Erst ab 2006 ist wieder ein Produktionsüberschuss zu erwarten
Hohe Nachfrage der Autoindustrie macht Aluminium knapp und teuer

Bis mindestens Ende 2005 ist Aluminium noch knapp. Solange werde die Nachfrage zum Teil aus Beständen gedeckt werden müssen, schätzen Analysten. Daher seien hohe Preise bis Ende kommenden Jahres abzusehen.

HB LONDON. Besonders die Nachfrage der Automobilindustrie stützt die Notierung des Leichtmetalls. Die Autobauer verzichten zunehmend auf schwere Metalle und Werkstoffe und setzen stattdessen Aluminium ein. In den USA erhöhte sich dem Internationalen Aluminium-Institut in London zufolge der Einsatz pro Fahrzeug seit 1999 von etwa 64 auf 113 Kilogramm. Die Autobauer sind ein Großabnehmer des Leichtmetalls. Fast 30 % des weltweiten Aluminiumangebots gehen in den Automobilbau.

Der jüngste Preisanstieg auf 1 831 Dollar je Tonne (Dreimonatskontrakt an der London Metal Exchange) muss deswegen laut Michael Lewis von der Deutschen Bank in London „noch nicht alles“ sein. Er erinnert an den Rekordpreis von 1989, als die Tonne Aluminium 3 260 Dollar kostete.

Damals wuchsen die Vorräte allerdings derart rapide, dass der Preis fünf Jahre später auf etwa ein Drittel zusammengeschmolzen war. Zurzeit schrumpfen dagegen die Aluminiumbestände: Seit ihrem Rekordstand vom Januar haben sich die Vorräte an den drei wichtigen Metallbörsen in London, Shanghai und New York um etwa die Hälfte auf gut 860 000 Tonnen verringert. Dabei ist dem Aluminiuminstitut zufolge Aluminium eines der „am reichlichsten vorhandenen Metalle“. Jährlich werden etwa 29 Mill. Tonnen mittels Elektrolyse aus Tonerde produziert, die wiederum aus Bauxit gewonnen wird.

Selbst der 30-prozentige Anstieg des Aluminiumpreises innerhalb eines Jahres bleibe hinter den Steigerungsraten der übrigen Metallen zurück, die oft doppelt so stark zugelegt hätten, sagt der Deutsche- Bank-Experte Lewis. Allein seit Ende September ist das Leichtmetall um 16 % teurer geworden – zeitgleich mit ebenfalls beträchtlichen Preissteigerungen bei den übrigen Metallen. Adam Rowley von Maquarie Research in London nennt dafür eine Reihe von Gründen: Die Nachfrage aus China, anhaltende Kapazitätsengpässe, Streiks, ein schwächerer Dollar und der Wiedereinstieg der Spekulanten. Diese hatten um die Jahresmitte Kasse gemacht, weil sie die Folgen eines verlangsamten Weltwirtschaftswachstums fürchteten und eine geringeren Metallbedarf Chinas registrierten.

„Was China angeht, hat der Markt eindeutig überreagiert,“ urteilt Analyst Rowley heute. Trotz der Abkühlungsmaßnahmen Pekings werde die dortige Wirtschaft wohl eher eine „weiche Landung“ vollziehen, also nicht in die Rezession stürzen. Und das bedeute eine anhaltend kräftige Nachfrage nach Metallen. China leide zunehmend unter Produktionsausfällen, entweder durch Stromausfälle oder durch die Bemühungen der Behörden, Energie zu sparen, sagt Ingrid Sternby von Barclays Capital. Das beeinträchtige auch die Aluminiumexporte des Landes, dessen Verhüttungsleistung mit etwa 20 % der weltweiten Kapazitäten noch geringfügig über denen der USA liegt.

„Die Fundamentallage für Aluminium ist eindeutig solide,“ sagt Sternby. Für 2004 erwartet die Expertin einen Nachfrageanstieg von acht Prozent bei einem Produktionzuwachs von lediglich 4,4 % und errechnet ein Produktionsdefizit von 335 000 Tonnen. Und selbst 2005, wenn der Bedarf um nur noch 4,7 % und die Produktion um gut 5 % steigen sollte, bleiben noch über 200 000 Tonnen, die aus Vorräten gedeckt werden müssten – bei steigenden Preisen, errechnet Sternby. Erst ab 2006 sei wieder ein Produktionsüberschuss zu erwarten.

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