Dollarschwäche
Börsianer fürchten Währungs-Roulette

Der schwache Dollar hat im Devisenhandel zu teils heftigen Ausschlägen geführt. Konsequenzen für den Aktienmarkt könnten bald folgen. Gewinner könnten Papiere aus dem Dollar-Raum sein. Für Aktien aus Asien, Lateinamerika und Skandinavien könnte es dagegen nach unten gehen.
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FRANKFURT. Die immer heftigeren Ausschläge an den internationalen Devisenmärkten stellen für die internationalen Aktien- und Anleihenmärkte einen neuen, bis dato noch unterschätzten Risikofaktor dar. Anlagestrategen sprechen deswegen inzwischen bereits von einem "Währungs-Roulette", das die Märkte in den nächsten Monaten zusehends belasten könnte. "Die Schwankungen an den Devisenmärkten werden die Börsen nicht nur kurzzeitig, sondern über die nächsten Jahre hinweg beschäftigen", sagt Thorsten Weinelt, Leiter des Researchs und Chefstratege bei Unicredit in München.

Grund dafür ist, dass der US-Dollar seit Monaten immens an Wert verliert, zuerst gegenüber den anderen Leitwährungen wie dem Euro, dem japanischen Yen oder dem Schweizer Franken, zuletzt aber auch immer mehr gegenüber den wieder erstarkten Rohstoffwährungen. Dank der neu entfachten Nachfrage nach Rohstoffen müssen zum Beispiel für einen Australischen Dollar inzwischen über 90 US-Cent gezahlt werden. Die noch nie erreichte Parität zum großen US-Bruder erachten Experten inzwischen als realistisch.

Als Gewinner könnten dabei Papiere aus dem Dollar-Raum hervorgehen. Leidtragender sind aber keineswegs die Euro-Zone und Japan, wie erwartet werden könnte, sondern Papiere aus Asien, Lateinamerika und Skandinavien. "Insgesamt dürfte die Entwicklung an den Währungsmärkten nach der kräftigen Rally bei Schwellenländeraktien und Unternehmensanleihen allmählich verstärkt taktische und strategische Gelegenheiten für Investoren eröffnen", sagt Michael Hasenstab vom Fondshaus Franklin Templeton. In der Praxis bedeutet das, dass Themen, die bisher die Märkte dominiert haben, dem Währungsthema weichen.

Gerade für die großen, weltweit agierenden Fondshäuser spielt der Währungsaspekt eine immer größere Rolle. Speziell US-Aktien sind gefragt. Weil der US-Dollar nach einem kurzzeitigen Höhenflug zu Jahresbeginn seit Anfang März zum Euro rund 17 Prozent, zum japanischen Yen zehn Prozent und zum Schweizer Franken rund 15 Prozent verloren hat, prophezeien viele Experten einen Schub besonders für die vielen exportlastigen US-Titel. Der "Aussie" hat in diesem Jahr sogar schon weit über 30 Prozent zugelegt und damit so viel wie keine andere Währung weltweit.

US-Produkte erfahren dadurch am Weltmarkt einen nicht zu unterschätzenden Preisvorteil. Quer durch alle Branchen ziehen Weltmarktführer wie Coca-Cola, Caterpillar oder Microsoft damit aufgrund eines völlig neuen Aspekts die Blicke der Investoren auf sich. "Der US-Aktienmarkt bietet Anlegern auch nach seinem bisherigen Aufwärtstrend noch gute Einstiegschancen" heißt es dazu vom Fonds-Riesen Fidelity. Immerhin zeigen die US-Indizes Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq 100 ein Plus von 50 bis 60 Prozent seit März.

Daraus nun aber den Umkehrschluss zu ziehen, große US-Wettbewerber vor allem aus der Euro-Zone, Großbritannien und aus Japan würden dadurch einen Wettbewerbsnachteil erfahren und deren Aktienkurse fallen, sehen Analysten nicht. Zum einen betrachten sie deren Währungen als genauso anfällig wie den Dollar. Zum anderen sehen sie Währungspaare wie beispielsweise derzeit knapp 1,47 Dollar je Euro noch als verkraftbar für den hiesigen Aktienmarkt. "Das ist noch bis in die Nähe des Allzeithochs bei knapp 1,60 Dollar der Fall", sagt Thorsten Weinelt. Erst wenn es in Richtung eines Bereichs zwischen 1,70 und 1,80 Dollar ginge, wäre dies für europäische Unternehmen und deren Aktienkurse eine echte Belastung. Solche Kurse hält er jedoch auf absehbare Zeit nicht für realistisch, zumal niemand weltweit Interesse daran haben könnte.

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  • Die USA steuert dahin mit AbSiCHT das der Dollar an Wert verliert.

    Mfg

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