Drohung aus Teheran
Experten halten die Auswirkung auf den Ölpreis für beherrschbar

Der Iran verschärft seine Drohung: Die Blockade des Persischen Golfs sei „leichter, als ein Glas Wasser zu trinken“, hieß es von Militärs. Investoren fürchten Folgen für den Ölmarkt - doch Experten geben Entwarnung.
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Singapur/Frankfurt/DüsseldorfDie Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, hält eine mögliche Blockade der strategisch bedeutenden Straße von Hormus durch den Iran für beherrschbar. Sollte es wirklich zu einer kompletten Schließung dieser wichtigen Handelsroute kommen, falle zwar ein wichtiger Transportweg weg, sagte Kemfert Handelsblatt Online. Doch: „Dies würde nicht sofort zu Engpässen führen, da teilweise auf alternative Transportrouten ausgewichen werden kann und es ein Überangebot an Öl auf dem internationalen Markt gibt.“

Am Mittwochmorgen hatte der Iran seine Drohung einer Öl-Blockade bekräftigt. Die Schließung des Golfs für Öltransporte sei kein Problem, sagte der Chef der iranischen Kriegsmarine, Habibollah Sajjari, im staatlichen Fernsehen. Es sei „leichter, als ein Glas Wasser zu trinken.“ Derzeit gebe es dafür aber keine Notwendigkeit, denn der Iran habe das Meeresgebiet unter Kontrolle und könne den Transit überwachen.

Bereits am Vortag hatte der Iran im Atomstreit mit der Sperrung der weltweit wichtigsten Ölhandelsroute gedroht. Vize-Präsident Mohammed Resa Rahimi sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, „nicht ein Tropfen Öl“ werde die Straße von Hormus passieren, sollte der Westen Sanktionen gegen die Ölexporte seines Landes verhängen. Man habe kein Interesse an Animositäten und Feindschaft. „Aber der Westen wird mit seinen Intrigen nicht aufhören“, fügte er hinzu. Deshalb sei eine harte Antwort nötig.

Der Öl-Preis reagierte auf die Drohung umgehend mit Aufschlägen. Auch am Mittwoch hielt die Furcht der Anleger vor Versorgungsengpässen den Ölpreis hoch. Die Sorten Brent und WTI kosteten 108,64 beziehungsweise 101,08 Dollar je Barrel.

Die schnelle Reaktion der Märkte sei wenig überraschend, erklärte DIW-Expertin Kemfert. Der Ölpreis reagiere erfahrungsgemäß „sehr sensibel“ auf derlei Androhungen, wie der aus Teheran, sagte sie. Ein kurzfristiger Ölpreisanstieg sei aber verkraftbar. Dessen ungeachtet sei die Straße von Hormus eine „wichtige Handelsstraße für den Öltransport“, betonte die Ökonomin. „Knapp 20 Prozent der heutigen weltweiten Ölförderung werden durch diese Handelsstraße transportiert“, sagte Kemfert.

Die USA zeigen sich unbeeindruckt von iranischen Drohungen. Die Aussagen aus Teheran seien „nur ein weiterer Versuch, die Aufmerksamkeit von den wirklichen Themen abzulenken“, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington. Komme der Iran seinen internationalen Verpflichtung mit Blick auf sein Atomprogramm weiter nicht nach, drohten neue Sanktionen. Füge sich Teheran jedoch, könne eine engere Zusammenarbeit mit dem Westen folgen. Das sei die Doppelstrategie, die Washington weiterhin verfolge.

Der Westen verdächtigt die iranische Regierung, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Israel und die USA haben deshalb auch Militärschläge gegen iranische Atomanlagen nicht ausgeschlossen. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hatte in ihrem jüngsten Bericht Hinweise auf ein solches militärisches Atomprogramm dokumentiert. Daraufhin hatten die USA und die Europäische Union ihre Sanktionen gegen den Iran bereits verschärft. Die EU plant darüber hinaus weitere Strafmaßnahmen. Seit längerem ist auch ein Öleinfuhrverbot im Gespräch.

Die Straße von Hormus ist eine Meerenge am Ausgang des Persischen Golfs. Über die 6,4 Kilometer breite Wasserstraße zwischen Oman und dem Iran wird nahezu der gesamte Ölexport Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwaits, des Irak und des Iran abgewickelt - nach US-Angaben etwa ein Drittel des weltweit verschifften Öls. Zudem liefert Katar sein Flüssiggas fast ausschließlich über die Meerenge. In der Region kreuzen Kriegsschiffe der USA. Seit Samstag hält die iranische Marine dort auch Übungen ab.

