Euro gewinnt, Gold legt zu
Schwache Arbeitsmarktdaten stören die US-Notenbank

Die Zahl der Arbeitsplätze in den USA wächst langsamer als erwartet. Das läuft den Plänen der Fed-Chefin Yellen zuwider, noch in diesem Jahr die Zinsen zu erhöhen. Euro und Gold können von den Neuigkeiten profitieren.

DüsseldorfKaum hat die US-Notenbank (Fed) quasi eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr angekündigt, da werfen neue Zahlen zum Arbeitsmarkt schon einen wieder einen Schatten des Zweifels auf diese Pläne. Im September wurden nur 142.000 neue Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft geschaffen – das ist die entscheidende Zahl, auf die Ökonomen und Märkte schauen. Im August waren es nach einer Korrektur der Statistik offiziell nur 136.000. Für beide Monate war ein höherer Wert erwartet worden. Das Stellenwachstum hat damit wohl endgültig das zuvor gewohnte Tempo von gut 200.000 Jobs hinter sich gelassen.

Außerdem ging das Lohnniveau im September sogar minimal zurück. Das alles macht eine Erhöhung der Fed-Zinsen noch in diesem Jahr nicht unbedingt dringender. Auf der anderen Seite blieb das Niveau der Arbeitslosigkeit aber bei 5,1 Prozent. Bringt man in Anschlag, dass die Verunsicherung in den vergangenen beiden Monaten durch die Marktturbulenzen, die vor allem von in China ausgingen, in den Analysen der Ökonomen und Notenbanker schon enthalten ist, dann hat sich das Bild nicht so dramatisch geändert, wie es auf den ersten Blick aussieht. Torsten Slok von der Deutschen deutet in einer ersten Reaktion an, dass er als Ursache für die Daten die Marktturbulenzen ansieht und nicht eine tiefer liegende ökonomische Schwäche.

Fed-Chefin Janet Yellen und Bill Dudley, Chef der Fed New York, hatten zuletzt relativ deutlich davon gesprochen, dass die Fed die Zinsen wohl noch in diesem Jahr zum ersten Mal seit mehr als neun Jahren erhöht. Als wahrscheinlicher Termin gilt der Dezember. Die Notenbanker wollen sich im Voraus nie festlegen und verstehen ihre Aussagen auch eher als Prognosen, nicht als feste Ankündigungen. Auf der anderen Seite möchten sie die Märkte aber auf einen derartigen Schritt vorbereiten.

Die Quasi-Ankündigung stand unter dem Vorbehalt, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten und Trends in den USA bis zum Dezember nicht wesentlich verändern. Das eher schwache Stellenwachstum im September allein dürfte noch keine Änderung des Trends darstellen. Aber es weckt doch wieder Zweifel: Sollten noch mehr schlechte Zahlen oder Nachrichten dazukommen, wird die Zinserhöhung wieder eine sehr wackelige Entscheidung.

Die Aussicht auf eine weitere Verschiebung der US-Zinswende hat den Dollar am Freitag auf Talfahrt geschickt. Ein Euro verteuerte sich nach den Daten binnen Minuten um mehr als eineinhalb US-Cent auf bis zu 1,1310 Dollar. Im Gegenzug drehten Dax und EuroStoxx50 ins Minus und notierten jeweils etwa 0,3 Prozent tiefer.

Einige Investoren nahmen Kurs auf „sichere Häfen“ wie Bundesanleihen. Dies trieb den Bund-Future bis zu 61 Ticks in die Höhe auf ein Fünf-Monats-Hoch von 157,38 Punkten. Die „Antikrisen-Währung“ Gold legte 1,5 Prozent auf 1129,51 Dollar je Feinunze zu. Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen sinkt erstmals seit August auf unter zwei Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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