Energiehunger speist sich aus starkem Wirtschaftswachstum und geringer Effizienz
Asiens Boom fegt den Ölmarkt leer

Der Ölpreis wird in jüngster Zeit insbesondere auch von der stark gestiegenen Nachfrage auf den wachsenden asiatischen Märkten angefacht. So schürt allein Chinas boomende Wirtschaft einen enormen Energiehunger, der das Land zunehmend in strategische Rivalität zu Japan und den USA über den Zugang zu Öl- und Gasquellen bringt.

olm NEU DELHI. In den vergangenen vier Jahren entfielen 40 % der zusätzlichen globalen Ölnachfrage allein auf China, das Japan mittlerweile als zweitgrößten Verbraucher nach den USA abgelöst hat. Trotz Bemühungen der Regierung, die Wirtschaft abzukühlen, soll der Ölverbrauch der Volksrepublik dieses Jahr um ein Viertel steigen. Angesichts explodierender Autoverkäufe, zunehmendem Strombedarfs und zu Neige gehender eigener Reserven dürften die Ölimporte weiter deutlich zulegen. Derzeit fördert China noch zwei Drittel seines Ölbedarfs. Bis 2030, schätzt die Internationale Energieagentur IEA, wird es nur noch ein Viertel sein.

Auch in fast allen anderen asiatischen Ländern klafft eine riesige Einfuhrlücke. Sie macht die Wirtschaft besonders anfällig für Ölpreisschocks. Die Boomregion produziert nur 10 Prozent, verbraucht aber 24 Prozent der globalen Ölförderung. Mangelnde Investitionen in Förderstellen hat 2004 sogar Indonesien, Asiens einziges Opec-Mitglied, zum Netto-Importeur des Rohstoffs gemacht. In Thailand, Malaysia, Singapur und Vietnam erreicht die Wirtschaft Wachstumsraten von sieben bis acht Prozent, was die Energienachfrage antreibt. Und mit Indien erwacht der Region ein zweiter energiehungriger Gigant. Das Energy Research Institute in Delhi sagt voraus, Indien werde im Jahr 2030 5,6 Mill. Barrel pro Tag schlucken – mehr als doppelt so viel wie heute. Bereits jetzt hängt Indien viel stärker als China von Einfuhren ab. So deckt die eigene Ölförderung nur ein Drittel des Bedarfs. Im Jahr 2020 sollen es nur noch zehn Prozent sein, erwartet die IEA. Zusätzlich zu ihrem strukturellen Ölhunger sind Asiens Schwellenländer weniger energieeffizient als der Westen und gleichzeitig extrem ölintensiv. China und Indien etwa benötigen über 1,5 Millionen Barrel Öl pro Milliarde Dollar Bruttoinlandsprodukt – fast doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt.

Angesichts dieser Abhängigkeiten schrillen in Asien die Alarmglocken, seit der Ölpreis die 40-Dollar- Marke durchbrochen hat. Dass er gestern über 50 Dollar stieg, vergrößert die Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung. So warnt die Asiatische Entwicklungsbank vor einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums um 0,6 Prozent in 2005 und vor steigender Inflationinfolge des stark gestiegenen Ölpreises.

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