Erst Rekord, dann Korrektur
Warum der Goldpreis absackt

Erst legt der Goldpreis einen Rekord nach dem anderen hin, jetzt geht es in die andere Richtung. Welche Gründe der Absturz hat und warum er für langfristig orientierte Anleger kein Drama ist.
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DüsseldorfJe höher man steigt, desto tiefer fällt man. Ein altes Sprichwort, das auch für die jüngste Rally beim Goldpreis gilt. Anfang der Woche erreichte der Preis für eine Feinunze mit 1911 Dollar den höchsten Stand aller Zeiten. Seitdem geht es rasant abwärts, in zwei Tagen um mehr als 200 Dollar. Am Donnerstagmittag kostet das Edelmetall 1703 Dollar, ehe sich der Preis im Zuge neuer Kursverluste an den Aktienmärkten auf 1.740 Dollar erholte.

Für den plötzlichen Absturz des Goldpreises gibt es mehrere Gründe. Erstens: Die CME Group hat die Sicherheitsleistung (Margin), die Investoren für den Handel mit Gold-Kontrakten hinterlegen müssen, mit einem Schlag um 27 Prozent erhöht. Die CME ist eine der weltgrößten Optionsbörsen. Bereits zum zweiten Mal in diesem Monat hat sie die Sicherheitsleistung angehoben. Zuvor hatten die Rohstoffbörsen in Shanghai und Hongkong dies auch getan. Mit der Erhöhung der Margen wollen die Börsen Schwankungen am Goldmarkt abschwächen. Für Investoren wird die Spekulation auf den Goldpreis damit teurer und weniger attraktiv.

Zweitens: Den einen oder anderen Anleger juckt es in den Fingern, Kasse zu machen. „Investoren haben angesichts der Rekordjagd des Goldpreises Gewinne mitgenommen und einen Teil der Rekordzuflüsse der beiden vergangenen Wochen wieder abgezogen“, sagte Nigel Longley, der das deutsche Geschäft von ETF Securities leitet.

Was das konkret heißt, zeigt sich am Beispiel des SPDR Gold Shares: Der Gold-ETF, der im Zuge der Rally zum weltgrößten Indexfonds angewachsen war, verzeichnete in dieser Woche massive Abflüsse. Um seine Anleger auszuzahlen, musste der Fonds Gold abstoßen. Allein gestern verkaufte er mehr als zwei Prozent seines gesamten Bestandes. Das war der stärkste Rückgang seit sieben Monaten.

Drittens: Gold ist eine Krisenwährung. Je dunkler die Aussichten für die Weltwirtschaft, desto heller strahlt Gold. Die Aussichten müssen schon sehr düster sein, wenn Gold fast 2000 Dollar kostet. Dieses Niveau spiegelt die Angst der Anleger vor einer handfesten Rezession wider.

Bedeutet der Rückgang des Goldpreises um 200 Dollar, dass sich die Lage der Weltwirtschaft nun schlagartig gebessert hat? Nicht ganz. Die Welt hat sich in den vergangenen drei Tagen nicht geändert, die Schuldenkrise diesseits und jenseits des Atlantiks ist nach wie vor bedrückende Realität. Umso größer ist inzwischen die Hoffnung, dass die US-Notenbank wieder mal eingreifen wird. Die wichtigsten Notenbanker beraten derzeit in Jackson Hole.

Der Fed-Chef, Ben Bernanke, könnte schon am Freitag neue Aktionen zur Stützung der Konjunktur ankündigen. Das hoffen jedenfalls viele Anleger. Sie denken, dass Aktien davon profitieren werden, Gold nicht. „Investoren bauen Positionen beim Gold ab in Erwartung, dass Bernanke etwas unternehmen wird, das den Aktienpreisen Auftrieb verleiht“, sagt Adam Klopfenstein, Stratege bei MF Global Holdings.

Wer wirklich von Gold überzeugt ist, für den ist der Rückgang des Goldpreises kein Drama. „Kurzfristig rechnen wir mit einer Konsolidierung beim Goldpreis, da zu viel von dieser Anlageform gesprochen wird. Mittel- und längerfristig sehen wir den Goldpreis aber noch deutlich höher“, sagt der deutsche Vermögensverwalter Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstand von DJE Kapital. Man kann es auch so sehen: Je tiefer der Goldpreis jetzt fällt, desto günstiger ist der Einstiegskurs.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

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  • sehr schöner artikel hat mir viele informationen gebracht, dieser artikel ist auch schön zu diesem thema
    http://www.aktuellergoldpreis.org/

  • Auch ohne Goldverkauf müssen Staatsschulden nicht sein. Das Land Bayern z.B. und auch Kommunen wie München könnten völlig schuldenfrei sein und darüberhinaus erhebliche Reserven haben auch ohne Goldverkauf. Da logieren Beamte in feinsten Stadtpalais und Immobilien werden in völlig unnötigem Umfang in Staatsbesitz gehalten. Dafür zahlen alle Steuerzahler jeden Tag Zins und und Zinseszins. Auch andere Bundesländer und Staaten in Europa könnten massiv privatisieren. Dies würde niemandem weh tun. Schuldenfreiheit wäre möglich. Schade das hier nicht gehandelt wird.

  • Auch ohne Goldverkauf müssen Staatsschulden nicht sein. Das Land Bayern z.B. und auch Kommunen wie München könnten völlig schuldenfrei sein und darüberhinaus erhebliche Reserven haben auch ohne Goldverkauf. Da logieren Beamte in feinsten Stadtpalais und Immobilien werden in völlig unnötigem Umfang in Staatsbesitz gehalten. Dafür zahlen alle Steuerzahler jeden Tag Zins und und Zinseszins. Auch andere Bundesländer und Staaten in Europa könnten massiv privatisieren. Dies würde niemandem weh tun. Schuldenfreiheit wäre möglich. Schade das hier nicht gehandelt wird.

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