Edelmetalle
Anleger im Goldrausch

Gold ist so wertvoll wie seit 18 Jahren nicht mehr. Alle Welt kauft das edle Metall. Wie Anleger von dem Boom profitieren können.

Selbst der Dreck ist wertvoll. Eine Lederschürze unter jedem Arbeitsplatz in der Dortmunder Goldschmiedewerkstatt von Gerhard Rüschenbeck fängt Bruchstücke, Staub und Sägereste auf. Zusammen mit dem Kehricht vom Boden und den Goldresten, die ein Filter im Handwaschbecken vor dem Abflussrohr rettet, wird dieses Gekrätz gesammelt, ein- bis zweimal im Jahr zu einem Klumpen verbacken und der Scheideanstalt gegeben. Die gewinnt daraus ein bis zwei Kilogramm frisches Material und schreibt den Gegenwert Rüschenbecks Goldkonto gut. Zwei weitere Kilo aus altem Schmuck führt Rüschenbeck in seinen zwölf Schmuckfilialen jedes Jahr in den Goldkreislauf zurück. Als Service kauft er es seinen Kunden zu dem Preis ab, den ihm dafür die Scheideanstalt bezahlt.

Denn Gold ist knapp. Seit Menschen, vermutlich in der Kupferzeit, mit dem Fördern von Gold begannen, brachen Arbeiter 150 000 Tonnen des Edelmetalls aus Stein, siebten und wuschen es aus. Zwei Drittel davon allein in der Zeit nach 1950. Gefördert wird Gold heute in 900 Minen, daneben schürfen unzählige Glücksritter auf eigene Rechnung. Minenarbeiter schuften in dünner Luft an der weltweit zweitgrößten Mine Yanacocha, 4267 Meter hoch in Peru gelegen, und sie fahren 3777 Meter in die Tiefe der Savuka-Mine im Witwatersrand-Basin in Südafrika. Höher geht nicht mehr, tiefer auch nicht - Experten schätzen, dass mit heutigen technischen Mitteln nur noch die Hälfte der rund 100 000 förderbaren Tonnen aus der Erde geschaufelt werden kann. Dann ist Schluss mit dem Nachschub. Die größte verfügbare Goldreserve wäre das Salzwasser der Ozeane, aber alle Versuche, es daraus zu gewinnen, scheiterten. Die Konzentration ist zu gering.

Die sinkende Produktion, die 2005 wiedererwachte Angst vor Inflation und die wachsende Nachfrage der Schmuckindustrie trieben den Goldpreis zuletzt immer weiter in die Höhe: von 260 Dollar je Unze Anfang 2001 bis auf 509 Dollar Anfang dieser Woche. Nach Ansicht vieler Analysten dürfte die Hausse weitergehen, Anlegern bieten sich damit glänzende Chancen. Gold ist ein Politikum. Bis zum Frühjahr 2005 Jahres spielte sich der Anstieg des Goldpreises weit gehend nur in US-Dollar ab. Goldkäufer, die in Euro abrechnen, gingen leer aus. Erst als Frankreich und dann auch Holland in Referenden Nein zur EU-Verfassung sagten, stieg der Preis auch in Euro. Die Märkte deuteten die Ablehnung als Misstrauensvotum gegen den Euro. Und eine Währung ist nur solange stabil, wie die Bevölkerung Vertrauen in sie setzt. Selbst in der vermeintlich sichersten Währung, dem Schweizer Franken, nahm der Goldpreis seit der EU-Krise Fahrt nach oben auf. Seither stieg keine Währung so schnell im Kurs wie das Gold.

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