Energie
Große Unsicherheit am Ölmarkt

Zuletzt gaben die Öl-Preise wieder etwas nach. Doch Experten bezweifeln, dass dies bereits die Trendwende an den internationalen Märkten ist. Im Gegenteil: In den USA beginnt die Hurrikan-Saison. Ein Grund mehr für hohe Preise.

DÜSSELDORF. Die Rohölpreise sind kräftig unter Druck geraten. Erstmals seit zwei Wochen kostet Öl sowohl in den USA als auch in Europa weniger als 140 Dollar je Barrel (159 Liter). Erst vor einer Woche hatte das amerikanische Leichtöl WTI den Rekordstand von 145,85 Dollar erreicht. Noch teurer war das europäische Brentöl mit 146,69 Dollar in der Spitze. Gestern notierte WTI bei 137,50 Dollar, Brentöl kostete rund 137 Dollar. Experten sind allerdings angesichts gravierender Unsicherheitsfaktoren skeptisch, ob dies bereits die Trendwende an den internationalen Ölmärkten ist.

Für die jüngste Entspannung hat zunächst die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Konflikt zwischen den USA und Iran gesorgt. Berichte über Raketentests Irans ließen die Preise gestern jedoch in kurzer Zeit wieder um ein bis zwei Dollar nach oben schnellen. Dies zeigt, wie rasch die Stimmung an den Märkten drehen kann.

"Es ist noch zu früh, von einer Trendwende zu sprechen", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Dagegen spreche auch die charttechnische Analyse. Erst wenn der Aufwärtstrend, der seit Jahresbeginn besteht, gebrochen werde, könnte man von einer Trendwende sprechen. Dafür müssten die Preise allerdings unter 130 Dollar rutschen. Weinberg rechnet nach wie vor damit, dass zuvor die Marke von 150 Dollar getestet wird: "Der Markt will die 150 Dollar unbedingt sehen." Zu diesem Anstieg könnten die anhaltenden geopolitischen Risiken beitragen. Danach könnte der Preis abstürzen. Wenn der Markt wahrnimmt, dass die Nachfrage kontinuierlich zurückkehrt, "bricht das Kartenhaus zusammen". Im nächsten Jahr rechnet er mit Preisen unter 100 Dollar.

Skeptisch bleibt auch Gabriele Widmann von der Deka-Bank, wenngleich sie der Preisrückgang nicht überrascht: "Es ist eine Übertreibung am Markt, die sich zurückbilden muss." Fundamental gerechtfertigt sei ein Preis von unter 100 Dollar, den die Deka-Bank für den Herbst prognostiziert. Doch werde an den Rohölmärkten eine "zukünftige Knappheit" gespielt. Große Unsicherheit bestehe insbesondere mit Blick auf mögliche Wirbelstürme in den USA und die Raffinerien im Golf von Mexiko, die an der Kapazitätsgrenze arbeiten. "Die Hurrikan-Saison ist ein sehr hohes Risiko", sagt Widmann, das aber nicht eintreten muss. "Doch jeder Ausfall kann zu neuer Knappheit führen."

"Auf den Weltölmärkten herrscht ein Chaos. Wir bewegen uns in einem Teufelskreis: Ein Viertel des Weltölverbrauchs wird subventioniert; die Nachfrager reagieren träge. Und die Angebotskräfte sind durch Marktzugangsbarrieren sowie Staatsgesellschaften gefesselt", stellt der Kölner Energieprofessor Dieter Schmitt fest. Auch er blickt auf die beginnende Hurrikan-Saison im Golf von Mexiko, durch die neue Ungleichgewichte drohten. Bei heftigen Stürmen seien Ausfälle in der Offshore-Öl- und Gasproduktion sowie in der Mineralölverarbeitung und damit verbunden weitere Verteuerungen zu erwarten.

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