Eumix
Die Milch kommt an die Börse

Der Druck auf Europas Landwirtschaft nimmt zu. Moderne Agrar-Terminbörsen wie EuronextLiffe sollen den Bauern daher helfen, sich dem globalen Wettbewerb zu stellen. Nun baut ein niederländischer Investor eine paneuropäische Handelsplattform für Milchbauern auf: die European Milk Exchange (Eumix).

FRANKFURT. Europas Landwirte müssen sich dem härter werdenden globalen Wettbewerb stellen. Moderne Agrar-Terminbörsen wie EuronextLiffe und die geplante Milchbörse Eumix sollen dabei helfen. Hier können Landwirte, Verarbeiter und Agrarhändler bereits heute die durch die Globalisierung und Liberalisierung der Märkte steigenden Preisrisiken von Agrarprodukten steuern.

Die geplante paneuropäische European Milk Exchange (Eumix) bietet künftig auch Milchbauern und anderen Akteuren der Milchwirtschaft ein entsprechendes Instrument. "Über kurz oder lang wird der Milchmarkt zu einem globalen Markt", begründet der niederländische Börsengründer Albert de Haan seine Initiative. Die Weltmarktpreise für Milch hätten sich bereits angeglichen, sagt de Haan, der auch Direktor der weltgrößten Klimabörse ECX ist.

Was US-Farmer an der Chicago Mercantile Exchange (CME) bereits seit längerem tun - nämlich Risikosteuerung über Futureskontrakte auf Milch und Milchprodukte - soll nach dem Willen de Haans im dritten Quartal 2008 auch in Europa möglich sein. "Wir finden mit unseren Börsenplänen breite Unterstützung bei Banken, Politikern, anderen Börsen und in Teilen der Agrarwirtschaft", sagt er im Handelsblatt-Gespräch. Lediglich große Unternehmen der Milchwirtschaft, die enormen Einfluss auf den Markt haben und ihre Preisgestaltungsspielräume gefährdet sehen, seien zurückhaltend. Hermann Cordes von der Nordmilch AG in Bremen bezeichnet es als "grundsätzlich richtig, über Absicherungsmechanismus am Milchmarkt nachzudenken". Nordmilch-Vorstandschef Josef Schwaiger bekräftigt: "Nur durch flexibles Handeln werden wir die künftigen Schwankungen der Milchmärkte ausgleichen können." Zu den Plänen von de Haan will sich das Unternehmen nicht konkret äußern, da man mehr Informationen benötige.

"Grundsätzlich sind Terminbörsen geeignete Instrumente, um Informationen über künftige Knappheiten von Gütern zu erhalten", zeigt sich Carl-Albrecht Bartmer, Präsident der Deutschen Landwirtschafts Gesellschaft (DLG) offen für diese Idee. Bartmer weist jedoch auf die langen Regelzyklen des Agrarwesens hin. Wenn der Markt durch steigende Preise bereits heute eine in Zukunft steigende Nachfrage signalisiere, müssten Kühe gezüchtet werden, die dann trächtig werden und nach neun Monaten Kälber gebären. "Erst dann lässt sich mehr Milch produzieren", so Bartmer gegenüber dem Handelsblatt. Umgekehrt könne eine "voll in der Milch stehende Kuh" bei sinkender Nachfrage nicht einfach aus dem Produktions-Kreislauf genommen werden. "Überlegungen zur Schaffung einer europäischen Milchbörse sind daher durchaus konsequent", sagt der DLG-Präsident.

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