Einigung im Atom-Streit
Ölpreise geben stark nach

Die Ölpreise reagieren mit deutlichen Abschlägen auf eine erste Einigung im Streit über das iranische Atomprogramm: Ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent kostet weniger als am Freitag. Das beflügelt die türkische Börse.
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Frankfurt/SingapurNach der Einigung auf ein Übergangsabkommen zum iranischen Atomprogramm hat der Ölpreis deutlich nachgegeben. In Singapur fiel der Preis für die Nordseesorte Brent bei Handelsauftakt um 2,7 Prozent auf 108,05 Dollar für eine Lieferung im Januar. Ursache dafür war nach Angaben von Analysten die in Genf erzielte Einigung zwischen der sogenannten 5+1-Gruppe und dem Iran. Diese könne langfristig eine Aufhebung des Embargos auf iranische Ölexporte zur Folge haben, womit das Angebot auf den Weltmärkten steigen würde.

„Aber kurzfristig werden die Auswirkungen auf das weltweite Ölangebot gering sein, weil der Großteil der Sanktionen vorerst in Kraft bleibe“, sagte Victor Shum von IHS Purvin and Gertz in Singapur. Jetzt werde erst einmal die Entwicklung von vergangener Woche zurückgenommen: „Brent war in der vergangenen Woche deutlich gestiegen, als es noch hieß, dass die Verhandlungen nicht so gut laufen.“ Nun würden die Preise wieder nach unten korrigiert, sagte Shum.

Nach jahrelangem Ringen hatten die fünf UN-Vetomächte und Deutschland in der Nacht zum Sonntag in Genf in Verhandlungen mit dem Iran einen Durchbruch erzielt. Das auf vorerst sechs Monate angelegte Abkommen enthält die Zusage Teherans, nicht nach Atomwaffen zu streben. Im Gegenzug für das teilweise Einfrieren seines Atomprogramms profitiert der Iran von einer teilweise Lockerung der internationalen Sanktionen.

Der Istanbuler Aktienindex stieg derweil um bis zu 1,8 Prozent auf ein Drei-Wochen-Hoch von 76.975,27 Punkten. Ein Dollar kostete mit 1,9940 Lira so wenig wie zuletzt Anfang des Monats. „Mittelfristig ist der Ölpreis-Rückgang positiv für die türkische Wirtschaft, da jeder Verbilligung um zehn Dollar das Handelsbilanz-Defizit um vier bis fünf Milliarden Dollar verringert“, schrieb Ibrahim Aksoy, Chef-Ökonom von Gedik Investment, in einem Kommentar.

Wegen seiner Abhängigkeit von Energie-Importen liegt das türkische Leistungsbilanz-Defizit derzeit bei etwa sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Diesen Fehlbetrag finanziert das Land durch den Zufluss ausländischen Kapitals. Wegen der Spekulationen um eine Straffung der US-Geldpolitik ziehen einige Anleger ihr Geld derzeit aber aus der Türkei ab.

Zu den größten Gewinnern am Istanbuler Aktienmarkt zählten diejenigen Unternehmen, die von einer Lockerung der westlichen Sanktionen gegen Iran profitieren dürften. Die Aktien des Düngemittel-Herstellers Gubre, die eine iranische Tochterfirma haben, stiegen um bis zu 7,6 Prozent. Halkbank, die voraussichtlich bald wieder die Zahlungen indischer Raffinerien an iranische Öl-Lieferanten abwickeln wird, legten 2,6 Prozent zu. Die Titel des türkischen Raffinerie-Betreibers Tupras gewannen 3,8 Prozent.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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