Erdgas
Wettrennen um Gasvorkommen in den USA

Die USA sind im Erdgas-Rausch. Die Zahl der Unternehmen, die um die riesigen Vorkommen wetteifern, ist so groß, dass bereits der Platz zum Lagern knapp wird. Eine neue Technik heizt den Wettlauf weiter an.
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HoustonEin gigantischer Erdgas-Boom hat die USA erfasst – allerdings nicht die Öl- und Gasunternehmen. Die werden Opfer ihres eigenen Erfolgs. Seit gut zehn Jahren brechen sie mit hydraulischem Druck den Schieferstein in den USA auf. Das sogenannte Fracking wurde zuerst vor allem für die Förderung von Erdgas eingesetzt.

Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA besitzen die USA 7,73 Billionen Kubikmeter Erdgas, weltweit das fünfgrößte Vorkommen. Nach den höher ausfallenden Schätzungen der Lobbygruppe „Potential Gas Committee“ reicht das Gas, um das Land für 100 Jahre zu versorgen. Fast täglich erschließen US-Unternehmen neue Gasquellen. Dass man sich selbst die Preise kaputt macht, ist allen in der Industrie klar. Aber es ist wie beim Goldrausch in Kalifornien im 19. Jahrhundert: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Daher durchkämmen die Unternehmen die USA und sichern sich so viel Bohrrechte, wie sie können. Der Clou: Spätestens nach fünf Jahren muss man bohren, sonst verliert man das Recht.

Zwar suchen US-Unternehmen jetzt verstärkt nach Schiefersteinöl. Aber auch bei der Förderung von Öl gewinnt man als Nebeneffekt Erdgas. Die Konsequenz: Mit 2,08 Dollar je eine Million BTU – was für die Einheit British Thermal Units steht – liegt der Preis so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Allein in diesem Jahr fiel der Preis um 30 Prozent, nicht zuletzt wegen des milden Winters. Amerika produziert so viel Erdgas, dass dem Land der Lagerplatz ausgeht. Nach Schätzung von Experten könnte es je nach Temperaturen im Oktober so weit sein.

Abhilfe steht erst mittelfristig in Aussicht. Neue Kraftwerke werden fast ausschließlich mit Erdgas und nicht mit Kohle als Brennstoff gebaut, vor allem, nachdem die US-Energiebehörde kürzlich strenge CO2-Emissionsrichtlinien ausgegeben hat. Allerdings ist das ein langsamer Prozess, von der Planung bis zur Umsetzung eines Kraftwerkes vergehen Jahre. Auch verbreiten sich erdgasbetriebene Autos, kürzlich kündigten Chrysler und GM an, Pick-ups mit Erdgastanks zu bauen. Kleinere Autos aber haben für Spezialtanks zu wenig Platz, auch fehlt es an Tankstellen. Das gleiche Problem haben Amerikaner, die mit Erdgas heizen wollen: Weil Erdgasleitungen nicht verlegt sind, muss ein neuer Tank gebaut werden.

Eine weitere Lösung: das Erdgas exportieren. Das ist allerdings technisch aufwendig, man muss das Gas verflüssigen und per Tanker verschiffen. Dafür werden derzeit Verschiffungsterminals gebaut. Die Nachfrage ist da. Nach Japans Ausstieg aus der Atomkraft schnellen die Erdgasimporte in die Höhe, dort kostet das Erdgas siebenmal so viel wie in den USA. Auch in Europa zahlt man je nach Land das Drei- bis Vierfache.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

Kommentare zu " Erdgas: Wettrennen um Gasvorkommen in den USA"

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  • Die Gesundheit geht bei uns vor. Aber nur solange es uns wirtschaftlich gut geht. Wenn der wirtschaftliche Abwärtstrend anhält, werden wir einmal froh sein wenn wir uns überhaupt irgendeine Energiequelle zum Heizen im Winter leisten können.

    Die Mehrheit der Deutschen ist verwöhnt und kann sich gar nicht mehr vorstellen, welche "gesundheitlichen" und sonstigen "Risiken" unsere Vorfahren auf sich genommen haben, um den Wohlstand aufzubauen. So geht er denn auch verloren. Hochmut kommt vor dem Fall.

  • Es sollte noch die wirklich gute Reportage:

    Gasland

    http://www.youtube.com/watch?v=QxS5uv5t12M&feature=related

    erwähnt werden.

    Lieber zahle ich in Deutschland viermal so viel für Gas als das ich Krebserregende Stoffe im Trinkwasser haben möchte.

    Die Spätfolgen sind unabsehbar. Da sind uns die Franzosen einmal voraus. Sonst ja nicht.

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