Dollar-Reserven China wendet sich von seinem einstigen Schatz ab

Peking schichtet derzeit seine Devisen um - weg vom amerikanischen Dollar. Gerade jetzt wäre der Euro als Alternativwährung wichtig. Doch chinesische Ökonomen sind von der Gemeinschaftswährung enttäuscht.
6 Kommentare
Die chinesische Zentralbank: Das mühsam erwirtschaftete Geld könnten an Wert verlieren. Quelle: ap

Die chinesische Zentralbank: Das mühsam erwirtschaftete Geld könnten an Wert verlieren.

(Foto: ap)

PEKING. Der chinesische Staat verringert seine Dollar-Bestände zugunsten anderer Währungen. Dazu gehört auch der Euro. Aus aktuellen Daten des US-Finanzministeriums geht hervor, dass Peking seine Geldanlagen in amerikanische Staatsanleihen im Juni um 24 Mrd. Dollar verringert hat.

"Als verantwortungsvoller Langzeitinvestor stehen wir zu dem Prinzip, unser Portfolio zu diversifizieren", sagte Chinas Premier Wen Jiabao vor wenigen Wochen nach einem Gespräch mit der deutschen Bundeskanzlerin. Mit der Verlagerung des Anlageschwerpunkts stärkt China auch die Rolle des Euros als Reservewährung: "Der europäische Markt wird weiterhin einer der Schlüsselmärkte für uns sein", so Wen.

China ist größter Gläubiger der USA

China hält weltweit die größten Devisenreserven. Das Reich der Mitte besitzt Fremdwährungen im Wert von 1,9 Billionen Euro. Die genaue Aufteilung gibt die zuständige Behörde nicht preis, doch Schätzungen zufolge sind derzeit 500 Mrd. in Anleihen aus Euroland angelegt. Dank der transparenten Politik der US-Regierung lässt sich der Bestand an US-Staatsanleihen dagegen recht genau beziffern: Er liegt bei einem Wert von 660 Mrd. Euro. Damit ist China der größte Gläubiger der USA. Die gesamten Dollarreserven fallen jedoch höher aus. Sie kommen auf etwa 70 Prozent der Gesamtsumme, da Peking zuletzt auch auf Unternehmenanleihen ausgewichen war.

Auf die Position als größter Geldgeber Amerikas ist China allerdings nicht stolz - im Gegenteil. Sie erscheint zunehmend beunruhigend. "Ich glaube nicht, dass US-Staatsanleihen mittel- bis langfristig sicher sind", sagt Ex-Notenbankberater Yu Yongding, Ökonom an der staatlichen Wissenschaftsakademie. Es sei China nicht möglich, die Anleihen in großem Stil zu verkaufen, ohne den Markt zu belasten, erklärt Yu seine Skepsis. Wenn sich herumspräche, dass der größte Gläubiger aussteigt, würden die Papiere sofort an Wert verlieren - der Schuss ginge nach hinten los. Doch die unsolide US-Haushaltspolitik lasse auch ein langfristiges Engagement in Anleihen unklug erscheinen. "Nur Gott weiß, wieviel Wert von dem, was China in US-Staatsanleihen gesteckt hat, in Zukunft übrig bleibt", sagt Yu.

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Dollar-Reserven - China wendet sich von seinem einstigen Schatz ab

6 Kommentare zu "Dollar-Reserven: China wendet sich von seinem einstigen Schatz ab"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nach den Angaben entfällt etwa die Hälfte der US-Anlagen auf "industrieanleihen". Oder handelt es sich dabei vielleicht eher in großem Stil um Anleihen für die immobilienfinanzierung in den US oder eigentlich Wetten auf die Fortsetzung der früheren Preisblase ("Schrottpapiere/Giftmüll")?

