Dubai
Rohölpreise geraten zunehmend unter Druck

Der Rohölpreis hat nach seinem Preisrutsch vom Wochenende tendenziell weiter nachgegeben. Grund dafür sind die Zahlungsschwierigkeiten Dubais. Zwar spielt der Staat keine große Rolle auf der Angebotsseite, doch gibt es eine psychologische Wirkung. Ein weiterer Preisrutsch ist nicht ausgeschlossen.
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FRANKFURT. Die schwindenden Aussichten auf eine Staatsgarantie für die in Zahlungsschwierigkeiten geratene Holding Dubai World haben gestern die Rohstoffmärkte belastet. Der Rohölpreis hat nach seinem Preisrutsch vom Wochenende tendenziell weiter nachgegeben. Das europäische Brentöl pendelte am Nachmittag um die Marke von 76 Dollar je Barrel. Damit hat sich Öl seit dem Wochenende um rund zwei Dollar verbilligt.

"Die Entwicklung in Dubai war der Auslöser für den leichten Preisrückgang", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Zwar spiele Dubai keine große Rolle auf der Angebotsseite, doch gebe es eine psychologische Wirkung. "Die Angst kehrt in den Markt zurück", sagt Weinberg. Bislang hätten die Märkte Risiken jedweder Art ausgeblendet. Der Rohstoffexperte rechnet nun tendenziell mit eher fallenden Ölpreisen. Selbst ein Rutsch unter die Marke von 70 Dollar sei nicht auszuschließen.

Gebremst wird der Ölpreis zurzeit auch dadurch, dass die Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) es einmal mehr mit der Kartelldisziplin nicht so genau nehmen. Die Länder produzieren also mehr als untereinander vereinbart, weil sie die Einnahmen aus dem Geschäft brauchen.

Gleich mehrere Länder drängen laut Weinberg darauf, ihre Förderung weiter auszubauen. So etwa Nigeria, dessen Produktion in den vergangenen Jahren ebenfalls durch Sicherheitsprobleme beeinträchtigt worden ist. Aber auch Angola dürfte aufgrund vieler neuer Projekte schon bald auf eine Anhebung seiner Förderquoten drängen. Sollten Opec-Mitglieder nun Dubai finanziell unter die Arme greifen, könnte dies weitere Produktionsausweitungen der Opec-Staaten begünstigen.

"Der Markt ist sehr vorsichtig", unterstreicht denn auch Benson Wang, Rohstoff-Experte von Commodity Broking Services in Sydney. "Es sind bislang nicht viele Neuigkeiten aus der Golf-Region gekommen." Daher seien viele Anleger gezwungen, zu raten, wie es nun mit den Rohstoffen und auch den Rohölpreisen weitergehe. Spekulanten halten sich damit zurück.

Bei anderen Rohstoffen sorgten die jüngsten Äußerungen aus Dubai ebenfalls für eine wachsende Verunsicherung der Marktteilnehmer. Die Industriemetalle büßten ihre Anfangsgewinne wieder ein. Kupfer verbilligte sich ebenso wie das für die Stahl-Herstellung benötigte Nickel. Relativ stabil entwickelte sich der Goldpreis, der vor dem Wochenende zeitweise mehr als 30 Dollar eingebüßt hatte. Gestern kostete die Feinunze (31,1 Gramm) wieder über 1 170 Dollar und notierte damit um rund 20 Dollar unter ihrem Rekordhoch.

"Dubai sollte die Anleger zum Nachdenken anregen", riet Weinberg. "Die Nachfrage aus Dubai und dem Nahen Osten nach Rohstoffen könnte zukünftig nicht mehr so stark ausfallen wie bisher." Darüber hinaus wiesen Börsianer darauf hin, dass die aktuelle Kaufnachfrage vor allem zum Aufbau der Lagerbestände diene und nicht hauptsächlich in die Verarbeitung fließe.

Quelle: Reuters

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