Euro auf Talfahrt
Flucht in den Dollar sorgt Europäer

Der Euro ist so günstig wie seit zwei Jahren nicht mehr, weil sich Investoren um die Konjunktur in der Euro-Zone sorgen. Auch die Exporteure beobachten die Entwicklung mit Sorge: Den Wettbewerbsvorteilen, die der günstigere Kurs im Vergleich zum Dollar mit sich bringt, stehen wachsende Probleme in Schwellenländern entgegen.

noh/zel/rtr FRANKFURT/WIEN. Die Finanzkrise wirbelt auch den Währungsmarkt immer stärker durcheinander. Der Euro stürzt immer tiefer und rutschte am Donnerstagmorgen erneut in den Bereich seines Jahrestiefs bei 1,2743 Dollar. Damit notiert die Gemeinschaftswährung mehr als 30 US-Cent unter dem erst Mitte Juli erreichten Rekordhoch von 1,60 Dollar.

Deutschen Exporteuren bringt der Verfall des Euro-Kurses Wettbewerbsvorteile. Er macht deutsche Waren im Vergleich zu Waren aus dem Dollarraum preislich konkurrenzfähiger. Die Freude der Exporteure über den kräftigen Fall des Euro-Kurses gegenüber dem Dollar wird allerdings getrübt durch Währungsturbulenzen im Verhältnis zu Osteuropa, Asien und Lateinamerika.

Die Angst vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise setzt seit Tagen die Währungen in Mittel- und Osteuropa unter Druck. Regelrecht eingebrochen sind wichtige Währungen wie der polnische Zloty, der ungarische Forint und die tschechische Krone, die selbst gegenüber dem schwachen Euro in den letzten vier Wochen nochmal über zehn Prozent an Wert verloren.

Die ungarische Notenbank sah sich deshalb am Mittwoch gezwungen, ihren Leitzins um drei Prozentpunkte auf 11,5 Prozent anzuheben, um die Kapitalflucht zu stoppen. Unterstützung bekommt Ungarn von der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). In der vergangenen Woche hatte die EZB Ungarn fünf Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Der IWF hatte sich grundsätzlich dazu bereit erklärt, Ungarn in der aktuellen Krise zu stützen.

Hohe Zinsen sind auf Dauer allerdings Gift für die Konjunktur. Sollten andere Länder zu ähnlichen Maßnahmen wie Ungarn greifen müssen, könnte dies die Absatzchancen europäischer Unternehmen ernsthaft belasten.Weltweit sind Schwellenländer mit Außenhandelsdefiziten und Rohstoffexporteure massiv von der Kapitalflucht in den Dollar betroffen. Die argentinische Regierung griff auf die Einlagen bei Pensionsfonds zurück und sorgte damit für große Nervosität. Das letzte Mal, als sie dies 2001 tat, erklärte sie sich wenig später für zahlungsunfähig.

Die Sorgen um die Lage in den Schwellenländern verstärken die ohnehin wachsenden Konjunktursorgen in der Euro-Zone noch einmal und treiben den Euro immer tiefer. Die Wahrnehmung, dass die Euro-Zone erst am Beginn eines kräftigen Abschwungs steht, "haben den Euro butterweich geklopft", sagt Unicredit-Analyst Armin Mekelburg. "Die ganze Misere nahm in den USA ihren Anfang. Und letztlich profitiert wenige Monate später die Landeswährung auf breiter Front, weil man davon ausgeht, dass die USA das Rezessionstal als erste wieder verlassen."

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