Drohungen von S&P
Angst vor Herabstufung lässt Euro abstürzen

Erst enttäuschte die Anleiheauktion in Italien, dann wurde auch noch eine kurzfristig anstehende Rating-Herabstufung der Euro-Zone bekannt: Gift für den Euro, der nach ersten Gewinnen am Morgen über ein Prozent verlor.
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DüsseldorfZum Ende der Woche kehrt sich das Zeichen für den Euro wieder um. Am Freitag kletterte die Gemeinschaftswährung in den frühen Stunden auf ein Tageshoch von 1,2878 Dollar, stürzte dann aber bis aus 1,2625 Dollar ab. Die Gründe dafür war zunächst die Enttäuschung der Investoren über die italienische Bond-Auktion und Gerüchte, dass die Ratingagentur S&P mehrere Euro-Länder noch am Abend herabstufen wolle. Die Anleger zogen sich lieber wieder aus dem Euro zurück. „Einige hatten nach dem Super-Auftakt gestern wohl auf eine ähnliche Überraschung gehofft“, sagte ein Händler über die jüngsten Anleiheauktionen. „Diese Erwartungen wurden jetzt enttäuscht, aber alles in allem kann die Auktion als Erfolg gewertet werden.“

Für Unruhe an den Märkten und weitere Verluste für den Euro sorgte am Nachmittag die Meldung, dass mehrere Länder der Euro-Zone laut Angaben einer Euro-Regierung unmittelbar vor einer Herabstufung ihrer Bonitätsnote durch die amerikanische Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) stünden. In Regierungskreisen hieß es, die Ratingherabstufung durch S&P sei noch am Freitag zu erwarten. Welche Länder betroffen sein würden, war zunächst unklar. In den Kreisen hieß es jedoch, Deutschland sei nicht darunter. Zuletzt lag der Euro knapp unter 1,27 Dollar. Damit wurden die Gewinne, die der Euro im Wochenverlauf erzielt hatte, gleich wieder vernichtet.

Positiv hatte sich diese Woche etwa die Entscheidung des EZB-Präsidenten Mario Draghi ausgewirkt, den Leitzins auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent zu blassen. Allerdings ließ er die Tür für spätere Zinssenkungen offen. „Die Wirtschaft wird sich 2012 wieder stabilisieren, wenn auch nur schrittweise“ und auf niedrigem Niveau, hatte Draghi nach der EZB-Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt am Main gesagt. Rückschläge könnten nach wie vor nicht ausgeschlossen werden.

Zwischenzeitliche Kursanstiege waren außerdem der erfolgreichen Versteigerung spanischer Staatsanleihen und italienischer Geldmarktpapiere zu verdanken. Die Auktion habe für Entspannung in der Schuldenkrise gesorgt und dem Euro Auftrieb verliehen, hieß es in einem Kommentar der Landesbank Hessen-Thüringen.

Das wegen hoher Staatsschulden unter Druck stehende Italien hatte mit den Geldmarktpapieren am Donnerstag zwölf Milliarden Euro eingenommen. Das ebenfalls schuldengeplagte Spanien konnte mit seinen Staatsanleihen zehn Milliarden Euro erlösen - doppelt so viel Geld wie geplant und das zu niedrigeren Zinsen als bei vergangenen Auktionen. Beide Euro-Staaten konnten ihre Anleihen zu relativ günstigen Konditionen am Markt unterbringen.

Der Auftrieb für den Euro war nötig gewesen: Am Mittwoch war die europäische Währung mit 1,26 Dollar auf den niedrigsten Stand seit 16 Monaten abgesackt. Von der 1,40-Dollar-Marke ist der Euro jedoch noch weit entfernt. Zuletzt hatte die Einheitswährung diese Marke im November geknackt. Seitdem zeigt die Kursentwicklung nur kurze Verschnaufpausen auf dem Weg nach unten. Allein in den vergangenen vier Wochen verlor der Euro gut 3,5 Prozent zum Dollar.

Die leichte Entspannung in der europäischen Schuldenkrise ließ den Euro zunächst auch zum Yen zulegen. Am Freitagvormittag lag der Kurs bei 98,48 Yen.

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  • Dank des jetzt auf ein realistisches Niveau zurückgekehrter Euro werden die Gewinne die Großkonzernen im Euroraum machen wieder im Euroraum reinvestiert.
    Auch weil, wegen des Wechselkurs des Euro, Importe aus Nichteuroländer teurer sind, werden wir mehr Produkte Made im Euroland kaufen und weniger importieren.
    Das wird sich auch auf die Arbeitslosigkeit in den Krisenländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit positiv auswirken (Spanien und Portugal 40% Jugendarbeitslosigkeit) und folglich auch auf deren Schulden weil die Sozialausgaben sinken und die Steuereinnahmen zunehmen.
    Deutsche Weltkonzerne, weil im Nichteuroausland engagiert, haben ein unpatriotisches Interesse an einem starken Euro. Sie können dadurch billig im Nichteuroausland produzieren und den Euroraum mit billig Produkte „Made in Germany“ überfluten. Dies mit riesigen Gewinne aber zum Nachteil der schwächeren Eurowirtschaften. Sollte wegen des jetzt richtig bewerteter Euro Erdöl teurer werden, sehe ich es las ein Vorteil, vor allem für die Umwelt. Es muss nicht jeder deutscher Fettsack mit einem Panzer unterwegs sein. Schön wäre wenn der Euro noch um ein paar Cents fällt.
    Die richtige Parität liegt bei 1,25,- zum US-Dollar

  • Un Euro fort ne profite qu'aux très grandes entreprises (donc surtout allemandes) qui ont énormément réinvesti les bénéfices réalisés dans la Zone Euro en dehors de celle-ci et surtout dans les anciens pays satellites de l'Union Soviétique et qui ne font pas partie de l'Union Monétaire Européenne.
    Les coûts de la production dans ces pays étant avec un Euro fort moindre que dans la Zone Euro, ces entreprises ne font souvent qu'assembler, quelque fois même seulement dessiner les produits en Allemagne, ces produits soit disant « Made in Germany » sont par conséquent très concurrentiels et, grâce au sigle « Made in Germany » vendus cher, permettant ainsi de réaliser des gros bénéfices.
    Le chômage des jeunes de 40% dans plusieurs pays de la Zone Euro en est le résultat.
    Un Euro faible, par contre, rend ces produits importés plus cher, diminuant ainsi les marges de bénéfices de ces grandes entreprises et pénalisant la délocalisation.
    L'augmentation éventuelle du prix du pétrole qui se paye en Dollars, serait, par rapport aux avantages d'un Euro justement évalué, négligeable. (Positif pour la protection de l'environnement, n'en déplaise aux constructeurs allemands de grosses cylindrées)

  • Ein fallender Euro hilft uns in Deutschland am meisten, weil wir am exportstärksten sind. Ein billiger Euro wird erst bei Parität zum Problem. Wenn der Euro gegenüber dem Pfund und dem Yen auch noch Schwäche zeigt, dann schützt uns das auch vor Importen.
    Bei den rezessiven Tendenzen in Asien und Europa hilft das die Produkte aus dem Euroraum zu verbilligen. Die Audis und BMWs werden für Engländer, Chinesen und Amerikaner billiger. Der Maschinenbau wird für Investoren in Fremdwährungsländern attraktiver. Ein Trost, wenn da nicht der überbordende Staatverschuldungsmolloch über uns hinge.

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