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Energieagentur IEA hat Notstandspläne - aber nicht gegen hohe Ölpreise

Kaum schießen die Ölpreise wie derzeit in die Höhe, wird wieder der Ruf nach einem Eingreifen der Internationalen Energieagentur (IEA) laut. Diesmal riefen sogar die G-7-Staaten am Wochenende in Washington die Pariser Agentur auf, für mehr Markttransparenz zu sorgen, um die Spekulation zu unterbinden. Bei der IEA stößt das eher auf Unverständnis. Denn die Agentur hat bei ihren Marktberichten stets auch die Spekulation im Blick. Das Pariser Wirtschaftsblatt "Les Echos" wertete den Appell der G sieben gar als "lächerlich".

dpa-afx PARIS. Kaum schießen die Ölpreise wie derzeit in die Höhe, wird wieder der Ruf nach einem Eingreifen der Internationalen Energieagentur (IEA) laut. Diesmal riefen sogar die G-7-Staaten am Wochenende in Washington die Pariser Agentur auf, für mehr Markttransparenz zu sorgen, um die Spekulation zu unterbinden. Bei der IEA stößt das eher auf Unverständnis. Denn die Agentur hat bei ihren Marktberichten stets auch die Spekulation im Blick. Das Pariser Wirtschaftsblatt "Les Echos" wertete den Appell der G sieben gar als "lächerlich".

Die IEA ist keine "Weltölagentur", die mit dirigistischen Mitteln die billige Ölversorgung der Industriestaaten sichert. Aus der Preisgestaltung hält sie sich raus - auch angesichts der derzeit hoch schäumenden Spekulationswellen. "Wir sehen keine geopolitische Versorgungskrise, sondern lediglich bestimmte Marktbedingungen, die die Preise hochhalten", erklärt Klaus Jacoby, der bei der IEA für die Notfallplanung verantwortlich ist.

IEA Kein Marktteilnehmer

Zwar kann die IEA "Mittel ergreifen, um ungewöhnlich große Spotmarkt-Käufe zu entmutigen". Doch das ist Theorie. "Wir sind keine Marktteilnehmer", erklärt Jacoby. Eingreifen soll die IEA, wenn eine echte Versorgungskrise droht. "Zu Beginn des Irakkrieges waren wir nah dran", sagt Jacoby. Aber dann gelang es, in Absprache mit der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) den Rückgriff auf dirigistische Mittel zu vermeiden: Die Opec erhöhte die Förderung.

Von Anbeginn gehört die Förderung des freien Marktes zu den Zielen der IEA. Und sie hat Erfolg dabei. Wenn heute eine Ölkrise wie in den 70er Jahren drohte, würde der Preismechanismus die Ölströme umlenken. Für wirklich schwere Engpässe hält die IEA aber weiter Notfallpläne bereit.

IEA HAT Notfallplan

Die IEA war 1974 als Antwort auf den arabischen Ölboykott gegen die USA und die Niederlande gegründet worden. Der "Ölschock" hatte den unvorbereiteten Westen in Panik versetzt; in Deutschland gab es Sonntagsfahrverbote. Dabei war das Ölangebot real nur um 2,75 Prozent gesunken, während die Suezkrise 1956/57 sogar zu einem Ausfall von 11,43 Prozent geführt hatte. Doch der Schock saß tief. Die neue Agentur verpflichtete ihre Mitglieder, Ölreserven für 90 Tage anzulegen und sich bei Krisen solidarisch zu helfen. In der Kuwait/Irak-Krise 1991 wurde erstmals der Mechanismus zur gerechten Versorgung der Partner in Gang gesetzt.

Sollten durch Terroranschläge auf arabische Öleinrichtungen oder Bürgerkriege in Lieferländern wie Nigeria mehr als sieben Prozent ausfallen, könnten die 26 IEA-Staaten nach dem Notfallplan ihren Verbrauch um jeweils sieben Prozent einschränken, um die besonders betroffenen Länder zu versorgen. Da der Markt heute aber wirksam auf Engpässe reagiert, wäre das unwahrscheinlich. Bei mehr als zwölf Prozent Ausfall könnten zehn Prozent eingespart und der Rest aus den Reserven gedeckt werden. Fielen mehr als 30 Prozent weg, könnte es eine Ölrationierung geben.

Einen Automatismus gibt es aber nicht. In der Praxis wirkt die IEA eher als Lieferant von Daten über Angebot, Nachfrage und Lagerhaltung und als Vermittler zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Für die westlichen Industriestaaten ist sie damit unentbehrlich geworden - auch ohne akute Versorgungskrisen./

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