Energiewende
Anleger wetten auf Erdgas

Nach der Atomkatastrophe in Japan müssen Investoren umdenken. Die Lücke, die nach dem Abschalten von Kernkraftwerken entsteht, ist nicht leicht zu schließen. Erdgas und Kohle werden plötzlich wieder interessant.

Frankfurt.Der Super-GAU im japanischen Kernkraftwerk Fukushima zwingt Anleger bei ihren Energie-Investments zum Umdenken. Hatten in den vergangenen Monaten der Rohstoff Uran und die Aktien von Uranproduzenten eine rege Nachfrage verzeichnet, so ist das Pendel völlig in Richtung erneuerbarer Energieträger wie Sonne, Wind, Erdwärme und Wasserkraft umgeschlagen. Die Erfolge der Grünen bei den jüngsten Landtagswahlen in Deutschland haben diesen Trend hin zu alternativen Energien zusätzlich verstärkt.

Doch die Anleger wissen sehr genau, dass der angestrebte Wandel in der Energiepolitik sehr viel Zeit benötigt. Sie setzen daher nicht nur auf vom politischen Willen abhängige Öko-Investments, sondern auch auf Aktien und Investmentprodukte von Unternehmen, die in der Produktion und Verarbeitung der fossilen Energieträger Erdgas und Kohle tätig sind. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass der Energieträger Kohle jedoch kaum zu einer ökologischen Energieausrichtung passt, die von politischer Seite als Folge des Japan-Desasters angestrebt wird.

Denn ein stärkerer Einsatz von Kohle in Kraftwerken ist wohl nur auf Kosten eines höheren CO2-Ausstoßes möglich. Daher verwundert es nicht, dass der Preis für CO2-Emissionsrechte an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig zuletzt innerhalb kurzer Zeit von 14 auf über 17 Euro je Tonne in die Höhe geschossen ist.

So gelten vor allem Geldanlagen in den Energieträger Erdgas als attraktiv. Diese seien unter anderem deshalb interessant, weil Erdgas künftig einen größeren Anteil an der Energieversorgung Japans einnehmen dürfte, sagt Lesley Kaye, Investmentdirektorin und Fondsmanagerin der Kapitalanlagegesellschaft GAM. Auch in anderen Ländern dürfte der fossile Energieträger Erdgas künftig eine größere Rolle im Energiemix spielen, meint Hans-Jürgen Klisch vom US-Finanzhaus Raymond James & Associates.
Gerade in Nordamerika sei die Nachfrage nach Erdgas hoch, sagt Klisch. Denn dort sei die Verfügbarkeit dieses Rohstoffs höher als die von Öl. Zudem sei Erdgas vergleichsweise preiswert.

Die Analyse des Gasmarkts wird allerdings dadurch erschwert, dass auch wegen der Probleme beim Transport des Rohstoffs bis heute noch immer kein wirklich globaler Gasmarkt existiert. Vielmehr herrschen an den unterschiedlichen regionalen Gasmärkten zahlreiche Besonderheiten. Auf dem Weg zum globalen Erdgasmarkt spielt die Verflüssigung von Erdgas (Liquified Natural Gas, LNG) eine bedeutende Rolle. Heute entfallen bereits rund 30 Prozent des Transports von Erdgas auf LNG. Die Bedeutung, darin sind sich Fachleute einig, wird zunehmen. Die weltweite LNG-Nachfrage soll in diesem Jahr um 5,1 Prozent auf 31,1 Milliarden Kubikfuß (881 Millionen Kubikmeter) steigen. Auch für die nächsten Jahre ist eine höhere Nachfrage zu erwarten.

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