Alternative Routen für die Öllieferungen aus der arabischen Welt könnten nicht von heute auf morgen gefunden werden, betonte Rohstoff-Experte Greg Smith von Global Commodities. Am Wochenende hatten iranische Streitkräfte ein großangelegtes Manöver in dem Seegebiet begonnen.

dpa 
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Dietmar Neuerer
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  • @ Fat...
    Der alte Mist mit dem Irak Krieg ist abgehakt.

    Aus den Begründungen für diesen Krieg mit seinen vielen toten amerikanischen Soldaten sowie den toten Einheimischen sollte man aber was lernen. Und nun will die freiheitsliebende USA sich zurückziehen und den eingestiehlten Bockmist mit Chaos sich selbst überlassen.

    @Energieelite
    Daß die eigentliche Vertreibung der Palestinenser aus ihren Wohngebieten nach diesem Krieg von Israel optimiert wurde, verschweigen sie.
    Eine Integration der Palestinenser mit hohem Erfolg hat es doch gegeben und es gibt sie immer noch:
    In Jordanien.
    Es wurde und wird dabei von den reichen arabischen Staaten unterstützt.
    Zum Beispiel auch von dem bösen Saddam Hussein aus dem Irak, er bezahlte den Großteil der Ölrechnung. Heute bezahlen die Saudis die halbe Rechnung. Die Frau (sehr hübsch) vom König ist Palestinenserin.
    Aber das absolute Sahnehäubchen konnte man vor einigen Tagen auch im HB lesen.
    Weil Immobilienspekulaten die Mietpreise in Tel Aviv in die Höhe getrieben haben, sieht sich die Regierung Israels gezwungen palestinensisches Land anektieren, um neuen Wohnraum zu schaffen.
    Vielen Dank an George.Orwell für den Link

    Schönen Tag noch.

  • Esb gibt immer einen Grund den ölpreis zu erhöhen.Mal ist es die Dollarschwäch mal das schöne Wetter mal das schlechte Wetter mal der Sommer mit den Niederigwasser mal der Winter mit vereisten Wasserwegen. Die Liste der Ausreden ist schier Endlos.

  • Als Gutmenschen bezeichne ich die Gattung von Menschen, die das Gute wollen, aber genau das Gegenteil davon erreichen, weil sie keinen Bezug zur Realität haben.

    Es reicht nicht zu sagen, ach es gibt Stess mit den Iranern, wenn wir ernsthaft gegen die Atombewaffnung vorgehen. Dann machen wir es nicht.

    Bis heute habe ich noch keinen Friedensaktivisten kennengelernt, der einen nordkoreanischen Di(c)ktator und seine chinesischen Freunde ernsthaft in Verlegenheit bringen hätte können.

    Der Gutmensch will auch nicht die Verantwortung übernehmen, dass andere Staaten sich wegen des Irans aufrüsten und es dann zu einem Atomkrieg kommen kann, weil sich Atomwaffen unkontrolliert verbreiten.

    Kriegsgrund Wohlstand: Den finde ich immer noch besser als eine sch... Religion oder sonstige Ideologie. Wenn man verschiedene Kriege analysiert, wird man im Ergebnis immer auf das Thema Wohlstand stoßen. Entweder als Kriegsvorwand oder als Kriegshintergrund für verschiedene (auch religiöse) Konflikte.

    Dann noch was:
    Wenn die erste Granate auf dem eigenen Grund und Boden einschlägt, hat man als Verteidiger schon versagt. Konflikte werden, wenn sie nicht friedlich gelöst werden können, am Besten auf fremden Grund und Boden ausgetragen.

    Der fromme Wunsch eines sog. Gutmenschen ist eine notwendige, jedoch nicht hinreichende Bedingung für eine Problemlösung.

    Der Natonachrüstungsbeschluss hat zum Zusammenbruch des russ. Kommunismus geführt (Überrüstung) und nicht die Demos von Friedensbewegten.

    Außenpolitik ist ein schwieriges Geschäft. Manche Probleme kann man bis zu einem bestimmten Grad aussitzen. Die iran. Urananreicherung (und die vergeblichen Verhandlungen) beobachte ich schon seit 2 1/2 Jahren intensiv.

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