Ein halbes Dutzend Bohrinseln wird noch vermisst
„Ritas“ Folgen bremsen Ölförderung

Der Grad der Zerstörung der US-Ölanlagen durch Wirbelsturm „Rita“ wird erst langsam klar. Die Ölkonzerne arbeiten mit Hochdruck daran, die Schäden einzuschätzen und zu beheben. Inzwischen wird deutlich, dass Rita vor allem Explorations-Einrichtungen getroffen hat, also schwimmende Bohrinseln im Golf von Mexiko, die für die Entwicklung neuer Ölfelder benötigt werden.

tom/bac DÜSSELDORF. Mehr als die Hälfte der 134 Bohrinseln sind nach Angaben des US Minerals Management Service noch evakuiert. Von den über 800 Förderplattformen haben erst ein Fünftel inzwischen wieder eine Besatzung. „Sollten eine größere Anzahl von Bohrinseln zerstört sein, würde dies eine Reihe von neuen Förderprojekten stark verzögern“, sagt Zoe Sutherland, Analystin bei Wood Mackenzie.

Ein genaues Bild über die Katastrophenschäden liegt aber noch nicht vor. Von den Bohrinseln im Golf von Mexiko gelten derzeit rund ein halbes Dutzend als vermisst, da sie sich von ihrer Position losgerissen haben und herrenlos herumtreiben. Die gleiche Anzahl von schwimmenden Plattformen wurde an Strände gespült.

Nach dem Hurrikan „Katrina“ hatte sich ein anderes Bild ergeben: Der Wirbelsturm hatte vor allem Förderanlagen sowie Raffinerien und Pipelines getroffen und damit einen wesentlich höheren Schaden in der alltäglichen Produktion angerichtet. 15 Prozent der amerikanischen Ölraffinerien könnten „für mindestens zwei weitere Wochen“ ausfallen, erklärte die U.S. Energy Information Administration. Damit dürften die Benzinpreise weiter steigen, betonte die Agentur, die zum US-Energieministerium gehört. Durch die lahm gelegten Raffinerien gingen dem Markt pro Tag rund 1,3 Mill. Barrel Benzin verloren.

Der Ausfall von mobilen Bohrplattformen dürfte sich erst längerfristig bemerkbar machen. Im Ölgeschäft verlassen sich die Energiemultis bei der Erschließung neuer Quellen meist auf die Dienstleistungen von Ölservice-Firmen. Diese Firmen stellen Bohrinseln, Fachkräfte und errichten einen Großteil der Infrastruktur für die Konzerne.

Analysten beobachten mit den steigenden Ölpreisen schon seit Monaten, dass die Nachfrage nach Plattformen und Ölfeldausrüstung steigt, da die Konzerne ihre Explorationsbemühungen verstärken.

Da der Neubau einer Bohrinsel gut eineinhalb Jahre benötigt, rechnet der Branchendienst Energy Intelligence mit neuen Kapazitäten nicht vor dem Jahr 2007. Damit dürfte sich so lange auch die Erschließung der auf dem Meeresgrund gelegenen Ölquellen - in den vergangenen Jahren einer der Trends in der Branche - verlangsamen.

Angesichts dieses Engpasses hat die größte staatliche Ölgesellschaft der Welt, Saudi Aramco, nun den Bau von neuen Bohrplattformen beschlossen. Es ist das größte Projekt dieser Art bislang. In zwei Jahren will Aramco seine Bohrinsel-Flotte von heute 55 auf 110 verdoppeln.

Die Kosten für solche Einrichtungen dürften in den USA jetzt steigen. Nach Angaben von Energy Intelligence kostet die schwimmende Bohrinsel „Max Smith“ aus der Flotte der texanischen Firma Noble heute eine Tagesmiete von 155 000 Dollar. Wenn Max im Januar den Bohrer für Armada Hess ansetzt, dürfte bereits eine Rate von 305 000 Dollar fällig werden.

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