Edelmetalle
Platinpreis auf Rekordkurs

Platin ist in diesen Tagen „Gold wert“: Das Edelmetall steuert mit großen Schritten auf einen neuen Rekordpreis zu und profitiert dabei von Produktionsausfällen durch Streiks sowie verbesserten US-Konjunkturdaten. Der Schlüssel zum Erfolg besteht dabei darin, Probleme in Rauch aufzulösen.

LONDON. Der Preis für das Edelmetall Platin liegt nur knapp unter seinem Rekordhoch von fast 1 490 Dollar je Unze (31,1 Gramm). Unterstützt wurde die feste Tendenz durch einen eintägigen Streik in Südafrika. Schätzungen zufolge könnten dadurch rund 590 Kilogramm Platin weniger produziert worden sein. Das Edelmetall profitiert zudem von Hoffnungen auf eine nicht allzu starke Abschwächung der Wirtschaft in den USA und damit verbunden von einer Erholung des Autoabsatzes. Platin wird für Autokatalysatoren benötigt.

Das Londoner Edelmetallhaus Johnson Matthey hat den Bau von gleich zwei großen Werken für die Herstellung von weiteren fünf Millionen Autokatalysatoren im Jahr angekündigt. Schon jetzt deckt der Konzern ein Drittel des weltweiten Bedarfs an Abgasreinigern. Mit den neuen Werken wollen die Londoner vor allem den verschärften Abgasbestimmungen für Dieselmotoren im Nutzfahrzeugsektor Rechnung tragen.

Ein Katalysator für einen schweren Diesellaster müsste unter den verschärften, zumeist nach 2010 weithin in Kraft tretenden Abgasbestimmungen mit bis zu 100 Gramm an Platin bestückt werden, erklärte Andreas Wiartalla von der FEV Motorentechnik GmbH auf dem Edelmetallforum der Heraeus Gruppe in Hanau. Pkw-Abgasreiniger benötigten dagegen nur einen Bruchteil dessen an dem Edelmetall. Bei Dieselaggregaten tue sich überdies das wesentlich billigere Schwestermetall Palladium (347 Dollar je Unze) aus technischen Gründen noch schwer, Platin, wie bei PKWs, den Rang abzulaufen. Der Sektor, sagte Wiartalla, werde daher wohl auf Dauer kaum auf Platin als Abgasreiniger verzichten können.

Für Robin Bhar von UBS in London, ist der Ausblick für das Edelmetall Platin daher weiterhin „vielversprechend.“ Über 60 Prozent des diesjährigen Gesamtabsatzes von 6,925 Mill. Unzen 2007 des Metalls entfallen nach dem „Interim Review“, von Johnson Matthey derzeit auf die Autoindustrie, weitere 1,9 Mill. Unzen auf andere industrielle Anwender und 1,595 Mill. Unzen auf die Schmuckbranche.

Platinschmuck wird gern von Chinesen gekauft. Sie lassen sich von dem hohen Preis nicht abschrecken. Chinas Verarbeiter dürften in diesem Jahr knapp 800 000 Unzen des Metalls zu Schmuck verarbeiten. Zu dem rasanten Preisanstieg haben auch Investoren beigetragen. Beflügelt durch den schwachen Dollar und den steigenden Goldpreis kauften sie 75 000 Unzen. Gut 60 000 Unzen werden zur Unterlegung der ersten, im April und Mai begebenen börsennotierten Exchange Traded Funds (ETF) gehalten.

Mittel- bis langfristig glaubt Wolfgang Wrzesniok-Rossbach von der Heraeus Gruppe noch aus einem anderen Grunde vorläufig „keine Entwarnung“ für den Platinpreis geben zu können. Es stocke neuerdings auf der Angebotsseite. So hätten die Minengesellschaften Südafrikas 2007 wegen Streiks, Unfällen und eines Mangels an Fachkräften deutliche Produktionsverluste erlitten. Die Welt sei immerhin zu nahezu 80 Prozent ihrer Platinversorgung auf die Kaprepublik angewiesen. Anglo Platinum, Südafrikas Nummer eins, kürzte dieser Tage ihre Produktionsschätzung für 2007 um weitere 150 000 Unzen auf 2,5 Mill. Unzen. Aber auch die „Juniorenminen“ in der Republik geben laut Wrzesniok-Rossbach wenig Anlass zur Hoffnung. Einige der in der Vergangenheit vorgestellten Projekte würden „gar nicht oder mit großer Verspätung Wirklichkeit werden“. Anders als bei Palladium spielen die Russen mit ihrem 2007 auf gut 800 000 Unzen geschrumpften Angebot nur eine verhältnismäßig geringfügige Rolle am Welt-Platinmarkt.

Die Experten von Johnson Matthey veranschlagen das weltweite Produktionsdefizit für 2007 auf 265 000 Unzen; im Jahr 2006 gab es noch einen Überschuss von 65 000 Unzen . Tobias Merath von der Credit Suisse hat daher auch keinerlei Bedenken, seinen Anleger zu raten, vorübergehende Schwächephasen als Kaufgelegenheit zu nutzen. Merath unterstellt dabei einen weiter sinkenden Dollar, niedrigere Zinsen und steigende Inflationserwartungen. Er rechnet für 2008 mit noch stärkeren Preisschwankungen bei den Edelmetallen.

Michael Lewis von der Deutschen Bank geht für den Fall eines weiteren Dollarkursverfalls von einem Goldpreis von über 900 Dollar und einem Platinpreis von 1 650 Dollar je Unze aus. Sollte sich aber der Trend beim Dollar umkehren – und solche Gegenbewegungen sind in der Regel heftig – würden auch die Edelmetalle in Mitleidenschaft gezogen. Im kommenden Jahr gehe der Greenback schließlich bereits in das siebte Jahre seiner Wertberichtigung – und sieben Jahre seien seit 1972 die durchschnittliche Dauer eines Korrekturzyklus der Währung gewesen. Spekulanten am Platinmarkt können derartige Überlegungen freilich noch nicht schrecken. An den US-Terminmärkten setzen gegenwärtig, am „open interest“ gemessen, mehr von ihnen auf weitere Preissteigerungen bei Platin als bei irgendeinem anderen Rohstoff.

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