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Ende des Ölskandals: Royal Dutch Shell fusioniert nach 97 Jahren

Fundamentale Reform im Geschäft um das schwarze Gold: Der angeschlagene britisch-niederländischen Ölkonzern Royal Dutch Shell zieht die letzte Konsequenz aus dem Skandal um seine Ölreserven und fusioniert vollständig.

dpa-afx LONDON. Fundamentale Reform im Geschäft um das schwarze Gold: Der angeschlagene britisch-niederländischen Ölkonzern Royal Dutch Shell zieht die letzte Konsequenz aus dem Skandal um seine Ölreserven und fusioniert vollständig. Wie der weltweit drittgrößte Ölmulti mit der gelben Muschel am Donnerstag in London berichtete, sollen beide Teil-Konzerne nach fast 100 Jahren relativer Eigenständigkeit zusammengelegt werden. Die Reaktion erfolgte prompt mit einem Anstieg des Börsenkurses in London.

Nach den Vorschlägen wird der Haupt- und Steuersitz künftig in Den Haag angesiedelt sein und Konzernchef Jeroen van der Veer mit weit reichenden Machtbefugnissen ausgestattet. Er soll das Unternehmen grundlegend reformieren und so das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. "Unsere Vorschläge werden nicht alle in jeder Hinsicht zufrieden stellen, aber wir glauben fest daran, die bestmögliche Lösung gefunden zu haben", sagte Aad Jacobs von der Führungsspitze des Traditionsunternehmens.

DER 'Renovierte' Konzern

Der "renovierte" Konzern soll künftig den Namen Royal Dutch Shell plc. tragen und in erster Linie an der Londoner Börse notiert werden. Damit gäbe es dann nicht mehr wie bisher zwei, sondern nur noch einen Vorstand, einen Chairman und einen Chef. 200 Mitglieder des Managements werden nach den Plänen von London auf die andere Seite des Ärmelkanals wechseln.

Die Aktionäre werden voraussichtlich im kommenden Frühjahr im April über die 100-prozentige Zusammenlegung der Unternehmensteile abstimmen. Doch dürfte dies keinerlei Hürde darstellen: Die Shell-Aktie stieg nach Ankündigung der Pläne an der Börse in London schlagartig um vier Prozent.

Analysten und Großaktionäre hatten in den vergangenen Monaten immer wieder ein Ende der Doppelstruktur gefordert, die nach ihrer Meinung einer der Hauptgründe für den Unternehmensskandal vom Anfang diesen Jahres war. Royal Dutsch/Shell hatte zugeben müssen, seine Öl- und Gasreserven um ein Viertel überschätzt zu haben - und einiges deutete darauf hin, dass die Konzernspitze davon wusste. Der damalige Konzernchef Sir Philip Watts und andere Spitzenmanager mussten gehen.

'Gute Chancen FÜR Mehr Effizienz'

Der Ölkonzern besteht derzeit aus der Koninklijke Nederlandse Petroleum Maatschappij mit Sitz in Den Haag und 60-prozentigem Anteil am Gesamtunternehmen und der Shell Transport & Trading Company in London mit 40 Prozent Anteil. 1907 hatten sich Briten und Niederländer zwar zusammengetan, doch eine richtige Fusion wurde bis zum heutigen Tag nicht daraus. Dies galt nach der schwersten Krise des Unternehmen im Zuge des Skandals um die Ölreserven in der Londoner City als nicht mehr tragbar. Dementsprechend positiv fielen nun die Reaktionen aus. Union Investment beispielsweise, die Fondstochter der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, sieht nun gute Chancen für mehr Effizienz und eine bessere Unternehmensführung.

Die Vorschläge für eine Fusion kommen auch wirtschaftlich zum richtigen Zeitpunkt. Denn am selben Tag legte Shell die Ergebnisse für das dritte Quartal vor, die von den Rekordpreisen für Öl profitierten: Im Jahresvergleich konnte das Unternehmen ihr Ergebnis um 70 Prozent auf umgerechnet 3,46 Mrd. Euro steigern.

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