Duisenberg: "Weiterer Dollar-Verfall ist unvermeidlich"
Mögliche Dollar-Abwertung hilft Euro

Spekulationen, dass der US-Regierung an einer weiteren Dollar-Abwertung gelegen sein könnte, haben den Euro am Mittwoch zeitweise auf den höchsten Stand seit mehr als drei Monaten getrieben. Am frühen Nachmittag lag der Euro bei 1,1814/18 Dollar, nach einem Stand von 1,1768/74 Dollar bei Handelsschluss in New York am Vortag.

HB FRANKFURT. Gleichzeitig fiel die US-Valuta im Vergleich zur japanischen Währung unter die psychologisch wichtige Marke von 110 Yen.

„Es ist die alte Geschichte: Wir sehen eher eine Dollar-Schwäche als eine Euro- oder Yen-Stärke“, sagte Devisenanalyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. „Am Markt hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass die USA politisch eher an einem schwächeren Dollar interessiert sind“, fügte er mit Blick auf das enorme US-Leistungsbilanzdefizit hinzu.

Dieses Defizit entsteht durch einen Import-Überschuss und muss durch massive Kapitalzuflüsse in die USA finanziert werden. Bleiben diese aus, weil die Anleger das Vertrauen in die Stärke der US-Währung verlieren, droht eine deutliche Abwertung des Dollars. Die Abwertung der US-Valuta wiederum verteuert Importe in die USA und bewirkt über diesen Weg eine Verringerung des Leistungsbilanzdefizites.

Marktteilnehmer rechneten auch nicht damit, dass sich die Europäer der Aufwertung ihrer Währung entgegenstellen werden. „Europa scheint sich mit einem Euro zwischen 1,15 und 1,20 Dollar ziemlich wohlzufühlen“, sagte Devisenstratege Kalam Sharma von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, hatte kürzlich einen weiteren Dollar-Verfall als „unvermeidlich“ bezeichnet.

Am frühen Nachmittag lag der Euro bei 1,1814/18 Dollar, nach einem Stand von 1,1768/74 Dollar bei Handelsschluss in New York am Vortag. Im Referenzkursverfahren EuroFX wurde der Kurs des Euro mit 1,1794 (Vortag 1,1769) Dollar festgelegt. Die EZB ermittelte den Referenzkurs mit 1,1781 (1,1768) Dollar.

Die US-Währung verlor auch zur japanischen Valuta an Wert und kostete zuletzt 109,74/79 Yen, nachdem sie am Vortag mit 109,32 Yen ein Drei-Jahres-Tief markiert hatte. Der japanische Vize-Finanzministers Zembei Mizoguchi machte spekulative Kräfte für die jüngste Aufwertung des Yen verantwortlich. Er bekräftigte ebenso wie Finanzminister Sadakazu Tanigaki die Haltung Japans, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren. Mizoguchi äußerte sich jedoch nicht zu der Frage, ob die japanische Notenbank am Mittwoch erneut eingegriffen hat. Am Markt hat sich die Einschätzung durchgesetzt, dass Japan bei einem Rutsch des Dollar unter die Marke von 110 Yen intervenieren wird.

In den vergangenen Monaten hat die Bank von Japan bereits mehrfach Yen gegen Dollar verkauft, um eine weitere Aufwertung ihrer Währung zu verhindern und der exportlastigen eigenen Wirtschaft zu helfen. Ein starker Yen verteuert Ausfuhren in den wichtigen Export-Markt USA. „Interventionen glätten die Bewegungen zwar etwas, aber im Endeffekt dominieren die Märkte“, sagte HSBC-Stratege Sartoris.

Viele Marktteilnehmer sind der Ansicht, dass der Euro-Höhenflug noch lange nicht beendet ist. „Wir sehen den Euro bei 1,30 Dollar auf Sicht von zwölf Monaten“, prognostizierte Sartoris. „Die Marktmechanismen und die Politik sprechen eher für einen schwachen Dollar.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%