Edelmetalle unter Druck
Gold wird „zerquetscht“

Der Goldpreis schwächelt schon wieder. Noch schlimmer sieht es bei Silber aus. Experten gehen von weiter fallenden Preisen aus. Doch es gibt auch Unterstützung für die Edelmetalle.
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Spekulationen auf ein mögliches Ende der ultralockeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed haben die Preise für die Edelmetalle weiter belastet. Neben dem Goldpreis rutschte vor allem der Silberpreis weiter ab. Eine Feinunze verbilligte sich um bis zu 3,2 Prozent auf 22,17 Dollar. Schon am Montag war der Silberpreis zeitweise bis auf 20,84 Dollar gerutscht, womit er so niedrig wie seit September 2010 nicht mehr notiert hatte. Bis Handelsende hatte sich der Preis aber wieder erholt und drei Prozent höher geschlossen. Auch Gold verbilligte sich im Vormittagshandel um mehr als zwei Prozent auf 1363 Dollar. Mit dem Schließen der Geldschleusen durch die Fed würden die Edelmetalle als Inflationsschutz an Bedeutung verlieren.

Viele Anleger erhoffen sich von Fed-Chef Ben Bernanke neue Hinweise auf die künftige Geldpolitik, wenn er am Mittwoch vor einem Kongressausschuss Bericht erstattet. „Wenn Bernanke die Einschätzung bestätigt, dass die Fed früher als bisher gedacht ihre Anleihekäufe drosseln könnte, würde dies den Goldpreis belasten“, erklärte ein Analyst in London. Schon im April war der Goldpreis massiv unter Druck geraten und bis auf ein Zwei-Jahres-Tief von 1321,35 Dollar abgerutscht.

Vor allem Großanleger verabschieden sich derzeit von ihren Edelmetall-Investments und verkaufen ihre ETFs in großem Stil. So sanken die ETF-Bestände des iShares Silver Trust per Montag auf den niedrigsten Stand seit Mitte Januar. Die Abflüsse aus dem weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Trust gehen ebenfalls unvermindert weiter. Am Montag fielen sie um 0,7 Prozent auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren.

Die Investmentfirma Soros Fund Management hatte im ersten Quartal ihren Anteil am SPDR Gold Trust um zwölf Prozent zurückgefahren. Schon im vierten Quartal waren die Bestände um 55 Prozent eingedampft worden. Auch Fonds von Northern Trust und Blackrock hatten Anteile in den jüngsten Quartalen nach unten korrigiert.

„Der Schwung hat sich wieder signifikant abgeschwächt“, sagte Jeremy Baker, Rohstoff-Stratege von Harcourt Investment in Zürich. Er glaubt, dass die Goldpreise innerhalb von sechs Monaten auf bis zu 1200 Dollar fallen werden. „Der sichere Hafen hat definitiv seinen Glanz verloren. Wir befinden uns jetzt gerade wieder in einer Abwärtsphase.“

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Starke Nachfrage nach physischem Gold

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  • @ vhe

    Und täglich fahren die Gabelstapler in den diversen undurchsichtigen Fonds ( wie SPDR) in den Kellerabteilen herum? Totale Naivität!

    Natürlich werden symbolisch physische Verschubtätigkeiten vorgenommen werden. Aber das alte Spiel der Geldinstitute wird auch von den Goldhändlern und Börsen praktiziert, wonach ja nicht alle Kunden (Gläubiger) auf ihr Vermögen gleichzeitig zugreifen, sodass sich eine lukrative Verdienstmöglichkeit mit fremden Guthaben ergibt. (Mehrfaches Verleihen, mehrfache Kredite mit der gleichen Sicherheitseinlage).

  • Wenn man in diesen Größenordnungen Gold handelt, hat man Gold in den Handelssystemen drin, was auch ein Grund für die deutschen Goldbestände in der LBMA und New York ist.

    Physischer Goldhandel funktioniert dann so, dass entweder Seriennummern umgetragen werden oder von einem Raum in den anderen gefahren werden. Natürlich liegen alle Räume im selben Kellerkomplex, so dass das per Hubwagen oder Gabelstapler erfolgt.

    Goldhandel ist in dieser Hinsicht wie ein Spielkasino. Die Menge an Chips bleibt meistens ungefähr gleich, sie wandern nur hin- und her.

    Goldtransporte rein oder raus sind aufwendig. Gold rein passiert regelmäßig, wenn die akkreditierten Scheideanstalten liefern, raus passiert eher weniger. Die Industrie kriegt ihr Gold vom Hersteller und dem Rest ist es eigentlich egal, wo es liegt, da es ja eh nur an andere Marktteilnehmer verkauft wird.

    Selbst Notenbanken wie die russische oder chinesische kaufen kein Gold, dass sie dann physisch liefern lassen, die holen sich das Gold für ihre Schatztruhen in Peking oder Moskau selber aus der Erde.

  • Noch etwas Grundsätzliches an alle Goldhasser, die um ihre Provisionen für entgangene Trades mit Fiat-Aktien und Fonds-Luftschlösser bangen: Halten wir fest, dass entgegen dem Prinzip wonach Börsenindizes, Futures u.ä. auf Angebot-und-Nachfrage beruhen müssten, die aktuellen Goldkurse und -verkäufe nicht nur auf fiktiven Papierdeals beruhen, sondern auch noch auf einem "Hebel-Phänomen" der den Wetteinsatz mit nur etwa einem Hundertstel deckt. Somit versuchen einige größenwahnsinnige Broker mit Taschengeldbudgets der Welt den Goldpreis zu diktieren. Sie haben also weder das physische Gold um ihre Wetten einzulösen, noch ausreichendes Kapital um überhaupt als Geschäftspartner ernst genommen zu werden. Deswegen kümmern sich die neuen Player in Fernost, Russland, Brasilien und Südafrika nicht mehr um Comexkurse, sondern kaufen was das Zeug hält alle verfügbaren Goldbestände auf.

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