Erdöl
Opec überprüft Förderung

Der Rohölpreis hat die Marke von 50 Dollar zurückerobert. Ausgelöst wurde der Preisanstieg durch die kräftige Zinssenkung in China zur Wochenmitte; damit verbunden sind Hoffnungen auf eine schnelle Belebung der Wirtschaft des Landes. Auch das informelle Ministertreffen der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) an diesem Wochenende wirkte sich preisstützend aus.

DÜSSELDORF. Der Rohölpreis hat die Marke von 50 Dollar zurückerobert. Ausgelöst wurde der Preisanstieg durch die kräftige Zinssenkung in China zur Wochenmitte; damit verbunden sind Hoffnungen auf eine schnelle Belebung der Wirtschaft des Landes.

"Jede positive Nachricht aus China kann gut für die Ölnachfrage sein", erklärte Analyst Michael Davies von Sucden der Nachrichtenagentur Reuters den Preissprung. Die starke Ölnachfrage Chinas hat in den vergangenen fünf Jahren die Preise angesichts schrumpfender Kapazitäten auf der Angebotsseite immer weiter nach oben getrieben. Anfang Juli gipfelte dieser Anstieg in Rekordpreisen von mehr als 140 Dollar je Barrel (159 Liter). Mit der Zuspitzung der Finanzkrise und der weltweiten wirtschaftlichen Abschwächung brachen die Rohölnotierungen dann ein. Zeitweise kosteten sowohl das europäische Brentöl als auch die US-Richtmarke WTI weniger als 50 Dollar.

Dieser Preisrutsch hatte die Opec bereits Ende Oktober auf den Plan gerufen. Das Produzentenkartell, das für gut 40 Prozent des globalen Ölangebots steht, kürzte die Förderung um 1,5 Mio. Barrel am Tag. An den Märkten wird nun darüber spekuliert, ob die Opec auf ihrem Treffen in Kairo eine weitere Kürzung der Produktion beschließen wird. Für eine weitere Angebotsverknappung hat sich bereits das Opec-Mitglied Venezuela ausgesprochen. Venezuela will eine Kürzung der Förderung um eine Million Barrel unterstützen, sagte Rafael Ramirez, Energie- und Ölminister des Landes. Die Opec werde zudem die Umsetzung der bereits beschlossenen Kürzung von 1,5 Mio. Barrel überprüfen.

Der weltweit zweitgrößte Ölproduzent Russland, das Land gehört nicht der Opec an, will mit dem Kartell zusammenarbeiten. Dies kündigte Präsident Dmitrij Medwedjew an. Stabile Ölpreise sind "wichtig für uns und unsere Wirtschaft", sagte er. Geplant ist laut Vize-Premierminister Igor Setschin ein "Memorandum of understanding" mit der Opec. Dies betreffe den Austausch von Daten und Preisprognosen.

"Russland hat es immer vermieden, eine formale Vereinbarung mit der Opec zu knüpfen, weil dies die Partner in der G8 aufbringen würde", sagte Christopher Waefer, Chefstratege der Bank Uralsib. Viel tun müssen die Russen aber ohnehin nicht, um den Opec-Forderungen an die anderen Ölförderländer nach gemeinsamen Schritten nachzukommen, denn die russische Öl-Förderung sinkt konstant.

Sorgen weckt bei der Opec auch der deutliche Anstieg der US-Ölbestände. Zudem lag die US-Ölnachfrage im September so niedrig wie zuletzt vor zwölf Jahren. "Der deutliche Anstieg der Rohöllagerbestände und die Nachfrageschwäche dürften den Druck auf die Opec erhöhen, die Fördermenge weiter zu kürzen", glaubt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Nachfrageschwäche in den USA stehe einer nachhaltigen Preiserholung entgegen und "erzwingt entsprechende Gegenmaßnahmen der Opec".

Einige Zweifel an der Macht der Opec hegt indes die US-Investmentbank Merrill Lynch. Sie hat ihre Preisprognose für 2008 von 90 auf 50 Dollar je Barrel gesenkt. "In einem Umfeld mit einer rapide fallenden Nachfrage sehen wir wenig, was die Produzenten tun können, um die Stimmung am Markt zu drehen oder die fundamentalen Marktdaten zu stärken", begründet Merrill-Analyst Alastair Syme seinen Pessimismus. Für 2010 rechnet Merrill mit einem Preis von durchschnittlich 70 (zuvor 100) Dollar.

Mitarbeit Thomas Wiede, Moskau

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