Edelsteine
Umsatz bei Rohdiamanten bricht ein

Die weltweite Wirtschaftskrise trifft das Geschäft mit Rohdiamanten heftig: Der Weltmarktführer De Beers meldet einen Rückgang des Umsatzes von fast 60 Prozent - so stark abwärts ging es zuletzt vor mehr als 30 Jahren. Nun hofft das britisch-südafrikanische Unternehmen auf eine Wende im zweiten Halbjahr.

JOHANNESBURG. Der Rohdiamanten-Umsatz von De Beers ist im Zuge der weltweiten Rezession um 57 Prozent abgesackt. So stark ging es seit mindestens 1974 nicht mehr bergab. Da die Nachfrage in Europa, den USA und Japan zurückging, verkaufte der Diamanten-Weltmarktführer im ersten Halbjahr nur noch ungeschliffene Steine im Wert von insgesamt 1,4 Mrd. Dollar (eine Mrd. Euro).

Auch die geförderte Diamantenmenge ist kräftig geschrumpft und fiel um 73 Prozent auf nur noch 6,6 Millionen Karat. Dies teilte das Unternehmen aus Johannesburg, das inzwischen Teil des britisch-südafrikanischen Minenhauses Anglo American ist, am Freitag mit. Anglo American hält 45 Prozent an De Beers. Grund für den Einbruch der Diamantenförderung war die Schließung von Bergwerken in Botswana und Namibia. Als Reaktion auf die schwache Diamantennachfrage hatte De Beers die Produktion in seinen afrikanischen Minen in Botswana, Namibia und Südafrika bereits zum Ende des ersten Quartals gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent zurückgefahren. Zeitweise waren sogar fünf Minen ganz eingemottet worden. Außerdem stoppte der Konzern zwischenzeitlich die Exploration im diamantenreichen Kongo, der als Markt der Zukunft gilt.

Vor Sonderfaktoren verbuchte De Beers im ersten Halbjahr einen Verlust von 164 Mio. Dollar. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 350 Mio. Dollar erzielt. Für das Gesamtjahr rechnet De Beers nun mit einer deutlich niedrigeren Produktion als im Vorjahr. Die Menge der geförderten Diamanten werde nur etwa halb so hoch sein wie 2008, als De Beers Rohdiamanten im Gewicht von 48,1 Mio. Karat abgebaut hat.

Der Preis für Rohdiamanten ist zwischen Oktober und Mitte März um etwa die Hälfte gesunken, sagte Analyst Des Kilalea von RBC Capital Markets. Seitdem haben sich die Preise laut Kilalea allerdings wieder um 30 Prozent erholt. "Das zweite Halbjahr wird besser", gab sich Garath Penny, Managing Director von De Beers auf einer Telefonkonferenz optimistisch.

Die Zuversicht vermögender Amerikaner ist im Berichtsquartal so stark gestiegen wie nie, berichtete das Analysehaus Unity Marketing. Dies deute daraufhin, dass der schlimmste Teil der Geschäftsflaute für Luxusgüter-Produzenten vorüber ist. Im Gegensatz zu Gold, das von Anlegern in Krisenzeiten erworben wird, haben sich Diamanten im Zuge der Krise als reiner Luxusartikel erwiesen, für den sich in der Rezession nur wenige erwärmen konnten.

Mit Material von Bloomberg.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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