Erdölobergrenze: Opec kämpft um gemeinsame Position

Erdölobergrenze
Opec kämpft um gemeinsame Position

Das Ringen um Förderquoten beim Erdöl geht in die nächste Runde. Obwohl grundsätzlich Einigkeit herrscht, die Fördermenge zu begrenzen, gibt es Streit bei den Quoten. Bei einem Treffen sollen die Pläne konkret werden.
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Frankfurt/WienDie Organisation erdölexportierender Länder (Opec) steht nach monatelangen Verhandlungen über eine Kürzung der Fördermenge erneut vor einer Zerreißprobe. Beim Treffen von Mitgliedern des Ölkartells am Mittwoch (30. November) in Wien dreht sich alles um eine Frage: Wie kann die zuletzt im September grundsätzlich beschlossene Förderbegrenzung tatsächlich umgesetzt werden?

Immer wieder hatten unterschiedliche Positionen einzelner Mitgliedstaaten eine Eindämmung der Ölmenge behindert. Zuletzt gab es allerdings Signale, die doch noch eine Übereinkunft erwarten lassen.

Erschwert wurden die Verhandlungen in den vergangenen Monaten dadurch, dass die Opec wichtige Förderländer außerhalb des Kartells in die Kürzung einbinden will – vor allem Russland. Nur wenn die Förderstaaten an einem Strang ziehen, könnte eine beschlossene Begrenzung der Menge auch zum gewünschten Anstieg der Preise führen.

Am Ölmarkt verstärkten sich zuletzt Spekulationen auf eine Einigung beim Opec-Treffen, und die Preise für US-Öl und Rohöl aus der Nordsee konnten sich wieder der Marke von 50 Dollar je Barrel (159 Liter) nähern. Zuvor waren sie wegen eines zu hohen Angebots auf dem Weltmarkt zeitweise bis unter 30 Dollar gefallen.

Im September hatte die Opec für viele Experten überraschend einen wichtigen Schritt hin zu einer Förderkürzung gemacht. Sie beschloss grundsätzlich eine Beschränkung des täglichen Produktionsvolumens auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel, nach zuletzt geschätzten 33,6 Millionen Barrel pro Tag im Oktober.

Seit der grundsätzlichen Einigung, die vor allem von Saudi-Arabien vorangetrieben wurde, ringen die Ölstaaten um die praktische Umsetzung. Tatsache ist aber auch, dass Opec-Länder seit dem September ihre Fördermenge weiter erhöht haben. Ohnehin steigt die Produktion seit längerem von einem Rekord zum nächsten.

Eine der größten Hürden für eine Förderkürzung sehen Experten in der Haltung des Opec-Landes Iran. Nach der Aufhebung von Sanktionen nach dem historischen Atomabkommen hat der Ölstaat am Persischen Golf ein starkes Bestreben, die Menge eher auszuweiten. Der Irak zählt ebenfalls grundsätzlich zu den Gegnern einer Kürzung, unlängst hat das Land ein Einlenken signalisiert.

Nach Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank ist in die Diskussion zuletzt Bewegung gekommen. Bei einem Treffen in Doha (Katar) soll dem Iran angeboten worden sein, seine Produktion bei 3,92 Millionen Barrel pro Tag konstant zu halten. Dies wäre etwa die Fördermenge, die der Iran zuletzt mehrfach gefordert hatte.

Vom russischen Ölminister Alexander Nowak gab es mit Blick auf eine mögliche Einigung eher zurückhaltende Signale. Wenige Tage vor der entscheidenden Sitzung sagte er, dass bereits eine Deckelung der Fördermenge für Russland eine „schwierige Situation“ bedeuten würde. Dies hätte zur Folge, dass Russland im kommenden Jahr 200.000 bis 300.000 Barrel Rohöl weniger als geplant an die Oberfläche fördern würde.

Unmittelbar vor dem Treffen der Opec-Minister soll am Montag (28. November) ein weiterer Einigungsversuch unternommen werden. Geplant sind Gespräche auf Arbeitsebene in Wien. Außerdem soll es noch am Tag des entscheidenden Treffens am 30. November nach Informationen der Agentur Bloomberg ein Frühstück der Opec-Ölminister mit Vertretern anderer Förderländer wie Russland geben. Auch dieses Treffen soll dazu dienen, letzte Hürden vor einer Verständigung zu beseitigen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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