Edelmetalle

Anleger wollen wieder Gold

Spannungen in der Ukraine und im Irak und die Ankündigung der US-Notenbank, die Leitzinsen niedrig zu halten, lassen die Nachfrage nach dem Edelmetall so stark steigen wie seit 2011 nicht mehr. Goldfonds profitieren.
21 Kommentare
Aktien statt Metall lautete der Leitsatz vieler Anleger in den vergangenen Monaten. Doch die Einstellung ändert sich. Gold ist wieder gefragt. Quelle: dpa

Aktien statt Metall lautete der Leitsatz vieler Anleger in den vergangenen Monaten. Doch die Einstellung ändert sich. Gold ist wieder gefragt.

(Foto: dpa)

New YorkDas letzte Mal, als Gold stark gefragt war, war während der Eurokrise vor drei Jahren. Verständlich, schließlich fürchteten sich viele Anleger vor Inflation und einer anhaltenden Wirtschaftskrise in Europa. Für viele schien Gold das einzig verlässliche Mittel, um ihre Ersparnisse in Sicherheit zu bringen.

Doch die Eurozone erholte sich und das Edelmetall geriet wieder aus dem Fokus der Anleger. Nun scheint sich das zu ändern. Dafür spricht, dass die Bestände des weltgrößten börsennotierten Goldfonds, des SPDR Gold Trust, zuletzt so stark gestiegen sind wie seit November 2011 nicht mehr. In zwei Sitzungen am im Juli verzeichnete der Fonds einen Zuwachs von 1,4 Prozent auf 796,39 Tonnen.

Dabei hatte der Fonds im vergangenen Jahr noch Verkäufe von 550 Tonnen hinnehmen müssen - ein Rekordtief. Mit einem Minus von 28 Prozent war 2013 das schlechteste Jahr für Gold seit drei Jahrzehnten gewesen. Die aktuellen Zuflüsse spiegeln das wieder erwachte Interesse der Anleger an dem gelben Edelmetall wider.

Mit einem Plus von zehn Prozent hat Gold im bisherigen Jahresverlauf Rohstoffe, Aktien und Anleihen hinter sich gelassen. Die Spannungen in der Ukraine und im Irak, aber auch die Aussage der US-Notenbank, die Zinsen auf absehbare Zeit auf dem aktuellen Niveau zu belassen, haben zu einem verstärkten Interesse geführt.

„Gold hat den ersten Impuls durch Russland erhalten und dann kam der Irak hinzu”, sagte Phil Streible, Rohstoffhändler bei R.J. O'Brien & Associates in Chicago. „Zudem sorgt der zurückhaltende Ausblick der US-Notenbank für wachsendes Interesse an Gold, so dass einige Investoren sich ihm wieder zugewandt haben.”

Die Zuflüsse können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bestände seit Dezember noch immer 0,2 Prozent zurückgegangen sind und im vergangenen Monat das niedrigste Niveau seit Dezember 2008 erreicht haben. Aus Daten von Bloomberg geht hervor, dass Anleger bis Ende Juni 319 Millionen Dollar aus mit Gold unterlegten börsengehandelten Fonds abgezogen haben. Im Vergleich dazu lagen die Zuflüsse bei Aktienfonds bei rund 44 Milliarden Dollar in den ersten sechs Monaten.

Die Analysten der UBS werten die Entwicklung trotzdem als Signal einer Stabilisierung. „Obwohl der Kontext angesichts von anhaltenden Verringerungen der US-Anleihekäufe, drohenden Zinserhöhungen und Aktien auf Rekordniveau ungünstig für Gold bleibt, haben die Preise sich als insgesamt widerstandsfähig erwiesen”, schreiben UBS-Analysten in einer Studie.

Dirk Müller: Jetzt in Gold investieren?

Dirk Müller: Jetzt in Gold investieren?
  • Bloomberg
Startseite

Mehr zu: Edelmetalle - Anleger wollen wieder Gold

21 Kommentare zu "Edelmetalle: Anleger wollen wieder Gold"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ delta one

    Ist Ihnen mal aufgefallen dass "Sparen" im heutigen Schuldgeldsystem automatisch damit gleichgesetzt wird sein Vermögen der Finanzindustrie und der Bürokratie zu übertragen?

    Damit diese gemästet wird und den Sparer jederzeit mit zu Big to fail erpressen kann?
    Der Goldsparer zeigt auf dass man außerhalb dieses Systems sparen kann.

    Übrigens empfehlen die "Gold-Fetischisten" nicht 100-Lebensalter als optimalen Anteil im Vermögens-Split. Sie bezeichnen Aktien auch nicht als "barbarisches Relikt".

    Obwohl der "moderne" Sozialismus bekanntlich ohne Aktien auskommt.

  • @ Herr Martin Weiland

    In welchem Krisenland hat Gold denn in den letzten 100 Jahren nicht mehr "getaugt"?
    Wo konnte ich etwas Gold als Krisenversicherung vergraben und es wurde im Laufe der Zeit "wertlos"? Bei Papierwährungen wurden 100% aller Währungen durch Inflation weniger wert.
    Bis zum Totalausfall.

  • Sie können die 1920er Jahre nicht ohne Weiteres auf die heutige Zeit übertragen.

    Welche harten Fakten haben Sie, dass Gold heute wirklich als Krisenwährung taugt?

