Devisen + Rohstoffe
Euro auf Rekordjagd - Marke von 1,30 Dollar im Visier

Für den Euro könnte das Jahr so enden, wie es begonnen hat: Mit einer Jagd nach neuen Rekordständen. Für Experten ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann der Euro erstmals die Marke von 1,30 Dollar knackt.

dpa-afx FRANKFURT. Für den Euro könnte das Jahr so enden, wie es begonnen hat: Mit einer Jagd nach neuen Rekordständen. Für Experten ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann der Euro erstmals die Marke von 1,30 Dollar knackt. Die WestLB erwartet spätestens im Frühjahr einen Kurs von mehr als 1,30 Dollar, die Deutsche Bank sieht den Euro bis dahin sogar bei 1,32 Dollar. "Bis Ende 2005 ist ein Niveau um 1,35 Dollar möglich", sagt der in London ansässige Devisenexperte Klaus Baader von Lehman Brothers.

Für die vom Export abhängige deutsche Wirtschaft sind das keine guten Perspektiven. Ein hoher Eurokurs verteuert die Ausfuhren und schmälert die Wettbewerbschancen im Ausland. "Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen haben keine Möglichkeit, sich mit Wechselkursabsicherungen oder einer Standortverlagerung ins Ausland gegen einen teuren Euro zu schützen", beklagt Konjunkturexperte Reinhard Kundiß vom Bundesverband der deutschen Industrie (BDI).

Ölpreis-Anstieg Wird Gedämpft

Allerdings hat ein starker Euro auch Vorteile. Unternehmen können Vorleistungsgüter aus dem Ausland billiger einkaufen. Vor allem aber werden die Folgen des kräftigen Ölpreisanstiegs gemildert, da Öl traditionell in Dollar abgerechnet. "Eine Abwertung des Dollar kann so der Binnenkonjunktur helfen", sagt Volkswirt Jens-Uwe Wächter von der Dekabank. Unter dem Strich wiegen nach Einschätzung der meisten Ökonomen aber die negativen Folgen einer deutlichen Euro-Aufwertung schwerer.

Auslöser der neuen Euro-Rally waren eine Reihe negativer US-Konjunkturdaten: Während das Außenhandelsdefizit nahe seines Rekordhochs verharrte, ging gleichzeitig der Zufluss ausländischen Kapitals auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2003 zurück. Die USA benötigen jedoch einen hohen Zufluss von ausländischen Investitionen, da sie weitaus mehr konsumieren als produzieren und diese Lücke mit fremden Geld schließen müssen.

Ausbruch Gelungen

Gleichzeitig schaffte der Euro den Ausbruch aus einer seit März anhaltenden Seitwärtsbewegung. "Anleger, die bisher eher auf einen schwächeren Euro gesetzt hatten, mussten nun nachkaufen, um ihre Verluste zu begrenzen", sagte Dekabank-Experte Wächter. Dazu gehörten Fonds und Exporteure, die ihre Dollar-Engagements gegen Kursverluste absichern mussten. Der Euro kletterte dadurch bis auf 1,2 652 Dollar und damit in Sichtweite des Allzeithochs von 1,2 930 vom 18. Februar.

Wie sich das Wechselkursverhältnis zwischen den beiden dominierenden Weltwährungen entwickelt, könnte auch vom Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen abhängen. Studien zufolge legte der Dollar in den vergangenen drei Jahrzehnten immer dann spürbar zu, wenn Präsidenten oder Parteien wiedergewählt wurde.

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