Dollar versus Euro
Die Währungswette geht weiter

Zuletzt hat der Dollar gegenüber dem Euro wieder nachgegeben. Devisenstrategen sehen darin aber nur die Ruhe vor dem Sturm: Bis zum Jahresende könnte ein Dollar teurer sein als ein Euro. Das nährt weitere Spekulationen.
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New YorkDer Dollar hat gegenüber dem Euro 4,1 Prozent verloren, seit er im März ein Zwölf-Jahres-Hoch erreicht hatte. Am Dienstag steht kostet ein Euro wieder 1,0936 Dollar. Die Mini-Abwertung war von Spekulationen ausgelöst worden, dass die Federal Reserve mit einer Anhebung der Zinsen noch warten wird – unter anderem, weil die Dollarstärke das US-Wirtschaftswachstum dämpft. Diese Sorge sei übertrieben, erklärte ING.

„Der Markt preist ein sehr langsames Tempo bei den Erhöhungen ein – wir sind anderer Ansicht“, sagte Petr Krpata, Devisenstratege bei ING in London. „Wir sehen die jüngste Korrektur lediglich als perfekte Gelegenheit an, wieder einzusteigen.“

Auch nach der jüngsten Korrektur hat der Dollar seit Mitte 2014 gegenüber allen wichtigen anderen Währungen zwischen 3,6 Prozent und 30 Prozent gewonnen. Die Fed plant eine Anhebung der Zinsen, während Zentralbanken von Europa bis Japan ihre Stimuli verstärkt haben. Nachdem Fed-Vertreter im März ihre Prognosen für Zinsanhebungen zurückgenommen und auf die exportdämpfende Wirkung der Währung hingewiesen hatten, wurde der Trend jedoch gestoppt.

ING erwartet, dass die Fed noch dieses Jahr die Zinsen anhebt, auch wenn eine Studie von 3. April gezeigt hat, dass der Stellenzuwachs in den USA im März der geringste seit Dezember 2013 war. Den Dollar gegenüber dem Euro zu kaufen sei die aussichtsreichste Wette an den Devisenmärkten, so ING.

Die Bank aus Amsterdam hatte als eine der ersten prognostiziert, dass das Devisenpaar dieses Jahr die Parität erreichen wird. Es wäre das erste Mal seit mehr als zehn Jahren. „Der stärkere Dollar muss nicht unbedingt etwas an den Konjunkturaussichten der USA ändern“, sagte Krpata, der gemeinsam mit Devisenchef Chris Turner für die Prognosen von ING verantwortlich ist.

Laut Daten der Weltbank trägt der Export nur 14 Prozent zur US-Wirtschaft bei. Das ist der geringste Anteil unter den G10- Staaten. In Kanada liegt der Anteil bei 30 Prozent, in Deutschland bei 46 Prozent und in den Niederlanden und Belgien bei über 80 Prozent.

ING erwartet, dass der Dollar bis Jahresmitte die Parität erreicht und bis zum 31. Dezember bei 0,95 Dollar je Euro liegen wird. Die Median-Erwartung von 69 Strategen aus einer Bloomberg-Umfrage liegt dagegen für das Jahresende bei 1,05 Dollar.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Der Dollar könnte..., oder kräht der Hahn auf dem Mist....!
    Der Dollar ist sehr von der Politik in den USA abhängig. Ohne regelmäßige Erhöhung des Verschuldungsrahmens sind die USA pleite. Sicher anders als Griechenland, da es in den Staaten nicht an Geld mangelt, sondern am politischen Willen dieses Geld über Steuern zu sozialisieren. Bislang haben Senat und Kongress immer in letzter Minute eingelenkt, ob das aber ewig so weitergeht? Was passiert wenn der Atomkompromiss mit dem Iran scheitert und sich Iran, Russland, Venezuela und andere Erdöllieferanten auf eine Fakturierung in Yuan einigen?
    Wenn wir einzig die Entwicklung der Zinsen zugrunde legen, dann ist das angesprochene Szenario im Bereich des möglichen. Alles andere wissen wir nachher (besser).

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