Edelmetalle
Die täglichen Fixing-Treffen der Goldhändler

Seit 1919 findet das sogenannte Goldfixing in London statt. Bis heute treffen sich dort zweimal täglich fünf Goldhändler und stellen den Goldpreis fest.

FrankfurtEs ist ein altes Ritual. Jeden Vormittag um 11.30 Uhr und jeden Nachmittag um 16 Uhr deutscher Zeit kommen in London fünf Goldhändler zusammen und stellen den Goldpreis fest - im Auftrag ihrer Kunden. Es geht ausschließlich um große Beträge. Wer die Kunden sind und wie viel Gold den Besitzer wechselt, verrät aber niemand.

Dieser beim sogenannten Goldfixing ermittelte Preis ist der Richtwert für den globalen Goldhandel. Zwar kann das Edelmetall jederzeit gehandelt werden, allerdings finden die Geschäfte nur außerbörslich (OTC) statt. Das bedeutet, dass Käufer und Verkäufer selbst den Preis für die gewünschte Menge, meist sind es nur einige Unzen (je 31,1 Gramm), aushandeln. Das Ergebnis ist der sogenannte Spotpreis. Er schwankt ständig. Für große Geschäfte und zur Bewertung der Bestände der Minengesellschaften, Banken, Notenbanken und sonstiger Investoren wird jedoch ein einheitlicher Referenzpreis benötigt. Dieser wird beim offiziellen Fixing ermittelt. Auch Schmuck- und Münzhändler orientieren sich an diesem Preis. Zudem ist er die Basis für die weltweiten Derivategeschäfte.

Seit 1919 findet das Fixing in London statt. Lange Zeit trafen sich dazu Vertreter von fünf im Goldhandel aktiven Banken noch persönlich in den Geschäftsräumen der Privatbank Rothschild. Mit deren Ausscheiden aus der Runde 2004 ging diese Tradition verloren. Seither schalten sich die Goldhändler der Bank of Nova Scotia, Barclays Capital, Deutschen Bank, HSBC und Société Générale zur vereinbarten Uhrzeit per Telefon zusammen.

Zu Beginn jeder Sitzung schlägt der leitende Goldhändler einen Preis vor und orientiert sich dabei an den letzten Spotkursen. Sofort wird dieser Preis von den anderen Goldhändlern telefonisch und elektronisch an die eigenen Kunden weitergegeben. Diese Kunden kontaktieren oft noch weitere Kunden. Namen nennt niemand. Unter den Beteiligten sind Goldproduzenten, Goldverarbeiter, Geschäftsbanken und Notenbanken sowie Fonds, die ihre Wertpapiere mit sogenanntem physischem Gold, also Goldbarren, unterlegen. Alle Kunden geben daraufhin an, ob sie zum vorgeschlagenen Preis Käufer oder Verkäufer sind und wie viele Goldbarren sie abnehmen oder veräußern würden. Die Zahlen werden addiert und an den leitenden Goldhändler weitergegeben. Die beteiligten Banken wissen damit genau Bescheid über die gehandelten Summen. Veröffentlicht werden die Volumina allerdings nicht.

Weichen die angebotene und die nachgefragte Goldmenge um mehr als 50 Barren voneinander ab, muss der leitende Goldhändler einen neuen Preis vorschlagen. In der Regel ist ein Handelspreis innerhalb weniger Minuten gefunden und wird weltweit über die Nachrichtenagenturen verbreitet. Manchmal dauert es aber auch länger. Warum, das dringt nicht nach außen. Diskretion gehört zum Ritual.

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