2005 gewaltige Summen in die Rohstoffmärkte geflossen sind. Die Finanzanleger, die an den Terminmärkten Rohstoffanlagen kaufen, also neben institutionellen Investoren auch Privatanleger, die etwa Zertifikate auf Weizen kaufen, sind aber nicht für die steigenden Preise verantwortlich. 2006 gab es hohe Mittelzuflüsse in die Rohstoffmärkte, die Preise aber liefen seitwärts. Hingegen stiegen die Preise 2007 bei abnehmenden Mittelzuflüssen. Und während des Preiseinbruchs 2008 kam es kaum zu Abflüssen.

Und von 2009 an?
Da war tatsächlich bis Anfang 2011 ein Gleichlauf zu erkennen. Das war aber einer gemeinsamen Ursache, dem Fluten mit Zentralbankgeld, geschuldet. Das hat sowohl die Anlagemärkte belebt als auch die physische Nachfrage nach Rohstoffen durch die Erholung der Weltkonjunktur.

Die Kritiker leugnen nicht, dass es fundamentale Gründe für einen Preisanstieg gibt, bei Nahrungsmitteln etwa das Wachstum der Weltbevölkerung und begrenzte Anbauflächen. Diese Faktoren aber wirkten langfristig und könnten das Tempo und die Höhe der Preisanstiege nicht erklären. Dafür seien Finanzanleger verantwortlich.
Wenn dem so wäre, dann frage ich mich, warum Notenbanken nicht einfach am Terminmarkt als Verkäufer auftreten. Der Hunger wäre besiegt, und die Inflation ließe sich so auch bekämpfen. Im Ernst, die Argumentation der Kritiker ist schwach. Sie sehen die Schuld der Investoren als bewiesen an, weil sie keine andere Erklärung für die Preissteigerungen haben. Preisblasen können sich aber auch ganz ohne Investoren an den Terminmärkten bilden.

Wo zum Beispiel?
Nehmen Sie Rhodium, das zum Beispiel für Katalysatoren gebraucht wird. Dessen Preis hatte sich, obwohl es überhaupt keinen Terminmarkt für Rhodium gibt, binnen fünf Jahren bis Mitte 2008 etwa verzwanzigfacht. Anschließend platzte die Preisblase binnen weniger Monate.

Das Angebot kann kaum gesteigert werden
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12 Kommentare zu "Dimitri Speck im Interview: „Ohne Spekulanten wäre der Hunger größer“"

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  • Angesichts der Geldmassen die von unserern Politikern als Schulden in die Welt gesetzt werden - verbietet sich eigentlich jede Aussage die auf längerfristigen nominalen Vergleichen in Währungen gründet.
    Betrachtet man die hier genannten Parameter einmal umgerechnet in Feinunzen Gold oder Barrel Benzin - dann relativieren sich die gemachten Aussagen. Dann haben kann von steigenden Nahrungsmittelpreisen ebendsowenig die Rede sein wie von zunehmender Spekulation.



  • Die argumentativen Verrenkungen des Hrn. Speck sind ja irgendwie genauso rührend wie peinlich.
    Die Wahrheit erkennt man hingegen doch sofort, wenn man die Preise für Rohstoffe (Agrar-, Metall-,Energie-)mal in langfristigen Charts betrachtet. Beeindruckend ist da vor allen Dingen der plötzliche Einbruch zu Beginn der Finanzkrise 2008/2009. Keine realwirtschaftliche Entwicklung dieser Zeitperiode kann z.B. den Kollaps der Weizenpreise erklären. Die Ursache war damals der drohende Liquiditätsmangel, der die Investoren in Scharen aus ihren Investments jagte.
    Nun, es ist ja dann anders gekommen: Die Notenbanken haben die Welt mit aberwitziger Liquidität geflutet und siehe da: Die Rohstoffpreise sind wieder steil angestiegen.
    Fundamentales (z.B. Dürre in den USA) spielt da nur als Aufhänger eine Rolle, sprich: Knappheiten führen zur Preisexplosion, während (überraschend) gute Ernten meist völlig ignoriert werden.
    Auch alle anderen fundamentalen Gründe (Bev.wachstum, Fleischkonsum, Biosprit) sind letztlich nur vorgeschoben, denn selbst heute gibt es noch gewaltige Brachflächen auf dieser Welt, die aber niemand braucht - kein (physischer) Bedarf !
    Gleiches/Ähnliches gilt auch für Energie- und Metallrohstoffe mit nur ganz wenigen Ausnahmen (z.B. Zinn).

