Edelsteine
Die Jagd nach dem grünen Juwel

Teure und seltene Smaragde behalten ihren Wert. Doch Vorsicht ist geboten: Immer häufiger tauchen Fälschungen auf. Die Händler arbeiten mit raffinierten Tricks, um ihre Kunden zu täuschen. Jetzt versuchen seriöse Verkäufer, sich gegen schwarze Schafe zu behaupten.

SALVADOR. Ein Fax aus der Schweiz ließ den Smaragdhändler Daniel Kläy im brasilianischen Salvador Ende Februar erstarren: Eine gute Kundin hatte den bei ihm gekauften Smaragdschmuck zum Juwelier in Bern gebracht um ihn zu versichern. Das Urteil des angesehenen Edelsteinfachmanns: "Mit 99 Prozent Wahrscheinlichkeit handelt es sich um synthetische Smaragde". Auch wertvoll, aber weit weniger als ein echter Smaragd. "Ich glaube wir sollten noch mal über den Kauf reden", beschied die Kundin Kläy knapp. Doch der konnte sich das nicht erklären: Der 46-jährige Kläy, der vor zwanzig Jahren von der Schweiz nach Brasilien auswanderte, kontrolliert die gesamte Verarbeitungskette von der Mine bis zum Verkauf des fertigen Schmucks selbst.

Kläy unterhält anders als die meisten Edelsteinhändler und Juweliere kein Netz an Einkäufern an den wichtigsten Smaragdfundorten Brasiliens, um den Schatzsuchern ihre Funde abzukaufen. Kläys Smaragd-Mine liegt in Socotó, 400 Kilometer im Landesinnern des Bundesstaats Bahia. Jeder Stein, den er verkauft, kommt aus seiner Mine oder den umliegenden Bergwerken. "Hat mir doch jemand etwas untergejubelt?" fragte sich Kläy. Vom Juwelier verlangte er, auch den allerletzten Zweifel auszuräumen.

Die Untersuchung am GRL Gemmologische Forschungs- und Prüflabor in Bern brachte die Erleichterung: "Die Smaragde konnten eindeutig als natürliche Smaragde identifiziert werden", bestätigte Walter Engel, führender Edelsteinexperte der Eidgenossen, "die Farbe und Reinheit der Steine sind jedoch so fein, dass sie als Schmuck gefasst unter dem Mikroskop nicht als natürlich erkannt werden konnten."

Die Episode zeigt: Wenig Edelsteine werden heute so misstrauisch beäugt wie Smaragde. Die grünen Edelsteine, die schon die ägyptische Monarchin Kleopatra entzückten, haben einen angeschlagenen Ruf. Immer wieder versuchen Produzenten, Steine mittlerer Qualität durch illegale Behandlung aufzuwerten. Reine, große Smaragde über vier Karat sind oft teurer als Diamanten in gleicher Größe, denn sie sind selten. Die meisten Steine haben Einschlüsse, Risse, Spaltungen. "Jardin", "Garten" nennen die Gemmologen das. Um den Stein dennoch lupenrein scheinen zu lassen, werden Smaragde schon seit der Antike mit Öl behandelt. Zedernöl oder Nähmaschinenöl. Es dringt in die Ritzen ein. Weil es eine ähnliche Lichtbrechung hat wie der Smaragd, erscheint der Stein plötzlich klar. Eine legale Sache, die nicht mal gemeldet werden muss.

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