Drastische Abwertung
Venezuela kämpft gegen Hyperinflation

Mit einer drastischen Abwertung der Währung versucht Venezuela, eine Hyperinflation abzuwenden. Der Bolivar verliert fast 90 Prozent an Wert. Das dürfte kaum helfen. Die letzte Hoffnung sind Russland und China.
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São PauloVenezuela hat erstmals seit elf Jahren sein strenges Devisenregime gelockert. Seit Montag können Unternehmen, Banken und Staatskonzerne, die Devisen für Importe benötigen, diese frei auf dem Markt tauschen.

Mit der Freigabe des Devisenhandels, der zwei Wochen lang vorbereitet wurde, verlor die Landeswährung mit einem Schlag knapp 90 Prozent an Wert: Der neue offizielle Wechselkurs soll bei 52 Bolivar je US-Dollar liegen. Damit ist er auf dem Schwarzmarkt, dessen Kurse nicht veröffentlicht werden dürfen, mit inzwischen bis zu 80 Bolivar je Dollar immer noch niedriger bewertet. Für Medikamente und Lebensmittel des täglichen Bedarfs gilt weiterhin der offizielle Wechselkurs von 6,3 Dollar. In den letzten Monaten sind jedoch kaum noch Importe zu diesem Wechselkurs genehmigt worden. Inzwischen fehlen rund ein Viertel aller täglichen Konsumgüter in den Regalen der Supermärkte, stellte die Zentralbank fest. Waschmittel sind genauso Mangelware wie Medizin.

Mit dem neuen sogenannten Sicad 2-Tauschsystem soll das Angebot an US-Dollar in Venezuela erhöht werden. Nach Schätzungen von venezolanischen Finanzakteuren wurden am ersten Tag des freien Handels 200 Millionen US-Dollar getauscht. Der Öl- und Energieminister Rafaél Ramírez erklärte, dass das tägliche Dollarangebot maßgeblich davon abhänge, wieviel Devisen der staatliche Ölkonzern PdVSA zur Verfügung stellen könnte. Bei rund 100 Milliarden Dollar im Jahr, welche PdVSA mit den Ölexporten einnimmt, dürfte eigentlich kein Dollarmangel mehr herrschen.

Die Regierung hofft, mit dem erleichterten Tausch auch Bolivar vom Markt abzuziehen und die Inflation zu verringern. Die Inflationsrate in Venezuela ist die höchste der Welt. Ob ihr das gelingt, ist zu bezweifeln: Der neue Wechselkurs wird im Land zu einer gewaltigen Teuerungswelle führen, weil fast alle Konsumartikel importiert werden. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Regierung die Preiskontrollen verschärfen wird.

Die Opposition, die nun schon seit fast sechs Wochen gegen die zunehmend autoritärer auftretende Regierung von Präsident Nicolas Maduro demonstriert, bezeichnete das neue Wechselkursregime als eine verdeckte Mega-Abwertung. „Sie wird vor allem die Armen Venezuelas treffen“, erklärte der Oppositionsführer Henrique Capriles über Twitter. Denn mit 57 Prozent hat Venezuela bereits jetzt die höchste Inflation weltweit. „Unser Mindestlohn ist jetzt der niedrigste in Lateinamerika nach Cuba“, kritisierte Capriles die Regierungspolitik.

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Notkredite aus Russland und China

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  • „Sie wird vor allem die Armen Venezuelas treffen“
    Die haben hauptsaechlich fuer Chavez/Maduro gewaehlt, jetzt heisst es Lehrgeld zahlen und zwar nicht zu knapp.
    Ein Land mit derart hoher Korruption ist sowieso nicht zu regieren. Alles Geld was PdVSA einnimmt versickert sofort im Korruptionssumpf. Mit Presikontrollen und Enteignungen wird die Lage weiter verschaerft, siehe Zimbabwe.

  • Eigendlich 'kämpft' Venezuela gegen einen maroden, korrupten Zirkus, der seit 15 Jahren das Land zerstört, während seine roten, in Kuba inspirierten, Clowns sich selbst und ihre Angehörigen sehr kapitalistisch ausgestattet haben. Traurig und tragisch wie nun dieses Regime mit aller Gewalt versucht den Zirkus zu verlängern und das Zelt aufrecht zu erhalten. Leider werden noch einige unschuldige Menschen die für ihre Freiheit kämpfen, dies mit dem Leben zahlen.

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