  • @ Mazi
    Sie glauben also, die Finanzkrise hätte verhindert werden können, wenn Fachleute in den Banken säßen? So muß ich ihre Schlußfolgerung deuten wenn ich sie übertrage.

    Nun Fachleute sind ja auch Lobbyisten oder Provisionsempfänger etc. Und da ist ihnen die Provision lieger als die fachliche Expertise.

    Die Statistiken sind alles Zahlenspielereien, die zwar in bestimmten Wertebereichen gelten aber keine Kausalität beinhalten. Erst denken, dann rechnen. Das gilt besonders für Statistik.

  • Ein typischer Statistik-Jünger, der die Welt nur durch ein Spread-Sheet betrachtet. Fehlgeleitete Intelligence.

  • Es fehlt einfach die Logik im dem Artikel.

  • Ich stimme Ihnen zu. "Popper" hat keine Ahnung.

    Es gibt in der Tat viele, ganz besonders in der Politik, die keine Ahnung haben. Das Thema kommt ihnen zum Aufbau eines Feindbildes nur gelegen. Statt die eigene Fehlleistung in diesem Zusammenhang kritisch zu reflektieren - ich denke an E10 -, wird die hirnlose Hetzpolitik weiter betrieben und Leute - wie Popper - weiter in die Irre geführt.

    Es würde der Diskussion nicht Schaden, wenn Fachleute die Diskussion führen.

  • Es ist schon bemerkenswert, wie ein schlecht disponierter (oder: vorbereiteter) Autor sich von einem "Experten" fast alles verkaufen lässt.
    Schon im ersten Absatz wird aus bewusstem verbreiten von Halbwissen keine Wahrheit: das Steigen der Preise hat nicht zufällig etwas mit der Erwartung zu tun, dass durch Naturereignisse die produzierte Menge geringer ausfallen könnte?
    Der angebliche Rückzug der Banken könnte nicht daran liegen, dass man nicht mehr so expandiert und wirbt, wie zuvor? Solche Kontrakte kann man nicht mehr kaufen? Hallo.
    Dass mögliche Rollverluste eintreten können, ja und? Und wer redet über die Gewinne, die zuvor gemacht wurden?
    Die Fondergebnisse sprechen von "Riesenverlusten"???

    Irgenwie passt das nicht zusammen, oder?

  • Reichere Bauern -> Billigere Nahrungsmittel für die Ärmsten der Armen?
    Investoren die aus Gründen der Vielfalt in ihr Portfolio bewusst und geplant auch Verlustpapiere einbauen? Nach dem Motto: Ein bisschen Scheisse ist auch nicht schlecht, oder was?
    Also mal ehrlich...

  • @popper&Co
    Ich lass mir doch meine Vorurteile nicht durch Argumente kaputtmachen!!Einen Text lesen(=buchstabieren) und dann verstehen(=zwischen den Ohren verarbeiten) ist eben zweierlei: es kann nicht sein, was nach ihrer Ideologie nicht sein darf, nämlich dass die von den bösen Kapitalisten ausgebeuteten Bauern durch kapitalistisches Teufelszeug Geld verdienen.
    Wer in seiner Jugend nicht links denkt, hat kein Herz, wer mit 30 immer noch links zu denken vorgibt, hat kein Hirn oder ist ein populistischer Lügner!

  • Dann erzählen sie mal was so "verlogen und absurd, so wie das meiste, was danach kommt" ist. Ich gehe davon aus, dass sie fachlich Nichts von dem gesagten widerlegen können.

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