Empfehlenswerte Rohstoffanlagen
Von der Mine bis zum Maiskolben

Stehen Rohstoffe am Beginn einer 20 Jahre langen Superhausse? Oder mehren sich die Anzeichen einer Blase? Wie Anleger jetzt investieren sollten.
  • 0

Sie kamen in der Nacht, und sie leisteten ganze Arbeit: Von 18 Leitungsmasten entlang der Strecke Rummelsburg-Wuhlheide in Berlin ließen Kupferdiebe die Erdungskabel mitgehen. 44 Züge mussten umgeleitet, die Strecke für Stunden gesperrt werden. Ein dummer Streich? Ein verwirrter Einzeltäter? Mitnichten: In Polen stehen täglich Züge still, weil Räuber meterweise Schienen abflexen; viele ostdeutsche Kommunen schweißen schon ihre Gullydeckel fest.

Die Zahl der Metalldiebstähle hat sich allein in Brandenburg seit 2001 verachtfacht. Dass sich die Raubzüge entlang der Bahngleise lohnen, liegt vor allem an der riesigen Nachfrage in China und Indien. Der Rohstoffhunger Asiens trieb die Preise der Industriemetalle seit Anfang 2004 im Schnitt um 130 Prozent nach oben. Auch Anleger konnten prächtig mitverdienen. Seit den ersten Empfehlungen der WirtschaftsWoche im Jahr 2003 haben viele der Minenaktien um mehrere hundert Prozent zugelegt.

Doch sollen Investoren nach fast vier Jahren Boom noch auf den fahrenden Zug springen? Liegen die Rohstoffbullen richtig, die sich - wie ihr Guru Jim Rogers im Interview auf Seite 107 - in einem Superzyklus glauben, der noch 10, vielleicht gar 20 Jahre anhält?

Oder behalten doch die Mahner recht? Auch in ihrem Lager mangelt es nicht an prominenten Namen. Stephen Roach, Chefvolkswirt von Morgan Stanley, und Investmentlegende Warren Buffett warnten in diesem Jahr eindringlich vor einer Blase. Und tatsächlich: Im vergangenen Mai brachen einige Metallpreise erstmals seit vielen Jahren heftig ein. Ist das eine Kaufgelegenheit, oder ist es der Anfang vom Ende?

Es kommt darauf an. "Rohstoffe sind keine homogene Anlageklasse", erklärt Eugen Weinberg, Analyst der DZ Bank. Der Einstieg bei Industriemetallen wie Kupfer, Nickel und Zink erfordert mit Blick auf deren zuletzt steilen Preisanstieg schon Mut. Weniger riskant sind Energielieferanten wie Öl, Gas, Kohle, Biomasse und Uran. Rogers setzt vor allem auf nachwachsende Rohstoffe aus dem Agrarsektor. Sie haben gegenüber den Metallen Nachholbedarf. Rogers: "Ich kaufe ungern etwas, das sich schon verdreifacht hat" - auch für Privatanleger kein schlechter Rat.

Industriemetalle

Auch der aktuelle Metallboom wird - wie alle Haussemärkte - in einem spekulativen Exzess enden. Doch dieses Szenario dürfte noch auf sich warten lassen; eine Angebotsschwemme jedenfalls ist nicht in Sicht. Zwar haben Kupfer, Nickel und einige andere Buntmetalle Preise erreicht, bei denen sich fast alle bekannten Vorkommen wirtschaftlich ausbeuten lassen. "Doch von der Planung bis zum Produktionsstart eines neuen Bergwerkes vergehen Jahre", sagt Evy Hambro, Fondsmanager des Merrill Lynch World Mining Fonds. Aktuell werden weniger Aluminium, Nickel und Kupfer produziert als nachgefragt. Die Lagerbestände an den Rohstoffbörsen decken nur noch wenige Wochen einer Jahresnachfrage ab, so wenig wie noch nie.

Streiks in großen Minen verschärfen die Versorgungslage. Seit drei Wochen legen unzufriedene Arbeiter die weltgrößte Kupfermine Escondida in Chile lahm. Unter den globalen Bergbaukonzernen läuft zudem eine Übernahmewelle, welche die Verhandlungsmacht der Erzanbieter und damit die Preise stützen wird. Spekulationen, die Branchenriesen CVRD, Xstrata und Rio Tinto bereiteten eine 80 Milliarden Dollar schwere Übernahme des weltweit drittgrößten Minenkonzerns Anglo American vor, sorgten in der vergangenen Woche für Schlagzeilen. Nachdem die Preise für Kupfer, Nickel und Zink wegen der akuten Knappheit noch eine Weile heißlaufen dürften, droht die Korrektur. Rohstoff-Fondsberater Uwe Bergold rechnet damit in etwa 12 bis 18 Monaten.

Auslöser dürfte ein Nachfrageknick sein. "Ein von den USA ausgehender Konjunkturabschwung brächte eine Pause der Metallhausse", so Bergold. Die Zinserhöhungen der US-Notenbank zeigen Wirkung; das Geldmengenwachstum verlangsamt sich, der US-Immobilienmarkt ist angeschlagen. "Fed-Chef Ben Bernanke muss aufpassen, dass er den Konsum nicht abwürgt", warnt Sandra Bachofer, Portfoliomanagerin der auf Rohstoffe spezialisierten Tiberius Asset Management aus dem Schweizer Zug. Sonst würde auch der Export-Boom Chinas einen Dämpfer bekommen; die USA sind Hauptabnehmer chinesischer Produkte.

Seite 1:

Von der Mine bis zum Maiskolben

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Empfehlenswerte Rohstoffanlagen: Von der Mine bis zum Maiskolben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%