Dollar unter Druck
Die USA verspielen ihre Glaubwürdigkeit

Weil sich die Politiker in Washington nicht einigen können, droht Amerika die Zahlungsunfähigkeit. Europas Banken wären stark betroffen. Das Weiße Haus findet auf den Finanzmärkten indessen einen Vertrauensbeweis.
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DüsseldorfDie Angst vor einer neuen Wirtschaftskrise geht um. Sollten sich die Politiker in Washington nicht bald auf eine höhere Schuldengrenze einigen, droht den USA die Zahlungsunfähigkeit. Die Folgen wären verheerend, nicht nur für die USA, sondern für die Finanzmärkte weltweit.

Das ist spätestens klar, seitdem Obama seine Widersacher eindringlich vor einem Scheitern der Verhandlungen gewarnt hat. „Wir sind an einem Stillstand angelangt“, sagte er zur besten Sendezeit in einer Rede an die Nation. „Dies ist ein gefährliches Spiel, das wir nicht spielen dürfen.“ Auch die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, machte unmissverständlich klar: „Die Uhr tickt, und der Streit muss umgehend beigelegt werden.“

An den Finanzmärkten sorgt die Schuldenkrise der größten Volkswirtschaft der Welt für Verunsicherung. „Obamas Warnung hat dem Markt noch mal vor Augen geführt, welche Risiken möglicherweise bestehen, sollte es zu keiner Einigung beim Thema Schuldengrenze kommen“, hieß es in einem Kommentar der Commerzbank.

Die US-Börsen fielen am Dienstag leicht, Europas Börsen schlossen uneinheitlich. Allerdings machte angesichts des weiter schwelenden Schuldenstreits der Euro am Dienstag im New Yorker Handel weiter Boden gut und ließ die Marke von 1,45 US-Dollar hinter sich.

Das Weiße Haus hat die bislang verhaltene Reaktion der Finanzmärkte auf den Streit um das US-Schuldenlimit als Zeichen des Vertrauens gewertet. „Es ist eine gute Sache, dass die Menschen weiterhin daran glauben, wie wir es auch tun, dass Washington am Ende des Richtige tut und dieses Problem löst“, sagte der Sprecher von Präsident Barack Obama, Jay Carney, am Dienstag.

Er zeigte sich optimistisch, dass es bis zum Stichtag am 2. August tatsächlich zu einer Einigung von Demokraten und Republikanern kommt. „Weil etwas geschehen muss und weil wir hier sind, um dem amerikanischen Volk zu dienen, werden wir am Ende das Richtige tun.“

Bis zum 2. August müssen sich Republikaner und Demokraten im Schuldenstreit einigen. Im US-Fernsehen werden bereits Tage, Stunden, Minuten bis zum ersten Staatsbankrott der Geschichte gezählt. Der Countdown läuft.

Der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, nannte die globalen Folgen eines Zahlungsausfalls „verheerend“. „Das würde bedeuten, dass man sich nahezu auf nichts mehr verlassen kann, worauf man sich bislang Jahrhunderte lang verlassen hat“, sagte Walter dem MDR.

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  • Daddy.
    Warum die Märkte sich nicht sonderlich aufregen ist doch klar
    Finanzjongleure und die Republikaner sitzen schon immer in einem Boot.Was gibt es besseres als derzeit auf fallende Kurse zu setzen.Ich gehe jede Wette ein,das es bis zum 2.8
    eine Einigung gibt.Genau das wissen auch die Märkte !

  • Alles nur ein politisches Spielchen in den USA, wenn auch zugegeben ziemlich gefährlich und unverantwortlich. Man wird sich dort im letzten Moment, genauso wie in Europa bzgl Griechenland (wenn auch auf viel niedrigerem Level) geschehen, im letzten Moment einigen. Wird vermutlich -auch wie in Europa- ein fauler Kompromiss des Kleinesten Gemeinsamen Nenners.
    Der Präsident spielt hart, um seine wegbrechende Popularität zu retten. Die Republikaner blockieren, um ihrer Wählerschaft zu demonstrieren "wir geben nicht nach, no matter what". In letzter Sekunde aber stehen sie vor den Kameras und verkünden die Einigung...
    Und ich stimme anderen Kommentaren hier zu, dass die Panikmache der deutschen Medien schon ein wenig überzogen ist. Aber kühlen Kopf bewahren ist eben keine typisch deutsche Haltung, sondern miesepetriges und besserwisserisches Grummeln, nicht wahr? ;-)

  • @der oekonomiker: Vermutlich meinten Sie "700-1000 Milliarden" nicht "Billionen"??Kann schon mal passieren, so unter Hobby-"oekonomikern", das man sich um ein log verhaut... Besonders wenn man vergisst dass das englische "billion" in deutsch "Milliarde" ist... ;-)

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