Euro, Franken, Yen
Eingriffe der Zentralbanken ohne Erfolg

Japan und die Schweiz werfen ihr ganzes Gewicht dagegen, dass ihre Währungen zu stark werden und die Exportchancen verbauen. Mit wenig Erfolg: Die Devisenmärkte stehen am Abend fast so da, als wäre nichts gewesen.
  • 0

FrankfurtAm Nachmittag kam noch einmal kräftig Bewegung in die Devisenmärkte: Der Franken setzte ab 15 Uhr plötzlich seinen Höhenflug fort. Vorher hatte er sich dank des Eingreifens der Schweizer Nationalbank (SNB) stabilisiert. Am Vortag hatte die SNB mit eine Zinssenkung den Run der Anleger auf den Franken gebremst. Der Euro kletterte zur Schweizer Währung auf ein Tageshoch von 1,1140 Franken. Erst am Mittwoch war er auf ein Rekordtief von weniger als 1,08 Franken gefallen. Bei diesem Stand ist er heute allerdings schon fast wieder angekommen - um 17 Uhr steht der Euro wieder 1,0887 Franken.

Die offenbar massiven Interventionen der Bank of Japan am Devisenmarkt zeigen derweil Wirkung: Nach mehrmaligen Yen-Verkaufswellen zog der Dollar über 80 Yen an. Noch zum Wochenbeginn hatte er mit 76,29 Yen ein Vier-Monats-Tief erreicht.

„Insbesondere nachdem die SNB aktiv geworden war, erhöhte sich der Druck auf Japans Behörden, ebenfalls aktiv zu werden. Das Timing dürfte dadurch bestimmt worden sein“, erklärten die Analysten der Commerzbank in ihrem Tageskommentar. „Es sieht so aus, als wäre in den Währungskriegen ein neues Kapital eröffnet worden, da sowohl die Japaner als auch die Schweizer versuchen, in Sachen tolerierter Währungsstärke ein Machtwort zu sprechen“, erklärte ING-Währungsstratege Chris Turner. Da hätten beide noch eine ziemliche Wegstrecke vor sich, denn zum einen dürfte die US-Notenbank (Fed) ihre Geldpolitik ebenfalls weiter lockern und damit den Dollar mittel- und langfristig unattraktiver machen. Und zum anderen sei in der Euro-Zone kaum mit einer raschen Lösung der Schuldenkrise zu rechnen, sagte Turner. 

Insofern zweifeln auch viele Börsianer an der langfristigen Umkehr der Geldströme. Allerdings scheinen die Japaner entschlossen zu sein, den Anlegern ihre Sucht nach Sicherheit auszutreiben. Denn für die Exportnationen Japan und die Schweiz kommt die Stärke der eigenen Währung einer wirtschaftlichen Katastrophe gleich, verschlechtern die hohen Wechselkurse doch ihre Wettbewerbschancen weltweit erheblich. Händler schätzen, dass Japan bislang mehr als eine Billion Yen für die Dollar-Stützung ausgegeben hat. Mitte September 2010 hatte die Notenbank, die im Auftrag der Regierung handelt, an einem einzigen Tag das Rekordvolumen von 2,1 Billionen Yen verkauft. 

Seite 1:

Eingriffe der Zentralbanken ohne Erfolg

Seite 2:

Euro kommt heute in Bewegung

Kommentare zu " Euro, Franken, Yen: Eingriffe der Zentralbanken ohne Erfolg"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%