Energiemärkte
Hoffnung auf billigeres Öl schwindet

Für dieses Jahr erwarten Experten keine nachhaltige Entspannung an den Energiemärkten. Die anziehenden Rohöllagerbestände in den USA hatten zuletzt für kurze Beruhigung an den Märkten gesorgt.

HB LONDON/ DÜSSELDORF. Die Ruhe an den internationalen Energiemärkten war nur von kurzer Dauer. Meldungen über eine Zuspitzung der Lage im Ölförderland Nigeria haben den Rohölnotierungen zum Wochenschluss neuen Auftrieb gegeben. Ein Rebellenführer in der ölreichen südlichen Niger-Delta-Region hatte in einem BBC-Interview einen totalen Krieg gegen die internationalen Ölkonzerne angekündigt. Zusätzlich verunsicherte die Entwicklung im Atomstreit mit dem Iran die Märkte. Der Preis für das europäische Brentöl zog innerhalb kurzer Zeit wieder auf über 58 Dollar je Barrel (159 Liter) an. Analysten erwarten auch weiterhin keine nachhaltige Verbilligung des Öls.

„Der Markt ist noch sehr nervös“, sagt Barbara Lambrecht, Ölexpertin der Commerzbank. Für kurze Beruhigung der Märkte hatten zuletzt die anziehenden Rohöllagerbestände in den USA (siehe Kasten) gesorgt. Die Ölnotierungen waren auf den niedrigsten Stand seit rund sieben Wochen gefallen; Brentöl hatte zeitweise weniger als 57 Dollar gekostet. „Maßgeblich für diesen Rückgang waren die positiven Lagerdaten aus den USA“, sagt Lambrecht.

Anders als die meisten Experten sieht die Commerzbank mittelfristig allerdings eine Entspannung. Zum Jahresende werde Brentöl nur noch 50 Dollar kosten, sagt Lambrecht. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter 32 Analysten prognostizieren diese allerdings einen Durchschnittspreis von 57,37 Dollar für dieses Jahr. Auch die US-Investmentbank Morgan Stanley hat ihre Ölpreisschätzung gerade noch einmal angehoben. Die Prognose für die US-Richtmarke WTI lautet nun für 2006 auf durchschnittlich 57,50 (zuvor 50) Dollar je Barrel und auf 55 (50) Dollar im nächsten Jahr. Brentöl sieht die Bank bei 55 Dollar bzw. 53 Dollar. Zur Begründung verweisen die Experten von Morgan Stanley auf die weltweit höhere Nachfrage und die unverändert hohe Kapazitätsauslastung in der Ölproduktion. „Das nach wie vor überdurchschnittliche Wachstum der Weltwirtschaft, die geringen noch frei verfügbaren Kapazitäten der Opec, die zunehmenden geopolitischen Risiken und die anhaltenden Wetterrisiken bergen zumindest noch für die erste Jahreshälfte 2006 das Risiko weiterer Preissteigerungen“, meint auch Adam Sieminski, Energieexperte der Deutschen Bank.

Zweifel an nachhaltig fallenden Preisen schürt darüber hinaus auch immer wieder das Verhalten von Mitgliedern der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec). So hatte Venezuelas Energieminister Rafael Ramirez nach dem jüngsten Preisrückgang eine Drosselung der Förderung auf dem Opec-Treffen am 8. März gefordert. Die Opec steht für gut ein Drittel der Weltölproduktion, ihre Kapazitäten gelten als nahezu ausgereizt.

Von Bedeutung ist damit auch das Wachstumspotenzial der Förderung in den Nicht-Opec-Ländern. Und hier zweifeln Analysten die Prognosen des Ölkartells an. Ingrid Sternby von Barclays Capital bezeichnet eine Fördersteigerung der Nicht-Opec-Länder von 1,34 Mill. Barrel am Tag als unrealistisch; möglich seien zusätzlich nur 0,5 Mill. Barrel. Überschätzt werden laut Sternby sowohl das kanadische als auch das russische Wachstumspotenzial. Zudem wirkten weiterhin die Schäden durch den Wirbelsturm Katrina in den USA nach. „Wir gehen fest davon aus, dass vielmehr die Opec ihre Förderung 2006 gegenüber dem Vorjahr erneut steigern muss“, sagt Sternby.

Und selbst das von dem ehemaligen saudischen Ölminister Ahmed Yamani gegründete Zentrum für Energiestudien, CGES, in London sieht kaum die Notwendigkeit für die Opec, ihre Förderung schon in diesem Frühjahr zu drosseln. Laut CGES könnte aber ein solcher Schritt in der zweiten Jahreshälfte erforderlich werden.

Hoffnungsträger

Bestände

Die US- Energiebehörde hat Mitte der Woche einen überraschend starken Aufbau der US-Rohöllagerbestände um 4,9 Millionen auf 325,6 Millionen Barrel gemeldet. Experten hatten nur einen Anstieg um rund eine Mill. Barrel vorhergesagt.

Benzin

Auch die Benzinbestände in den Vereinigten Staaten haben sich mit einem Plus von 2,1 Millionen Barrel stärker aufgebaut als erwartet. Experten hatten mit einem Plus von lediglich 1,6 Millionen Barrel gerechnet.

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