Dollar leidet unter sinkender Zinsdifferenz und hohem Leistungsbilanzdefizit
Euro setzt zu neuem Höhenflug an

Die Aussicht, dass Europa wirtschaftlich aufholt und der Zinsrückstand des Euro-Raums gegenüber den USA abnimmt, hat über das Wochenende den Euro-Kurs auf den höchsten Stand seit Mai 2005 getrieben. Am Montag kostete der Euro zeitweise fast 1,27 Dollar, fünf Cent mehr als eine Woche zuvor. Jürgen Michels, Ökonom der Citigroup, wertete dies als „Durchbruch des Euros nach oben“. Auch die Analysten der Schweizer UBS sehen den Euro nun in einem klaren Aufwärtstrend.

gil/mak/noh/rp/HB FRANKFURT. Am Dienstag pendelte sich der Kurs des Euro nach den kräftigen Kursverlusten am Vortag unter der Marke von 1,26 Dollar ein. Die Gemeinschaftswährung kostete am Morgen 1,2 572 Dollar und damit etwa so viel wie am Vorabend in New York. Ein Dollar war 0,7 950 Euro wert. Am Freitag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,2 537 Dollar fest gesetzt.

Der Euro schießt nach oben, weil in Europa die Zinserhöhungserwartungen zunehmen und in den USA abnehmen. Das hat damit zu tun, dass die europäischen Konjunkturdaten in den letzten Monaten fast durch die Bank positiv überraschten. Das setzt die Europäische Zentralbank unter Druck, ihren Leitzins, der mit 2,5 Prozent inflationsbereinigt kaum über null liegt, anzuheben, um Inflationsgefahren vorzubeugen. Gleichzeitig hat US-Notenbankchef Ben Bernanke vor wenigen Tagen eine Pause vor weiteren Zinserhöhungen angedeutet. Viele Volkswirte erwarten eine Abschwächung der US-Konjunktur im zweiten Halbjahr, einige sagen für 2007 bereits eine Leitzinssenkung voraus.

Die meisten Finanzinstitute hatten zwar eine Dollar-Abwertung erwartet, wurden aber von Tempo und Stärke überrascht. Nach einer Erhebung des Handelsblatts von Freitag bei fünf großen deutschen und neun internationalen Banken prognostizieren die meisten mittelfristig einen Anstieg des Euro-Kurses auf 1,30 bis 1,35 Dollar. Die Prognosen für die nächsten Monate liegen dagegen nach dem jüngsten, kräftigen Kursanstieg häufig deutlich unter dem aktuellen Kurs. Es ist daher damit zu rechnen, dass die Kursziele in den nächsten Tagen auf breiter Front nach oben angepasst werden. „Die vorherrschenden Prognosen spiegeln die verbreitete Furcht vor einem regelrechten Dollar-Crash nicht wirklich wider“, meint John Llewellyn, wirtschaftspolitischer Berater der Investmentbank Lehman Brothers.

Am 21. April hatten die Notenbankchefs und Finanzminister der sieben größten Industrienationen erstmals die „globalen Ungleichgewichte“, eine Umschreibung für das hohe Außenhandelsdefizit der USA, als vordringliches Problem bezeichnet und damit die jüngste Dollar-Schwäche mit ausgelöst. Eine Korrektur des Ungleichgewichts setzt nach vorherrschender Expertenmeinung eine Dollar-Abwertung voraus.

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