Dollarkurs
Japan sorgt sich um den hohen Yen

Der fallende Dollar macht der asiatischen Volkswirtschaft schwer zu schaffen. Premier Hatoyama erwägt Eingriffe auf dem Devisenmarkt. Doch von den Handelspartnern droht Widerstand gegen eine einseitige Intervention. Welche Maßnahmen am wahrscheinlichsten sind.
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TOKIO. Die japanische Regierung erwägt Eingriffe auf dem Devisenmarkt, um den Kurs der Landeswährung Yen zu drücken. Anfang der Woche wollen sich Premier Yukio Hatoyama und Notenbankchef Masaaki Shirakawa treffen, um sich über Fragen der Wechselkursentwicklung zu beraten, sagte am Samstag ein Finanz-Staatssekretär in der japanischen Hauptstadt.

Japan hat seit 2004 darauf verzichtet, den Dollar zu stützen. "Die Erholung der Wirtschaft kommt bisher nur sehr langsam voran, da belastet eine Yen-Aufwertung erheblich", erklärt Ökonom Yoshiki Shinke vom Daiichi Life Research Institute die Nervosität der Politiker.

Finanzminister Hirohisa Fujii sagte, dass es einen internationalen Konsens gegen "radikale Veränderungen der Wechselkurse" gebe und deutet damit an, dass andere wichtige Währungsräume ihr Einverständnis für einen Eingriff Japans gegeben haben.

Am Freitag war der Dollar im Tokioter Handel auf das Vierzehnjahrestief von 84,83 Yen gefallen. Japans dominierende Großunternehmen wie Toyota und Sony machen einen Großteil ihres Gewinns um Ausland. Leiden sie, geht es der ganzen Wirtschaft schlecht.

Die Ursachen für die schnelle Aufwertung des Yen sind vielfältig. "Spekulanten könnten den Yen als Teil einer Flucht in Anlageklassen höherer Qualität gekauft haben", schreiben Experten der Großbank HSBC. Hauptgrund sei aber die Überzeugung des Marktes, dass die USA ihren Leitzins vorerst auf einem sehr niedrigen Niveau lassen werden.

Handelspartner gegen einseitige Intervention

Der Yen dürfte sich daher trotz allen politischen Willens nicht so leicht drücken lassen. "Es wird schwer werden, der Aufwertung des Yen gegen den Dollar wirksam zu begegnen", meint die HSBC. Die Verschiebung der Kursniveaus habe fundamentale Ursachen. Japan werde von den anderen Ländern nicht die Erlaubnis bekommen, sich mit unbegrenzten Dollar-Käufen gegen den Trend zu stellen.

In den Jahren 2003 und 2004 hat das Finanzministerium in Tokio Hunderte Milliarden Dollar aufgekauft und den Kurs dadurch tatsächlich bewegt. "Doch damals war Japan das einzige Land mit deflationären Tendenzen und schwachem Wachstum. Heute haben alle Länder schwache Finanzsysteme", so die HSBC. Eine einseitige Intervention Japans würde auf Kosten der Handelspartner gehen - wofür es kein grünes Licht geben würde.

Dazu kommt, dass ein Eingriff im großen Stil auch gefährlich werden könnte. Japan besitzt bereits eine runde Bill. Dollar in Form von US-Staatsanleihen, mit denen sich nichts anfangen lässt. Weitere Eingriffe würden einen noch größeren Teil des nationalen Vermögens in diesen nicht verwertbaren Geldanlagen binden. Denn wenn Japan sie wieder verkaufen würde, stiegen sowohl der Kurs als auch die Zweifel am Dollar als weltweiter Leitwährung.

Daher sind Eingriffe in Form von kleineren Stützkäufen wahrscheinlicher - oder sogar erst einmal nur eine internationale Erklärung der G7-Finanzminister, die sich für einen stärkeren Dollar aussprechen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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