Energiepreise: Macht und Ohnmacht des Ölkartells

Energiepreise
Macht und Ohnmacht des Ölkartells

Vor 50 Jahren wurde die Organisation Erdöl exportierender Länder gegründet. Macht und Ohnmacht der Opec sind eng mit der Preisentwicklung an den internationalen Rohölmärkten verbunden. Geblieben ist die Angst des Westens vor den Energieproduzenten aus Nahost.
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DÜSSELDORF. Am 25. November 1973 zeigt sich die ganze Macht des Ölkartells: Auf Deutschlands Autobahnen bewegt sich fast kein einziges Fahrzeug, Fußgänger und Radfahrer haben die Straßen erobert. Die Opec, die Organisation Erdöl exportierender Länder, hat den Hahn zugedreht. Das Ziel des Kartells: Druck auf die westlichen Länder ausüben, die im Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn die Israelis unterstützen. Um Energie zu sparen, verhängt die Bundesregierung ein Sonntagsfahrverbot.

Die Krise von 1973 steht noch heute für die Macht des Ölkartells und die Angst des Westens vor den Energieproduzenten. Vor fünfzig Jahren wurde die Opec in Bagdad gegründet. Zwischenzeitlich wurde das Kartell wegen seiner inneren Zerstrittenheit als „zahnloser Tiger“ verspottet – doch nun sind die Ölproduzenten in alter Stärke zurück. Experten erwarten, dass der Einfluss sogar noch weiter wachsen wird.

Die Macht, aber auch die Ohnmacht der Opec ist eng mit der Preisentwicklung an den internationalen Rohölmärkten verbunden. Das zeigte sich etwa im Jahr 2008 sehr deutlich. Anfang Juli war der Rohölpreis auf das Rekordhoch von über 147 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. Die Opec förderte nahe ihrer Kapazitätsgrenze, eine weitere Aufstockung des Angebots war kaum mehr möglich. Das Kartell wollte einen weiteren Preisanstieg verhindern, um nicht die Weltkonjunktur abzuwürgen. Getrieben wurden die Preise aber vor allem durch Spekulationen. Die Kartellmitglieder konnten dem nur verbal begegnen, die Märkte reagierten darauf kaum. Die Opec stieß an die Grenzen ihrer Macht.

Erst als die Ölpreise nach dem Ausbruch der Finanzkrise in wenigen Monaten um mehr als 100 auf gut 30 Dollar abstürzten, ließ das Kartell wieder seine Muskeln spiegeln. „Die Opec hat gut auf den Nachfrageeinbruch 2008/09 reagiert“, sagt Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Mit drastischen Drosselungen der Produktion habe das Kartell dafür gesorgt, dass sich die Ölpreise gefangen haben.

Das Kartell kann die Produktion drosseln und steigern in kürzester Zeit

Die Opec bewegt die Märkte vor allem dann, wenn sie ihre Produktionsreserven einsetzen kann. „Die Fähigkeit und der Wille die Förderung zu kürzen, oder die Produktion zu steigern, wenn es nötig ist, dies gibt der Opec ihre Preismacht“, sagt Michael Wittner, Chef des Ölresearchs des Société Générale Corporate & Investment Banking. Diesen Willen habe das Kartell speziell seit dem Preiseinbruch 1998 gezeigt. Die Produktion wurde gekürzt oder ausgeweitet, um ein Über- bzw. Unterangebot abzubauen und den Markt ins Gleichgewicht zu bringen. Wichtig seien dabei die zur Verfügung stehenden zusätzlichen Kapazitäten.

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