Drei-Wochen-Tief
Griechenland-Krise drückt Euro deutlich

Die wachsende Furcht vor einer Staatspleite Griechenland drückt den Euro deutlich. Die Gemeinschaftswährung fiel auf ein Rekordtief zum Schweizer Franken.
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FrankfurtAus Furcht vor einem Scheitern der Rettungsbemühungen für Griechenland haben sich am Donnerstag weitere Anleger aus dem Euro zurückgezogen. Die Gemeinschaftswährung fiel auf ein Drei-Wochen-Tief von 1,4071 Dollar und lag damit rund einen US-Cent unter dem Niveau vom New Yorker Vortagesschluss. Auf der Suche nach „sicheren Anlagehäfen“ nahmen zahlreiche Investoren Kurs auf die Schweiz. Mit 1,1945 Franken war der Euro so billig wie noch nie. Stark gefragt waren auch Bundesanleihen, der Bund-Future legte bis zu 67 Ticks zu und markierte mit 126,62 Punkten ein Sechs-Monats-Hoch.

„Die Zeit für Griechenland läuft langsam ab“, sagte ein Börsianer. „Es gibt keine einheitliche europäische Haltung und Athen verfügt nicht über den politischen Konsens, weitere Reformen durchzusetzen. Der Markt war nicht darauf vorbereitet, dass die Situation sich derart verschlechtert.“ Wegen der anhaltenden Proteste gegen den rigiden Sparkurs bildete Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou das Kabinett um und kündigte an, im Parlament die Vertrauensfrage zu stellen.

Devisenstratege Neil Mellor von der Bank of New York Mellon sagte einen Rutsch des Euro unter die Marke von 1,40 Dollar voraus und empfahl, jede Kurserholung der Gemeinschaftswährung zum Verkauf zu nutzen.

Die wachsende Furcht vor einer Staatspleite Griechenlands ließ sich auch am Markt für Credit Default Swaps (CDS) ablesen: So verteuerte sich die Versicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets griechischer Staatsanleihen nach Angaben des Datenanbieters Markit um weitere 174.000 Euro auf ein Rekordhoch von 1,9 Millionen Euro. Auch die CDS anderer hoch verschuldeter Euro-Staaten wie Portugal oder Spanien zogen an. Parallel dazu forderten Investoren immer höhere Risiko-Aufschläge für griechische Staatsanleihen. Die Spreads für zwei- und zehnjährige Bonds stiegen im Vergleich zu den entsprechenden Bundestiteln auf 28,338 beziehungsweise 15,716 Prozent.

Das Gezerre um neue Griechenland-Hilfen erschwerte Spanien die Platzierung seiner Anleihen. Die beiden insgesamt rund drei Milliarden Euro schweren Emissionen waren zwar jeweils mehr als zweifach überzeichnet, dafür musste das südeuropäische Land Investoren aber Renditen von durchschnittlich 5,352 beziehungsweise 6,027 Prozent anbieten. Zinsstratege Marc Ostwald von Monument Securities bemängelte zudem, dass das Emissionsvolumen am unteren Ende der angepeilten Spanne gelegen habe. Vor diesem Hintergrund weiteten sich die Spreads für bestehende zehnjährige spanische Staatsanleihen auf bis zu 5,752 Prozent.

Zufrieden äußerten sich Börsianer über die Platzierung französischer Bonds im Gesamtvolumen von acht Milliarden Euro. Die Emissionen waren teilweise mehr als zweifach überzeichnet. „Dies zeigt einmal mehr, dass Kern-Europa derzeit en vogue ist“, sagte DZ-Bank-Experte Glenn Marci.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wenn Spanien Anleihen begibt, die laut Artikel mehr als zweifach überzeichnet sind, dann übersteigt offensichtlich die Nachfrage das Angebot. Insofern verstehe ich nicht, wieso es im Artikel weiter heisst, dass Spanien allerdings auch Renditen von 5,352 beziehungsweise 6,027 Prozent anbieten musste. Wäre bei weniger Zins die Nachfrage schlagartig auf Null gefallen oder warum konnte Spanien bei der hohen Nachfrage nicht zu günstigeren Konditionen an Geld kommen? Zumal die Investoren noch heulen, das Volumen wäre zu gering. Mache ich da einen Denkfehler? (Wahrscheinlich den, dass ich noch an das Märchen von der Marktwirtschaft glaube)

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