    Dann wäre der Geldkreislauf so gewesen: Die chinesischen Arbeiter haben nur noch ein Kind -> daher sparen sie, was das Zeugs hält, für ihre Altersversorgung -> mangels Zugang zu privaten banken ging das Geld zu Staatsbanken (oder es wurde in Form von bargeld gespart) -> die deutschen Staatsbanken haben das Geld auch riskant angelegt, wieso sollten die chinesischen besser gewesen sein --> verliehen wurde das Geld an US-amerikanische Hausbesitzer -> davon wurden aber nur zum kleineren Teil Häuser gebaut oder modernisiert. in vielen Fällen haben die Hausbesitzer einfach bei gestiegenen Hauspreisen ihr Darlehen erhöht -> mit dem zusätzlichen "Einkommen" habem die Hausbesitzer dann Konsumgüter gekauft, viele davon aus China -> und so kam das Geld dann wieder an die fleißigen chinesischen Arbeiter und Sparer.
    Was wird nun aber, wenn diese Arbeiter alt werden und ihr Geld wieder abheben möchten ? Gibt es Probleme für die chinesische Kreditwirtschaft und damit auch für die Partei? Viele Chinesen möchten ihre Ersparnissen auch für den immobilienkauf verwenden, das ist schon mal eingeschränkt worden ... Geht es da nun lediglich um die bekämpfung einer blase auf dem chinesischen immobilienmarkt, oder hat Peking Angst vor zu vielen Abhebungen von den Sparkonten ihrer bürger, denen kein Gegenwert entgegensteht ??

  • Das geht schon länger so - mindestens seit die chinesischen Käufe von Yen-Staats-Anleihen den Yen deutlich nach oben treiben, kaum daß die carry trades von ihm abgelassen haben. Der erste ausländische Finanzier des gigantischen japanischen Staatsdefizits (200% des biP) ist damit aufgetreten. Zuvor zeichneten die Japaner selbst fast alles, was da emittiert wurde. Somit ist der japanische Staat (mit ihm die Wirtschaft, deren Abhängigkeit durch Produktion in China allerdings schon andauert) mit einem ersten Schritt in ausländische Abhängigkeit geraten. Wenn das man gut geht.

  • China wendet sich von seinem einstigen Schatz ab
    Peking schichtet derzeit seine Devisen um - weg vom amerikanischen Dollar. Gerade jetzt wäre der Euro als Alternativwährung wichtig. Doch chinesische Ökonomen sind von der Gemeinschaftswährung auch enttäuscht und kaufen GOLD!!! GOLD ist GELD mit innerem Wert. Papier ist nur Papier und das Vertrauen ist bald weg.

  • Letztlich kann da kein Land einem anderen einen Vorwurf machen. Das Alles war abzusehen und der Krug geht so lange zum brunnen bis er bricht.
    Es geht auch, summa summarum, nicht um eine Freigabe/Aufwertung des Yuan sondern um die nicht mehr lange aufzuhaltende, dramatische Abwertung des US$ und in Folge auch des Yen und des Euro. Keiner der drei Währungsräume kann, bei momentanen Wechselkursen, seine Zahlungsverpflichtungen dauerhaft leisten.
    Dabei ist es bzgl. Abwertung nicht mit ein paar Prozent getan. Da müssen schon bald 50, 70 oder gar über 90% "runter" .
    Weil China aber keinerlei technologische Alleinstellungsmerkmale besitzt, werden dann die bislang in China aufgestellten Fabriken, industrien und Arbeitsplätze 1:1 und Zug um Zug in die Ursprungsländer zurückverlagert werden, was ja auch das eigentliche Ziel einer (massiven) Abwertung wäre.
    Damit würde dann auch der chin. Yuan nach kurzer Verzögerungsphase mit abwerten, um diese Abwanderung zu mildern/ zu verhindern.
    im Endeffekt wird dann eine neue basis für die Weltwirtschaft geschaffen werden, bei der die Überkapazitäten erheblich reduziert (20-50 % (?))und die (realen) Löhne an das Niveau des niedrigsten (Global) Players (China) herangeführt werden. Ungelernte Arbeiter/einfache Facharbeiter werden demnach auf der ganzen Welt (!) kaum mehr als 200$ (nach jetzigem Wert) mehr verdienen.

  • Das war vorauszusehen. Ein Zeichen an der Wand für den Anfang vom Ende der US-Wirtschaftsdominanz. China wird einen Teil seiner $-Guthaben abschreiben als Eintrittsgeld in den Weltmarkt, seinen Yuan kontrolliert aufwerten und in nicht allzu ferner Zukunft freigeben = konvertierbar machen. Damit ist dann die neue Weltwährung geboren.

    Man kann nur hoffen, daß das Ganze ohne schwere Verwerfungen der Weltwirtschaft abläuft. Mahlzeit!

  • „Rekord China hortet mit 2,45 Mrd. Dollar die größten Devisenreserven der Welt. Die USA profitieren davon, dass Peking so die US-Schulden finanziert“.

    Entweder 2450 Milliarden, oder 2,45 billionen, aber nicht 2,45 Milliarden. bei so vielen Nullen kommt man schon ganz durcheinander.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%