    Die heutigen Möglichkeiten staatlicher Kontrolle im Informationszeitalter sind andere als damals.

    Sicherlich spricht einiges dafür, in Gold zu investieren, doch keine Form der Goldanlage ist wirklich sicher, und schon gar nicht fungibel.

  • Ganz genau. Alles was derzeit Zinsen, Mieten usw. "erwirtschaftet" befindet sich im Zugriff des Staates.

    Man hat den Zensus 2011 zimlich schnell vergessen. Man wird sich dran erinnern wenn die Staatsverschuldung nach IWF Empfehlung reduziert wird und die Anleger und Immobilienbesitzer rasiert werden. Dann wird es allerdings zu spät sein.

  • @ Herr Josef Schmidt

    Gold ist das einzige Investment das sich erfolgreich einem Kapitalexportverbot entziehen kann. Es ist leicht zu schmuggeln und im Ausland nicht mehr zu orten.

    Deswegen identifizieren es unsere Beamten als kriminell und setzen es auf die Terrormerkmalliste. Denn Kapital das sich nicht unter Aufsicht und im Zugriff unserer Umverteilungsbeamten befindet terrorisiert diese ungemein.

    Aktien und Anleihen können fast beliebig entwertet und eingezogen werden. Börsen kann man schließen und Aktienbestände bei ausländischen Banken verbieten.

    Was passierte denn 1939 mit der Coca Cola-Aktie eines deutschen Anlegers? Oder mit seiner englischen Anleihe?

  • @ Herr Martin Weiland

    Sie konnten eine Menge kaufen wenn das Gold in Regionen ohne Verkaufsverbot lagerte. Der Deutsche der sein Gold nicht den Nationalsozialisten zur Vorbereitung ihres Krieges übergab sondern es in der Schweiz lagerte konnte so problemlos weltweit einkaufen.

    Der Amerikaner musste sein Gold nur nach Kanada oder Mexiko verlagern. Bezüglich Konfiszierung ist hoffentlich klar warum die Amerikaner so schweigsam sind wenn es um Zahlen geht wie viele Tonnen während der Goldverbotsphase tatsächlich konfisziert wurden.

    Münzen hatten Freimengen in der Größenordnung von Monatsgehältern und Schmuck wurde nicht verboten. De facto gab es kaum Konfiszierung. Man wollte lediglich Edelmetall aus dem offiziellen Geschäftsverkehr verbannen.

    Ob der offiziell niedrige Verkaufswert einer Farm noch mit der Übergabe einiger Goldmünzen besiegelt wurde interessierte niemanden. Es ging darum dass die Dollar-Banknoten weiterhin als Währung anerkannt wurden.

  • @ Herr Martin Weiland

    Sie sollten mal die Berichte lesen wieviel Lebensmittel man zu den schlimmsten Zeiten in den 20ern für 1 Gramm Gold bekam. Damals in D lebende Ausländer waren ganz verwundert wie billig ein Abendessen für mehrere Personen in Berliner Restaurants war wenn man mit goldgedeckter Währung zahlen konnte. In diesen Krisenzeiten konnten Sie mit einem Gramm Gold vor der offiziellen Ladenöffnung Grundnahrungsmittel für eine Woche kaufen. Der Nachbar mit seiner morgens frisch vom Arbeitgeber überreichten Papierwährung übergab diese Mittags der Ehefrau die dann 2 Stunden in der Schlange stand und hoffte dass dieser Tagesverdienst für das karge Abendessen ausreichen würde.

    Bildung bedeutet nicht platte Sprüche wie "Gold kann man nicht essen" sondern gelegentlich auch etwas Recherche. Die eigenen Theorien mit harten Fakten abgleichen.

  • Was meint man denn sonst mit dem barbarischen Relikt ?

    Hab ich was falsch verstanden ?

  • @ Herr Thomas Behrends

    Sorgen diese "Gaukler" etwa auch dafür dass die Zinsen auf Guthaben sich nach Steuern und Inflation auf der Nulllinie bewegen?

    Stimmt es etwa nicht dass Japan und die USA sich bei derzeitigem Verschuldungsgrad keine positiven Realzinsen mehr leisten können? Das Zinsniveau also bestenfalls niedrig bleiben muss wenn man keine Teilabschreibung durchführt?

    Haben die "Gaukler" die zwei Währungsreformen in D durchgeführt? Den Bail-In in Zypern?

    Diskutieren nur die "Gaukler" in ihren Verschwörungsforen oder ganz offiziell auch der IWF und das Finanzministerium über "Einmalabgaben" auf das Gesamtvermögen und massive Steuererhöhungen?

    Wen werden die Beamten finden um jedes Jahr 1 Million neue Einwanderer zu versorgen?
    Der Milliardär hat 3 Pässe und über Nacht den ständigen Wohnsitz auf den Bermudas. Die Dumpfbacken die 90% ihres Vermögens in "Sparguthaben" bei Banken und Versicherungen hinterlegt haben und heute nur Promillewerte als Grundsteuer zahlen werden sich noch wundern.

    1% jährliche Grundsteuer auf den Verkehrswert bei Objekten unter 200.000€ und 1.5% bei teureren Objekten sind nur noch nicht umgesetzt weil die Beamtenschaft überproportional in selbstgenutztem Wohneigentum investiert ist.

  • Schlagkräftiges Argument!

    Herrlich!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%