Energiekrise löst riesige Nachfrage aus
China heizt die Preise für Kupfer weiter an

China, der weltweit größte Kupfer-Konsument, treibt mit wachsender Nachfrage erneut die Notierungen des Metalls in die Höhe. Die Kupfer-Futures erreichten in New York vergangene Woche ein neues Hoch.

PEKING. „Die Chinesen sind wieder da und kaufen“, sagt James Koppel, Managing Director in New York bei SG Corporate & Investment-Banking, einem Arm der Société Générale. In der Tat: Chinas Kupfer-Verbrauch nahm in den ersten vier Monaten des Jahres – trotz der erfolgreichen Bremsmanöver der Zentralregierung, die Investitionen, Kreditvolumen und Geldumlauf reduziert – um stolze 26 Prozent zu.

Auf den ersten Blick ein klarer Widerspruch, der Zweifel am Erfolg der konjunkturdämpfenden Maßnahmen in Peking wecken könnte. Doch die anhaltende Kupfer- Hausse in China geht auf den rasant wachsenden Bedarf der Energiewirtschaft zurück. Weil China 30 Mill. Kilowatt Strom fehlen – die Regierung hat bei der Kraftwerksplanung lange Zeit die Dynamik der eigenen Konjunktur unterschätzt – werden allein in diesem Jahr für 24 Mrd. Dollar neue Kraftwerke gebaut. Um 16 Prozent nahm im ersten Halbjahr die Stromproduktion im Land zu, weil die Behörden den Bau von 144 neuen Kraftwerken fieberhaft vorantreiben. „Der Kupfer-Konsum wird dank dieser Energie-Knappheit ansteigen“, bestätigt Xiao Zhenmin ein Analyst bei der staatseigenen Sino Mining International. Xiaos Vorhersage: „China wird 2005 rund zehn Prozent mehr Kupfer verbrauchen, wegen der stärkeren Nachfrage nach Stromkabeln“.

Die Börsianer registrieren schon seit drei Wochen in Folge fallende Kupfer-Reserven in den lokalen Warenhäusern. Die chinesischen Kupfer-Vorräte sind seit Jahresfrist um 39 Prozent geschmolzen.

Energiekrise zwingt Firmen zum Stromsparen

Chinas Energiekrise – die schlimmste sei den 80er Jahren – ist auch dafür verantwortlich, dass trotz konjunkturdämpfender Maßnahmen der Verbrauch von Ölprodukten weiter ansteigt. Allein in Peking müssen 6 000 Firmen abwechselnd den Strom abschalten. Folge: Viele von ihnen kaufen Diesel- oder Benzin-Generatoren und produzieren selbst Strom. Der Verbrauch an Benzin, Diesel und Kerosin wird in diesem Jahr in China um über zehn Prozent zunehmen, heißt es bei China National Petroleum, dem größtem Ölproduzenten des Landes. Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres – als Peking schon auf die Konjunktur-Bremse stieg – kletterte der Verbrauch an Raffinerie- Produkten um 20 Prozent.

„Die Elektrizitäts-Knappheit, der Autoboom und der Engpass im Transportwesen sind der Treibriemen hinter dem steigenden Öl-Konsum in China“, sagt der Energie-Analyst Liu Gu beim Brokerhaus Guotai Jun´an Securities. Insider in der Autoindustrie berichten, dass die staatliche Eisenbahn etwa 100 000 Container für Warentransporte einsetzen kann, aber 280 000 benötigt würden. Analysten erwarten daher für das zweite Halbjahr in China eine weitere Zunahme des Ölverbrauchs um mindestens zehn Prozent. „Der Konsum wird bis Jahresende stabil wachsen“, sagt auch Gong Jingshuan bei China National Petroleum. Chinas Raffinerien sind bis zum Anschlag ausgelastet.

Gestützt werden Vorhersagen wie die von Gong durch führende Analysten in Hongkong. „Die Wirtschaft drosselt das Tempo, aber das Wachstum ist immer noch ziemlich hoch“, sagt Jonathan Anderson von UBS, „wir sehen keine Kreditvollbremsung und keinen industriellen Kollaps“. So auch die Einschätzung von Jun Ma, China-Volkswirt bei der Deutschen Bank: „Der mittelfristige Ausblick in China bleibt eine solide, sanfte Landung.“

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