Energie
Für die USA sind Stürme nicht das einzige Problem

Der Anstieg des Öl-Preises hat die USA unvorbereitet getroffen, die Suche nach den Schuldigen läuft auf Hochtouren. Dabei ist die eigene Infrastruktur überraschend anfällig, die letzte Raffinerie in den USA wurde bereits 1976 gebaut.

PORTLAND. Der Anstieg der Rohölpreise hat die Vereinigten Staaten völlig unvorbereitet getroffen. Im Land der weiten Strecken und großen Autos galt billige Energie immer als eine Art Geburtsrecht. Entsprechend tief schneiden die Rekordpreise für Treibstoffe in den "American Way of Life", und die hektische Suche nach Abhilfe und nach Schuldigen ist in vollem Schwung.

Im Kongress wurden bereits ein Dutzend Gesetzesvorlagen eingebracht; die Demokraten zeigen mit dem Finger auf "Spekulanten", die Republikaner wollen die Golfküste von Florida und das größte Naturschutzgebiet in Alaska für die Ölexploration frei geben. Experten sehen indessen keine realistischen Wege, um das Angebot von Öl und Ölprodukten kurzfristig zu erhöhen. Die US-Energy Information Administration (EIA) rechnet damit, dass der weltweite Rohölverbrauch in diesem Jahr um eine Mill. Barrel am Tag steigen wird, obwohl die Nachfrage in den USA wegen der Rekordpreise rückläufig ist.

Gemessen an der Bedeutung der Ölindustrie für die USA als Verbrauchsweltmeister ist die Versorgungs-Infrastruktur überraschend anfällig. Die Produktion der größten Erdölvorkommen in Alaska, Texas und im Golf von Mexiko schrumpft. Mit rund zehn Mill. Barrel pro Tag sind die Ölimporte mittlerweile fast doppelt so hoch wie die einheimische Förderung. Wichtige Lieferländer wie Nigeria, Venezuela und Irak, die fast 30 Prozent der Importe bestreiten, gelten als problematisch. Das Pipeline-Netz und die Raffinerien sind zum Teil veraltet, und ihre Kapazitäten reichen nicht aus. Die letzte Raffinerie in den USA wurde 1976 gebaut.

Im automobilabhängigen Kalifornien wurden allein zwischen 1985 und 1995 zehn Raffinerien geschlossen. Während der Ölkrise von 1979/80 konnten die Raffinerien in den USA fast 18 Mill. Barrel Rohöl pro Tag durchsetzen. Heute liegt ihre Kapazität nach Angaben der EIA bei knapp 17,5 Mill. Barrel. Der Verbrauch wuchs seitdem jedoch von 16 auf rund 21 Mill. Barrel am Tag. Folglich mussten sich die Amerikaner zunehmend am Weltmarkt eindecken. Im Schnitt importieren die USA täglich rund eine Million Barrel Treibstoffe und eine Viertel Million Barrel Destillate.

Das Nervenzentrum sowohl der einheimischen Öl- und Gasförderung als auch der Einfuhr und Verarbeitung liegt im Golf von Mexiko. Ein dichtes Netz von Pipelines verbindet die Häfen mit Raffinerien und Chemiewerken. Fast die Hälfte der US-Raffineriekapazitäten findet sich am Golf in den Bundesstaaten Texas, Louisiana, Alabama und Mississippi. Vor der Küste drängt sich ein Wald von über 3 000 Bohrinseln und Förderplattformen, die fast 30 Prozent des inländischen Rohöls und ein Fünftel des Erdgases liefern. Gut 60 Prozent der US-Rohölimporte laufen über Häfen am Golf.

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