Edelmetall
Zentralbanken füllen ihre Goldtresore auf

Die Notenbanken kaufen Gold: Reichlich spät, finden Experten. Offenbar glauben die Institute nicht, dass der Dollar zurzeit eine gute Reservewährung ist. Warum sie gerade jetzt in das Edelmetall investieren - und warum Analysten diesen Schritt mit Skepsis sehen.
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Bloomberg NEW YORK. Die Zentralbanken stocken ihre Goldreserven auf. Insgesamt werden sie in diesem Jahr 429 Tonnen zusätzlich in ihren Tresoren einlagern, schätzen die Rohstoffexperten der New Yorker CPM Group. Marktbeobachter sehen das als eindeutigen Kontraindikator.

Nach einer Goldrally, die schon seit neun Jahren anhalte, sei es reichlich spät, einzusteigen, findet Professor Peter Morici von der Universität Maryland. Das zeige einmal mehr, dass Notenbanken nicht gerade über einen ausgeprägten Spürsinn bei Investment-Entscheidungen verfügten. Als sie 1988 das letzte Mal ihre Bestände erhöhten, fiel der Goldpreis um 15 Prozent. 1980, als die Notenbanken mit ihren Goldkäufen begannen, erreichte der Preis ein Hoch von 850 Dollar je Unze. Dieses Rekordhoch wurde erst 28 Jahre später übertroffen. Die Zentralbanken halten etwa 18 Prozent der gesamten Goldbestände. In diesem Jahr werden sie nach Schätzungen des Analysehauses CPM Group 13,8 Mio. Unzen (429 Tonnen) Gold im Wert von 15,5 Mrd. Dollar erwerben. Das wäre die erste Nettozunahme seit 1988.

Indien, China und Russland etwa wollen ihre Goldreserven aufstocken, nachdem Gold die längste Aufwärtsbewegung seit 1948 aufweist. "Es ist relativ spät, um jetzt einzusteigen", sagt Morici. "Die Käufe spiegeln einen Mangel an Vertrauen in die US-Wirtschaft wider und Zweifel, ob der Dollar sich langfristig als Reservewährung halten wird." In diesem Jahr ist der US-Dollar-Index, der die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs anderen Währungen reflektiert, um 5,4 Prozent gesunken - was den Appetit auf das Edelmetall verstärkt hat. Gold und Dollar sind in turbulenten Zeiten traditionell als sicherer Hafen gefragt. Aber die US-Währung war kein Zufluchtsort, nachdem die US-Notenbank ihre Bilanz innerhalb von 15 Monaten auf 2,19 Bio. Dollar verdoppelt hat.

Indien kaufte im Oktober vom IWF 200 Tonnen Gold. Das war der größte Einzelkauf einer Notenbank seit mindestens 30 Jahren, sagt Timothy Green, Autor des Buches The Ages of Gold." Die russische Notenbank hat im Oktober 15,5 Tonnen des Edelmetalls erworben. Die Bank of Mauritius erwarb letzten Monat zwei Tonnen und Sri Lanka zehn Tonnen vom IWF. Insgesamt will der Währungsfonds 403,3 Tonnen abgeben, um Geld für Kredite an Entwicklungsländern zu beschaffen. "Gold ist ein guter Anker und eine Absicherung in diesen volatilen Zeiten", erklärte Niveard Cabraal, Gouverneur der Notenbank von Sri Lanka. Auch Kasachstan, Venezuela und die Philippinen wollen ihre Goldreserven in diesem Jahr aufstocken.

Die Staaten, angeführt von den USA, Deutschland, Italien und Frankreich, halten insgesamt 29 600 Tonnen Gold. Die Reserven sind von 700 Tonnen im Jahr 1870 bis auf 38 000 Tonnen in den 1960er-Jahren angewachsen. Seit 1999, als der Preis auf ein 20-Jahres-Tief bei 251,95 Dollar je Unze gefallen ist, haben die Notenbanken per Saldo 4 880 Tonnen verkauft, schätzt das Analyseinstitut GFMS. Aber nicht immer mit Erfolg. Großbritannien hat in 17 Auktionen, die im März 2002 endeten, ein Goldvolumen, so groß wie zwei Londoner Taxis, verkauft und die Erlöse in Dollar, Euro und Yen angelegt. Der Höchstpreis, den es bei der letzten Auktion erzielte, lag bei 296,50 Dollar je Unze - 74 Prozent unter der aktuellen Notierung.

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