Eine harte Landung in China bietet eine gute Chance für den Einstieg in Commodities
Anlageprofis glauben unbeirrt an Superzyklus bei Rohstoffen

Eine alte Anlageklasse wird neu entdeckt. Nach Jahrzehnten des Desinteresses setzen immer mehr Investoren auf Rohstoffe. Seit rund fünf Jahren zeigen die Rohstoffpreise steil nach oben. So steil, dass der populäre CRB-Index den höchsten Stand seit 24 Jahren erreicht hat. Andere Messlatten – wie der Goldman-Sachs-Rohstoffindex – haben bis zu ihren Bestmarken noch einen guten Weg vor sich.

HB FRANKFURT/M. Ein Grund für den Gipfelsturm des CRB-Index liegt in dessen starker Gewichtung von agrarischen Rohstoffen. Deren Preise zogen – unter Führung von Weizen und Sojabohnen – zuletzt kräftig an. „Das größte Hausse-Potenzial steckt in den Agrarmärkten“, sagt der weltweit wohl bekannteste Rohstoff-Guru Jim Rogers im Handelsblatt-Gespräch. Seine Begründung ist simpel: Agrarrohstoffe standen lange Zeit im Schatten der boomenden Energie- und Metallmärkte. Rogers findet weitere Argumente: „Die Preise für Zucker, Baumwolle und Kaffee liegen weiter um 70 bis 80 Prozent unter ihren Höchstständen.“

Sei die Vergangenheit eine Richtschnur für die Zukunft, dann befinde sich die Rohstoffhausse noch immer in einem frühen Stadium. „Ein Haussezyklus bei Rohstoffen dauerte im Durchschnitt 18 Jahre“, sagt Rogers, der bereits vor sieben Jahren – gegen den allgemeinen Trend – einen Rohstoff-Fonds gründete, der seither ein Plus von 185 Prozent erzielte. Auch wenn die Rohstoffindizes nominal betrachtet nahe ihrer Rekorde seien, hätten sie in realen Werten erst die Hälfte des Niveaus der 70er-Jahre erreicht, sagt Mark Mathias von der britischen Investmentgesellschaft Dawnay Day Quantum, die jetzt einen neuen Rohstoff-Fonds emittiert hat.

Ein Ende der Rohstoffhausse sei derzeit zwar nicht absehbar, doch müsse mit zwischenzeitlichen Korrekturen gerechnet werden, stößt Jim Rogers in das gleiche Horn wie John Normand von JP Morgan und Richard Egelton von der Bank of Montreal. Normand und Egelton erwarten, dass die wichtigen Rohstoffindizes 2005 nicht an die überdurchschnittliche Performance vergangener Jahre anknüpfen.

Spätestens dann, wenn im Jahresverlauf Meldungen über eine harte Landung des chinesischen Immobilien- und Finanzsektors die Schlagzeilen bestimmen und die Rohstoffpreise daraufhin korrigiert werden, bietet sich eine gute Möglichkeit zum Einstieg in Commodities. „Dies wird für die Anleger jedoch die letzte große Chance im laufenden Haussezyklus der Rohstoffmärkte sein“, ermuntert Rogers die Anleger für diesen Fall zu einer couragierten Anlagestrategie.

Die meisten Banken und institutionellen Investoren haben die Hausse der Rohstoffmärkte schlichtweg verschlafen. Einer Studie von Barclays Capital zufolge ignorieren zwei Drittel der institutionellen Investoren Rohstoffe als Kapitalanlage. Lediglich acht Prozent der Institute seien mit mehr als zehn Prozent des verwalteten Vermögens in Commodities engagiert, sagt Barclays-Experte Kamal Naqvi. Immerhin habe sich das Volumen des in Rohstoffindex-Produkten investierten Kapitals seit dem Jahr 2002 auf rund 40 Mrd. Dollar vervierfacht. Amerikanische Investmentfonds hätten das in Rohstoffe investierte Geld seit 2002 von 300 Mill. Dollar inzwischen auf mehr als 7 Mrd. Dollar aufgestockt. Im Vergleich zur Marktkapitalisierung der Weltaktienmärkte von etwa 37 000 Mrd. Dollar nimmt sich diese Summe indes weiter sehr bescheiden aus.

Experten sind daher sicher: Der Kapitalstrom in Rohstoffe wird sich verbreitern. Schon heute kreieren die Banken neue Vehikel für Rohstoffinvestments. Anleger können daher mit einer Fülle von Investmentfonds, Derivaten und anderen Finanzprodukten diese Anlageklasse erschließen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%